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ZurQuelle Magazin

von und für Zaubernde

ZurQuelle geht in die Sneak. Jede Woche. Wir wissen nicht, was kommt. Aber weil Filme schön sind und wir auch, passt das. Diese Woche lief: Das Gesetz der Familie

Ein Mann flieht durch den Wald. Eben wurde sein Auto noch von Polizeiwagen verfolgt, jetzt brennt es zu Füßen eines Strommasts. Vor dem Hubschrauber versteckt er sich unter Zweigen. Aber als der Sheriff seinen Lieblingshund in den Wald hetzt, kommt es zu einem Zweikampf, der tödlich endet.

Das Gesetz der Familie „Tresspass against us“, Adam Smith, USA 2016

Die Story

Gloucestershire, 2016. In einer Wagenburg leben moderne „Fahrende Leute“; Kern ist die Familie Cutler. Die Gruppe hat sich auf den Berufszweig „Überfall“ spezialisiert und eine meisterhafte Technik rund um’s Autoverschrotten entwickelt. Schwiegertochter Kelly möchte gern aussteigen, schon damit ihre Kinder mal regelmäßiger zur Schule gehen können. Ein Konflikt, bei dem noch weit mehr als Autos ihr Ende finden.

Und, wie finden wir das?

Die Geschichten um den nordenglischen Banditenführer Robin Hood klingen immer romantisch. Heute würde eine ähnliche Truppe ihr Lagerfeuer aus Schrott mit Benzin aufgießen, zum Spaß auf die Figur eines englischen Polizisten schießen und selbstverständlich in Wohnwagen wohnen. Moderner als in der ebenfalls romantisierenden Berliner Ausprägung der Wagenburg. Es geht ihnen schließlich nicht um das Image einer Lebensform; sie leben das einfach.

Eine engverwobene Clanmentaliät um Patriarch Colby Cutler spiegelt die Koexistenz von Nähe (der Lagerplatz) und Weite (die wunderbare westenglische Landschaft in beeindruckenden Bildern). Brendan Gleeson spielt mit einer Lebenserfahrung und eigentümlichen Weltsicht, dass der Antagonist des Films zum eigentlichen Angelpunkt wird, an dem man unweigerlich hängen bleibt.

Die Story um Autorennen und Menschen, die möglichst viel Zerstörung auf jedem Weg und mit jeder Handlung zurücklassen (im wörtlichen aber auch im übertragenen Sinn), interessierte mich eigentlich Null, aber die Figuren haben mich ab einer halben Stunde so beschäftigt, dass ich trotzdem weitergucken wollte. Das liegt neben Brendan Gleeson auch an Michael Fassbender als Kronprinz Chad Cutler und Lindsey Marshal als dessen Ehefrau Kelly. Und an dem eigentümlich ambivalenten Buch (Alastair Siddons) und der Kamera (Edu Grau), die den Landschaften, der Entwicklung der Figuren, allem, was sich dazwischen schwer in Worte fassen lässt, allen Raum lässt. Dass am Ende des Films nicht der Disclaimer eingeblendet wurde, es wären keine Tiere zu Schaden gekommen, hat mich dann aber nicht überrascht.

Schlechtester Dialog

Sie (Kelly Cutler): “Du kommst nicht gegen deinen Vater an. Das ist dein Problem.”

Er (Chad Cutler, ihr Ehemann): “Ich zeige dir mein Problem.” (Exposition in a nutshell?)

Reaktionen aus dem Publikum

Sehr wenig. Vielleicht musste sich das Publikum erst an den neuen (zeitweiligen?) Saal im Keller gewöhnen. Dort war es recht voll. Immerhin blieben die Leute, die aufs Klo gegangen waren, danach an der Seite stehen. Vielleicht, weil sie den Film für so spannend hielten, dass sie nicht stören wollten, vielleicht waren sie auch einfach nur höflich.

Äh, und der Bechdel-Test?

Knapp. Mutter Kelly spricht mit der Lehrerin ihrer Kinder über ihre Kinder. Worüber auch sonst. Das Frauenbild des Films in einer Szene zusammengefasst.

Du liebst Wein und Filme? Dann lies hier unsere letzte Sneak Review zu „Der Wein und der Wind“

Fazit

Ein moderner Robin-Hood-Film mit herausragenden Schauspielern über die Macht der Gewalt und die Gewalt der Macht, der sich einfachen Erklärungen verweigert.

Bild: Filmstarts.de