Zum Seiteninhalt

ZurQuelle Magazin

Das gesellschaftskritische Popmagazin

Regisseur Philipp Leinemann bleibt seinem Genre treu und zeigt in seinem neuesten Politthriller den neuzeitlichen deutschen Geheimdienst in Auseinandersetzung mit Terrormilizen, Waffenhandel und Lobbyismus.

Ein stiller, blauer See. Die Luft ist eisig. Ein Wolf rennt aus dem Wald und schreckt die Vögel auf. Eine blutrote Wüste. Ausgebrannte Autos am Wegrand. Ein Schuss durchbricht die Stille. Männer positionieren sich leise und halten Ausschau in die Ferne.

»Das Ende der Wahrheit« / Philipp Leinemann / Deutschland / 2019

Die Story

Martin (Roland Zehrfeld) arbeitet für den Bundesnachrichtendienst und vermittelt auf Arabisch, um Personen aus dem Nahen Osten, die eine Gefahr für die Bundesrepublik darstellen würden, zu überführen. Als die investigative Journalistin, doch auch Martins heimliche Geliebte, Aurice (Antje Traue) der BND Lobbyismus unterstellt, löst dies bei Martin großes Misstrauen aus. Warum nominiert Vizepräsident Dr. Joachim Rauhweiler (Axel Prahl) – liebevoll Rottweiler genannt – ausgerechnet den unsachkundigen Patrick Lemke (Alexander Fehling) zum Krisenleiter? Auch in Zentralasien bleiben die Anschuldigungen und Entwicklungen beim BND nicht unbemerkt und Zahiristan attackiert brutal.

Und, wie finden wir das?

Man kennt es aus den Vereinigten Staaten schon seit fast einem Jahrhundert. Es ist zwar ein generischer Verschwörungsplot, doch in Deutschland fehlte es bisher an einem gut recherchierten Politthriller, der die inneren Machenschaften der Staatspolitik dem Fußvolk näherbringt. Das ist also gelungen!

Auf filmästhetischer Ebene bleiben die generischen Bilder auch nicht aus. Kameradrohnen, die ganz analog zu kriegerischen Drohneneinsätzen filmen, sind da schon sehr vorhersehbar. Wenn die wechselnden Motive von schöner Landschaft und fallenden Bomben noch mit einem Voiceover eines Kindergedichts unterlegt werden, dann fühlt man sich wie beim heimischen Netflix-Suchten von »Dark«: hochgradig forcierte Gänsehaut.

Schlechtester Dialog

Vier adrettgekleidete Münchner Herren treffen sich am Teich. Der Dialog klingt nicht sehr pfiffig.

Dr. Grünhagen: »Ich dachte Enten füttern is‘ hier verboten!«

Herr mit strenger Miene: »Für das Lächeln eines Kindes riskiere ich’s gern.«

Reaktionen aus dem Publikum

Es waren von vornherein überraschend viele ältere Herrschaften im Saal. Sie verfolgten den Film ruhig. Zu ruhig für meine Sitznachbarin, die plump einschlief. Ansonsten keine ausschweifenden Emotionen oder Kommentare.

Äh, und der Bechdel-Test?

Nicht bestanden! Ältere Herren in Anzügen sind in der Überzahl. Die weiblichen Figuren kommen nur einzeln vor und reden nicht untereinander.

Fazit

»Das Ende der Wahrheit« hält der Staatspolitik einen Spiegel vor und gibt Einblicke in die Intrigen und Machtspiele. Er ist sehenswert, doch nichts für schwache Gemüter was Blut und Krieg betrifft. Filmtechnisch einwandfrei, gar zu glattgebügelt, denn wenig innovativ.

Du hast Lust auf mehr vom ZurQuelle-Magazin? Dann schau hier!

Ein Herz für Miet-Finnen: Für Opfer des Mietenwahnsinns

Ob »Van Gogh – An der Schwelle zur Ewigkeit« sehenswert ist, erfahrt ihr hier.

Heute schon Deine Existenz hinterfragt? Nein? Dann findest du hier unser Interview mit Conna, dem Gitarristen der Band „Kind Kaputt“.

Bestellt euch hier die wunderschöne Printausgabe. Oder holt euch gleich einAbo. Unterstützt uns bei Steady. Und kommt doch einfach mal vorbei. 

Du hast Lust auf mehr vom ZurQuelle Magazin? Wir freuen uns auf dich bei FacebookTwitter und Instagram.