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ZurQuelle Magazin

Das gesellschaftskritische Popmagazin

Ein Musikfilm mit mehr Teenage-Drama und Texting als auszuhalten ist. »Das schönste Mädchen der Welt« zeigt die Schöne und das Biest, die Rebellin und den Feigling oder einfach: vulgäre Siebzehnjährige auf Klassenfahrt in Berlin. 

Eine Schulklasse macht eine Tour mit dem Doppeldecker-Bus durch Berlin. Lehrerin: »Das ist die Mauer – wer von euch kann mir sagen, von wem sie gebaut wurde?« – zwei Schüler unisono: »TRUMP!«, zwei Schülerinnen unisono: »Oahhh Hitler!«.

Das schönste Mädchen der Welt / Aron Lehmann / Deutschland 2018

Die Story

Cyril/Goldgesicht/Maskenmann (Aaron Hilmer) wird schon immer wegen seiner großen Nase gemobbt und zieht sich immer weiter in sich zurück, liest philosophische Bücher und trägt seinen Unmut – stets unter einer goldenen Maske getarnt – bei Rap Battles aus. Widerwillig muss er mit seinen Mitschülern auf Klassenfahrt.

In letzter Sekunde kommt eine neue Mitschülerin, die vom englischen Internat geflogen ist, dazu: Roxy (Luna Wedler). Cyril und sie werden sofort Freunde. Er verliebt sich, verkuppelt sie aber trotzdem mit einem anderen Mitschüler, dem er nun vorschreibt, was zu tun und sagen ist, um ihr Herz zu gewinnen. Insgeheim fragt er sich natürlich, ob sich Roxy in jemanden mit einer so großen Nase wie seiner verlieben könnte.

Und, wie finden wir das?

Die Themen des Films sind der Altersgruppe entsprechend oberflächlich und es geht nur um das mehr oder weniger vorhandene Selbstbewusstsein. Ein bisschen Jugendsprache, Rap Battles, ein Modern Ballet Jump und feiern wie die großen Paschas. Sehr viel Füllmaterial, inhaltslose Wiederholungen, sich im Kreis drehende Dialoge.

Auf künstlerischer Ebene wird zu wenig von Cyrils Fantasie und der Realität abgegrenzt. Woher kommen plötzlich die tanzenden Mitschüler? Es ist nicht konsistent und nicht deutlich genug, um als Tanzfilm zu gelten. Das Ganze soll eine Verfilmung vom Versdrama »Cyrano de Bergerac« sein, aber das wird der Zielgruppe kaum auffallen. Für einen Musikfilm ist die Musik sehr eintönig.

Schlechtester Dialog

Ein Beispiel aus den ersten fünf Minuten:

Cyril sucht nach einem Platz im Reisebus.

Lissy zu Cyril: »Hier sitzt Titi.«

Cyril setzt sich einen Platz dahinter.

Lissy: »Hier sitzt auch Titi.«

Cyril: »Kann ja nicht sein.«

Lissy: »Wir wollen kein Rotzmassaker mit deinem Großklotz in unserem Rücken!«

Reaktionen aus dem Publikum

Innerhalb von 45 Minuten gehen zwei Gruppen aus dem Kino. Gelacht wird wenig. Der Altersdurchschnitt im Kino ist ca. 32 Jahre. Der Film richtet sich an 12- bis maximal 20-Jährige.

Äh, und der Bechdel-Test?

Eine der Hauptrollen ist weiblich. Es geht zwar die ganze Zeit um Dating aber sie hat zusätzlich Probleme mit Autoritäten und ist vermeintlich tiefsinnig. Zwei kreischende weibliche Teens reden miteinander. Sie rufen »Hitler«. Daher offiziell bestanden.

Fazit

Noch nicht einmal ästhetisch ansehnliche Aufnahmen – und das in Berlin!  Ich fühle mich alt, weil ich mich über Anke Engelkes kurzen Auftritt als Cyrils Mutter freue. Tipp für einen gelungeneren Abend: setzt euch 2 Stunden vor den Berliner Dom und beobachtet Schulklassen, dann braucht ihr den Film nicht mehr anschauen.

Quelle Beitragsbild: filmstarts.de

Unser Herz ging diese Woche an Chemnitz und seine »Trauer«märsche.

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