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ZurQuelle Magazin

von und für Zaubernde

Spike Lee erforscht die schwarz-weiß denkenden Rassisten im Ku-Klux-Klan. Der Film »BlaKkKlansman« wirft uns zurück in ein offen rassistisches Amerika und dabei einige Fragen für die Gegenwart auf.

Scarlett O’Hara aus »Vom Winder verweht« sucht verzweifelt den Doktor zwischen den Verwundeten des amerikanischen Bürgerkriegs, die Konföderiertenflagge weht zerfetzt ins Bild. Schnitt. Ein weißer Suprematist (Alec Baldwin) übt seine Hassreden und tut sich schwer damit, seine verachtenden Aussagen korrekt auszusprechen. Rassistisches Filmmaterial wird auf eine Leinwand hinter ihm projiziert und wirft schwarz-weiße Lichtmuster auf sein Gesicht.

»BlacKkKlansman«/Spike Lee/USA 2018

Die Story

Ron Stallworth (John David Washington) ist der erste schwarze Polizist im malerischen Colorado Springs der 70er Jahre. Um der drögen Archivarbeit zu entgehen, lässt er sich als verdeckter Ermittler einsetzen. Kurz darauf entdeckt Ron eine Anzeige des Ku-Klux-Klan in der Zeitung und bewirbt sich auf eine Mitgliedschaft. Nach einigen Telefonaten, die allesamt mit »Gott segne das weiße Amerika« enden, will die »Organisation« Ron kennenlernen. Kurzerhand wird sein Kollege Philipp Zimmermann (Adam Driver) Rons weißes Alter Ego und die Ermittlungen gegen den Ku-Klux-Klan können beginnen.

Und, wie finden wir das?

Oftmals witzig, auch wenn das Lachen nicht immer locker aus dem Hals rollt, sondern mitunter steckenzubleiben droht. Regisseur Spike Lee, der bekannt ist für seine kritischen Betrachtungen der amerikanischen weißen Mehrheitsgesellschaft und Afro-Amerikanern, wirft dem Zuschauer mit »BlacKkKlansman« ein Bündel an Themen hin.
Sehr offensichtlich sind dabei die Parallelen, die zwischen den weißen Rassisten und US-Präsident Trump gezogen werden. Die Parallelen reichen von Alec Baldwin, der für seine Trump-Imitation in der Show »Saturday Night Live« kürzlich mit einem Emmy ausgezeichnet wurde bis hin zu den Ku-Klux-Klan-Mitgliedern, die bei einem Treffen »America First« skandieren. Auch gibt es mehrfache Kameraschwenks auf ein Portrait des damaligen Präsidenten Richard Nixon, dem einzigen US-Präsidenten, der jemals zurückgetreten ist. Prophezeiung und Wunschvorstellung von Spike Lee zugleich?

Aber es gibt auch leiser angesprochene Themen. Die Rückbesinnung auf das afrikanische Erbe – beziehungsweise die Suche nach den eigenen afrikanischen Wurzeln. Oder der Hass des Ku-Klux-Klans, der sich gleichermaßen gegen Schwarze und Juden richtet, die sich wiederum beim Thema Diaspora wiederfinden, also der Verstreuung einer Volksgruppe in die Welt.
Was Lee’s Film gut kann: Alltagsrassismus im Großen und im Kleinen aufzeigen. Ron Stallworth ist dabei die zen-artige Stimme der Vernunft. Wenn seine weißen Kollegen rassistische Witze machen, erträgt er diese stoisch. Und er erinnert das Publikum ganz unaufgeregt daran, dass, nur weil niemand aktiv etwas gegen einen Spruch oder einen Witz sagt, nicht automatisch alles okay ist, was gesagt wird.

Schlechtester Dialog

Gab nix richtig Schlechtes, echt nicht!

Reaktionen aus dem Publikum

Die meist heitere Stimmung des Films überträgt sich auch auf das Publikum, es wird an den richtigen Stellen gelacht und gekichert. Der Film scheint allen gut gefallen zu haben. Kommentar meiner Begleitung:  »Ich hatte auch schon manchmal Pipi in den Augen.«

Äh, und der Bechdel-Test?

Nicht bestanden. Wenn es für Schwarze in dem Film schon nicht rosig ist, ist es für Frauen noch schlimmer. Auf der einen Seite wird die weiße, rassistische Hausfrau präsentiert, die von ihrem Mann kleingehalten wird, auf der anderen Seite gibt es die toughe schwarze Aktivistin, die nichts gegen die sexuelle Belästigung von weißen Polizisten tun kann.

Fazit

Der Film hat alles: Humor; Sprüche, die einem entweder ein Grinsen oder Schnauben entlocken; er bringt einen zum Nachdenken und ein bisschen Gänsehaut gibt es auch. 5 Popcorntüten aka unbedingt anschauen!

 

Quelle Beitragsbild: filmstarts.de

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