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ZurQuelle Magazin

Das gesellschaftskritische Popmagazin

Bei den Internationalen Filmfestspielen in Cannes gewann »Parasite« als erster südkoreanischer Film die Goldene Palme und gilt jetzt als Favorit im Rennen um den Auslandsoscar. Regisseur Bong Joon-ho beschreibt den Film als »Dark Comedy« und bat die in Cannes anwesenden Journalisten, nicht zu viel zu spoilern.

Ein Pfirsich wird in Zeitlupe rasiert. Dazu klassische Musik. Schnitt. Eine Frau fällt mit weit aufgerissenen Augen zu Boden, in den Händen ein blutiges Taschentuch.

Parasite (OT: Gisaengchung)/ Bong Joon-ho/ 2018/ Südkorea/ 136 Minuten

Die Story

Kim Ki-taek (Song Kang-ho) riecht »als würde man alte Lappen kochen«. Es ist der Geruch der armen Leute. Zusammen mit seiner Frau Chung-sook (Jang Hye-jin) und den beiden erwachsenen Kindern Ki-woo (Choi Woo-shik) und Ki-jung  (Park So-dam) wohnt er im südkoreanischen Seoul in einem der ärmsten Stadtgebiete in einer heruntergekommenen Untergeschosswohnung, gegen deren Fenster jeden Tag um dieselbe Uhrzeit ein betrunkener Mann pinkelt. Inmitten von meterhohen leeren Pizzakartonstapeln stoßt die vierköpfige Familie mit Dosenbier auf das heilige WLAN der Nachbarn an, in das sie sich endlich wieder einhacken können.

Doch dann ändert sich ihr Leben schlagartig als Sohn Ki-woo ein Jobangebot bekommt: Er soll einen alten Klassenkameraden vertreten, der als Nachhilfelehrer bei einer wohlhabenden Familie arbeitet. Ki-woo hat zwar keine Erfahrungen, aber ein Anzug ist schnell organisiert und seine künstlerisch begabte Schwester Ki-jung fälscht ihm kurzerhand sämtliche Bewerbungsunterlagen. Nach und nach schaffen sie es alle vier Familienmitglieder unter falscher Identität als Angestellte im Hause der reichen Familie unterzubringen.

Und, wie finden wir das?

Großartig. Es ist schwierig diesen Film zu beschreiben ohne zu viel zu spoilern, aber so viel sei gesagt: Der Film ist gleichzeitig albern und lustig und abgründig und grausam. Meistens beides nacheinander: Man lacht über etwas, und dann bleibt einem das Lachen im Halse stecken.

Vordergründig eine leichtfüßige Komödie, ist »Parasite« auch eine Aufnahme gesellschaftlicher Missstände im modernen Korea. Er beleuchtet was passiert, wenn zwei Familien aus komplett unterschiedlichen sozialen Schichten in einem glänzenden, lichtdurchfluteten Designerhaus aufeinandertreffen. Dabei ergreift er kaum Partei: Weder erhebt er den Zeigefinger, noch romantisiert er das ärmliche Leben der Kims.

Das alles herrlich skurril und überzeichnet und in grandiosen Aufnahmen, die einem lange im Gedächtnis bleiben werden.

Schlechtester Dialog

Es fällt wirklich schwer irgendetwas Schlechtes an diesem Film zu finden.

Reaktionen aus dem Publikum

Zwei Sätze, die bei Verlassen des Kinosaals fielen: »Das ist der beste Film, den ich je in einer Sneak gesehen habe.« Und: »Jetzt erstmal einen Schnaps.«

Äh, und der Bechdel-Test?

Streng genommen nicht bestanden. Das liegt aber an der Form des Kammerspiels, in dem zwei Personen meistens über die jeweils abwesende Person reden. Andersherum wäre der Test also auch nicht bestanden: Es gibt wahrscheinlich keine Szene, in der zwei Männer nicht über eine Frau reden. Und das mit dem Umdrehen ist ja auch so ein feministischer Test.

Fazit

Ein brillant gefilmter und grandios erzählter Film, der einen erst zum Lachen bringt und dann den Magen umdreht. Jetzt erstmal einen Schnaps.

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