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ZurQuelle Magazin

Das gesellschaftskritische Popmagazin

Regisseur Denys Arcand ist nicht auf den Mund gefallen und bekannt für seine politisch kritischen Spiel- und Dokumentarfilme. Der Untergang des amerikanischen Imperiums interessiert ihn dabei sehr. Nicht nur in seiner Heimat Québec wird er deswegen als Held und Genie gefeiert.

Gerade noch hat sich seine Freundin von ihm getrennt, da stolpert der philosophisch gebildete Lieferwagenfahrer Pierre-Paul auch schon in das Ende eines Überfalls hinein – zwei Männer tot, einer am Fliehen, die Polizeisirenen näherkommend und zwei Taschen voller Bargeld auf dem Boden. Spontan werden diese im Lieferwagen deponiert, und die Probleme können beginnen.

»Der unverhoffte Charme des Geldes« (OT: »La chute de l’emprie américain«)/ Denys Arcand / Kanada / 2018 / 123 Minuten

Die Story

Denn das Geld gehört nicht irgendwem, sondern der gefährlichen West End Gang – und die wollen ihr Geld wieder haben. Der kriminell unbescholtene Pierre-Paul Doust (Alexandre Landry) braucht also Hilfe und erhält diese vom gerade aus dem Gefängnis entlassenen, finanziell bewanderten Sylvain ‚The Brain‘ Bigras (Rémy Girard) sowie der hochpreisigen Escort Aspasia (Maripier Morin), mit der sich, vorhersehbarer Weise, eine Liebesbeziehung anbahnt. Als Gegenspieler haben diese es hauptsächlich mit den nicht ganz koscheren Polizisten Carla McDuff (Maxim Roy) und Pete La Bauve (Louis Morissette) zu tun. Und natürlich auch mit der West End Gang – oder?

Und, wie finden wir das?

Denn was am Anfang durch viel Humor, Tempo und Action begeistert, verwandelt sich mit dem langsamen Aus-dem-Fokus-Fallen der Gang-Antagonisten von einer eher typischen, modernen Crime-Comedy zu einem um Sozialkritik bemühten, lockerem Drama. Internationale Geldschiebereien stehen bald im Vordergrund, wenn es darum geht das kriminelle Geld zu waschen – was dann auch das große Problem ist. Denn einerseits sollen solche semilegalen bis illegalen Praktiken angeprangert werden. Wenn andererseits aber die durchweg als sympathisch dargestellten Protagonisten, während sie fröhlich antike Römer und Griechen zitieren, sich dieser bedienen, dann ist das schon in Ordnung.

Schlechtester Dialog

Auf den ersten Blick sicherlich einige so auch in einem schlechten Pornoskript zu findenden Zeilen während des ersten Treffens von Pierre-Paul und Aspasia, wobei das Augenzwinkern aber zu erkennen ist.

Deshalb lieber dieses zynische Bonmot vom Banker Taschereau, als er nach dem Preis eines seiner aufgehängten Bilder gefragt wird: »Wie sie wissen, braucht man Geld, um Kunst genießen zu können. Aber man kann natürlich auch ins Museum gehen«.

Reaktionen aus dem Publikum

Am Anfang wird viel gelacht, in der Mitte dann eher weniger, gegen Ende noch einmal mehr. Wirklich Negatives fällt mir nicht auf.

Äh, und der Bechdel-Test?

Nicht bestanden. Ab und an tauschen weibliche Figuren mal ein paar Worte aus, besonders Aspasia und die Polizistin McDuff, als wirkliches Gespräch kann ich solche Ausnahmen aber beim besten Willen nicht werten.

Fazit

Blutig-witzige Tarantino-esque MacGuffin-Jagd oder einschneidende Sozialkritik – es wäre schön gewesen, wenn »Der unverhoffte Charme des Geldes« sich stärker für eine Richtung entschieden hätte. So fallen beide Aspekte etwas flach, stehen zu sehr geteilt nebeneinander. Trotz allem eine nette, kurzweilige Unterhaltung.

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