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ZurQuelle Magazin

von und für Zaubernde

Das Schönste, was einem bei der Sneak passieren kann: einem wird ein Film gezeigt, den man sich sonst niemals angesehen hätte. Wie er einem dann gefällt, ist eine andere Sache.

Ein Mann kommt völlig genervt nach einem frustrierenden Arbeitstag nach Hause. Ein Typ in orangefarbener Toga gleitet lachend in einem gläsernen Aufzug an ihm vorbei. Die Musik der nachbarlichen Kostümparty dröhnt in den Flur.

Fabrice Eboué/ CoeXister – Ein Lied in Gottes Ohr / Frankreich 2018

Die Story

Die Ehe von Musikproduzent Nicolas (Fabrice Eboué) ist die Seine runter. Um nicht auch noch gefeuert zu werden, muss er seiner ziegigen Chefin dringend einen Erfolg vorweisen. Und zumindest für Nicolas‘ berufliche Probleme ist die Lösung schnell gefunden: Eine Band muss her, bestehend aus einem Rabbi, einem Imam und einem Priester, die mit dem Namen CoeXister ein musikalisches Zeichen für Toleranz und friedliches Miteinander setzen soll. Die Bandmitglieder bilden ein illustres Trio: Samuel (Jonathan Cohen), ein depressiver Jude, der sich mit Nasenspray mit Wasser aus dem Toten Meer in Israel bei Sinnen hält. Moncef (Ramzy Bedia), ein Muslim, der am liebsten Wein trinkt und Salami isst und noch nie Imam war. Und Pater Benoît (Guillaume de Tonquédec), der mit seiner Gage nicht nur seine Kirche renovieren, sondern am liebsten weltweit AIDS heilen würde.

Und, wie finden wir das?

Dass sich die Suche nach passenden Musikern amüsant gestaltet, liegt in der Natur der Komödie. Nicht jeder Witz klappt, aber tatsächlich wird der Film im Laufe der Handlung schneller und lustiger. Insbesondere die Zankereien zwischen den Glaubensvertretern, aber auch klassische Verwechslungssituationen lassen einen schmunzeln.
Trotzdem kann sich »CoeXister« nicht von einer grundlegenden Plattheit befreien. Der Selbstironie fehlt Absurdität und Mut, vielleicht, weil über allem das schwere, fette Thema Religion hängt, das man ja ernst nehmen muss. Die Musikvideos sind aber auf jeden Fall köstlich und sollten unbedingt angeschaut werden!

Schlechtester Dialog

Nicolas: »Es war nur ein Kuss. «
Alexia, Nicolas Ehefrau: »Es war Fellatio! «
Nicolas: »Ein Kuss auf das Geschlechtsteil?«

Reaktionen aus dem Publikum

Viel Gekicher und Gelächter, der Großteil der Sneakbesucher hatte große Freude an »CoeXister«.

Äh, und der Bechdel-Test?

Nicolas‘ Assistentin Sabrina (Audrey Lamy) ist ein größtenteils gut gezeichneter Charakter. Sie ist tough, lutscht bunte Lollies und kann jeden Song von schimpfwortübersätem Rap bis trashigem Pop perfekt mitsingen und eine passenden Performance dazu liefern. Ansonsten lenkt der Film seinen augenzwinkernden Blick eher auf rassistische und religiöse Vorurteile.

Fazit

Ein kurzweiliger Film für einen verregneten Dienstagabend, nicht mehr und nicht weniger.

Bild: filmstarts.de/Copyright John Waxxx / 2017 EuropaCorp – Chez Félix – France 2 Cinéma

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