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von und für Zaubernde

Ein Sportlerfilm mit Shia LaBeouf, Stellan Skarsgård und Sverrir Hudnason. Diese Woche hat es unsere Anima im Kinosessel auf den Tennisplatz geführt – in „Borg/McEnroe“.

Der Platz flimmert vor Hitze. Weiße Linien begrenzen das grüne Feld. Ein Mann mit blonder Mähne, Schläger und Schweißband über der Stirn macht sich zum Aufschlag bereit. In Zeitlupe schlägt er den weißen Tennisball auf den Boden, direkt in das gegenüberliegende Feld – die Menge jubelt.

Borg/McEnroe 2017, Janus Metz Pedersen, Schweden/Finnland/Dänemark

Die Story

Es ist das Jahr 1980, und der schwedische Tennisstar Björn Borg (Sverrir Gudnason) versucht zum fünften Mal in Folge die Weltmeisterschaften in Wimbledon zu gewinnen. Die Welt hat ihre Augen auf Borg gerichtet: Nirgendwo bleibt er unerkannt, Fans und Ruhm folgen dem introvertierten Mann wie ein dunkler Schatten. Als Herausforderer stellt sich ihm dieses Jahr der junge John McEnroe (Shia LaBeouf), der von den Medien als perfekter „Underdog“ bezeichnet wird, aber sonst wenig beliebt ist. Laut und rebellisch wühlt er die etablierte Tennisszene auf und kämpft sich ohne Unterstützung nach vorn, bis sich beide im finalen Duell gegenüberstehen.

Hier siehst du ein Duell der beiden echten Tennisstars von 1980.

Und, wie finden wir das?

Es hängt immer etwas Mystisches an dieser Idee des schicksalhaften Scheiterns. Borg, der einsame Wolf der Geschichte, weiß genau um die Vergänglichkeit seines Erfolgs. Er muss trotzdem so lange weiterspielen, bis er verliert. Es liegt keine Schönheit im Siegen, sondern ein Zwang – Borgs Hotelzimmer muss runtergekühlt sein, um seinen Blutdruck zu senken, und genau 50 Schläger müssen für das Turnier eingepackt werden. McEnroe dagegen ist unkontrolliert und laut – das perfekte Gegenstück, und polarisiert somit das Publikum in Wimbledon, aber auch im Kino: Wer bin ich selbst? Gentleman oder doch Underdog?

So schön der philosophische Ansatz des Films zwar ist, die Frage dahinter beantwortet er nicht. Die oft bildbetonte und recht künstlerische Szenengestaltung ufert leider irgendwann in ein zu langes Finalspiel aus. Der Plot tänzelt dabei zwischen einer individuellen, spannenden Geschichte und einer langweiligen Sportler-Story.

Schlechtester Dialog

Das Finale geht irgendwann selbst den Sportkommentatoren zu lang. Einer von ihnen sagt:

„Ich zünde mir eine Zigarre an. Hoffentlich eine Siegeszigarre.“

Reaktionen aus dem Publikum

Es ist sehr voll im kleinen Kino. Weil die Tragik des Films nach einem Comic Relief schreit, der nicht kommt, lacht das Publikum auch über nicht so witzige Dinge: Zum Beispiel über einen Kuchen mit dem Gesicht des Wimbledon-Siegers drauf, das in kleine Teile zerschnitten wird.

Ebenfalls nach einer wahren Begebenheit, aber mehr zum Träumen, ist unsere letzte Review zu „Maudie“

Äh, und der Bechdel-Test?

Keinen Meter. Die einzige Frau im Film ist Borgs Freundin, und genau: Die redet nur mit oder über ihren Liebsten.

Fazit

Sehenswerter Film, wenn man Sportliches und Tennis mag – Shia LaBeouf ist sympathisch, und das Ganze streckenweise doch etwas deeper als gedacht.

Die letzte Reviews unserer „Sneaks“ könnt ihr hier nachlesen!

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