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Sven Taddickens neuer Film »Das schönste Paar« springt zwischen mitreißendem Thriller und gefühlvollem Liebesdrama. Luise Heyer schenkt durch ihre Nominierung zur besten Hauptdarstellerin dem Film besondere Aufmerksamkeit beim Deutschen Filmpreis.

Ein bärtiger Mann breitet seine Papiere auf der stählernen Sitzbank am Bahnhof aus. Er korrigiert mit Rotstift, blickt ständig auf, ist nervös. Sein suchender Blick wird belohnt. In Sekundenschnelle sammelt er hektisch die Klassenarbeiten zusammen, stopft sie geknickt in seine Aktentasche und versucht möglichst wenig gehetzt und unauffällig durch die auftönende Bahntür zu huschen. Er hofft nicht entdeckt zu werden.

»Das schönste Paar« / Sven Taddicken / Deutschland, Frankreich / 2018 / 97 Minuten

Die Story

Malte (Maximilian Brückner) und Liv (Luise Heyer) sind ein glücklich verheiratetes Lehrerpaar im Mallorca-Urlaub. Im Ferienhaus werden sie von drei deutschen Jugendlichen überfallen und zum Sex genötigt. Rund zwei Jahre später ist das Schlimmste überwunden und beide meistern ihr Leben. Doch dann begegnet Malte dem Vergewaltiger Livs. Er sehnt sich nach Konfrontation und Vergeltung, wobei Liv es einfach vergessen mag. Wie gehen beide mit dieser Diskrepanz um? 

Und, wie finden wir das?

Der Zuschauer stürzt sofort in ein erniedrigendes Gefühl, das das Paar nach der Vergewaltigung fühlen muss. Nach der Sehnsucht mit dem jugendlichen Triebtäter (Leonard Kunz) abzurechnen, folgt die Angst, dass den beiden mehr Schaden zustößt. Dem Film gelingt es in völliger Natürlichkeit Menschen, Gefühle und Orte darzustellen. Die Wortwechsel, Reaktionen und Momente sind nachvollziehbar geschrieben und exekutiert. Dies ist unter anderem auch der großartigen Leistung der drei Hauptdarsteller zu verdanken. Auch Komik wird auf natürliche Weise für derart sensibles Drama inkorporiert. Letztlich stellt auch die subtile Handheld-Kamera den Zuschauer in denselben Raum neben die Charaktere. Zusammenfassend bewirken diese höchst identifikationsstiftenden Mittel eine sehr realitätsnahe und berührende Repräsentation.

Schlechtester Dialog

Unter Förderung von WDR und Arte sind die Erwachsenendialoge im Film prima gelungen. Die Jugendsprache jedoch, benötigt etwas Nachhilfe.

Junge Frau zum Unbekannten im Hausflur: »Nur zu Ihrer Info, die Müllers sind im Urlaub.«

Ihr Begleiter zu ihr: »Ne, lass mal. Ist bestimmt nur so ein Knauser.«

Reaktionen aus dem Publikum

Ich selbst fieberte eifrig mit, sagte immerzu »Kill him, kill him!«. Als es vorbei war hörte ich andere aufstöhnen »Gott sei Dank, ist es vorbei!«. Besonders spannenden Momenten tauschten Sitznachbarn durchaus Kommentare und Blicke aus. Unterm Strich spalten sich die Meinungen.

Äh, und der Bechdel-Test?

Bestanden! Zwischen Liv und ihrer Therapeutin geht es um Livs Wohlbefinden und Gefühlswelt.

Fazit

»Das schönste Paar« bleibt gemäß seinem Titel nach einigen Thrillerelementen im Liebesdrama stecken. Gleichwohl ein fesselnder und berührender Film, der einen bis zum Ende mitreißt und nach Resolution wünschen lässt.

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