Zum Seiteninhalt

ZurQuelle Magazin

Das gesellschaftskritische Popmagazin

Nach dem Oscar- und Golden Globe gekrönten Film »Moonlight«, heute ein weiterer gesellschaftskritischer Barry Jenkins-Film in der Sneak. Überzeugt auch die Adaption zum Buch von James Baldwin »If Beale Street Could Talk«?

New York in den Siebziger Jahren. Schlaghosen im Paisley Print und ganze Gebäudekomplexe in Trümmern. Zwischen Emanzipation und Rassismus, Verfolgung und Befreiung. Afroamerikaner kämpfen im Stillen um Gleichberechtigung, denn anders erwartet sie eine ungerechte Bestrafung der Justiz.

Beale Street/ Barry Jenkins/ U.S.A. 2018/ 117 Minuten

Die Story

Tish (KiKi Layne) und Fonny (Stephan James) sind jung und verliebt. Sie möchten eine Familie gründen und sind auf der Suche nach einer Wohnung. Das ist schwerer als gedacht: Beide werden diskriminiert und belästigt. An Gleichberechtigung oder Unvoreingenommenheit ist nicht zu denken. Plötzlich wird Fonny festgenommen, er sitzt unschuldig in Haft und Tish ist schwanger. Die Familie wird eingeweiht, doch wer ist auf ihrer Seite und kann ihre Liebe die Ungerechtigkeit besiegen? In Zeitsprüngen erfahren wir die Geschichte.

Und, wie finden wir das?

Hundertprozent Schnulze. Der Film zielt auf eine künstlerische und hochemotionale Wirkung ab. Dafür werden viele Großaufnahmen und monologhafte Liebeserklärungen repetitiv eingesetzt. Die investigative Erzählung durch Tish wird mit mysteriösen Jazzklängen untermalt. Ein buntes Noir-Liebesdrama mit prätentiösesten Überblendungen. 

Zusätzlich werden Dokumentaraufnahmen von polizeilicher Ungerechtigkeit und Gewalt gegen Afroamerikaner eingebaut. Nach »Blackkklansman«, der mit ähnlichen Szenen neuzeitliche Geschehen aufgreift und die Zuschauer sensibilisiert, berühren die historischen Aufnahmen hier leider weniger.

Alleinig experimentelle auditive Ebenen, zwischen Off-Musik und kompletter Stille, dann dem lauten Regen, geben dem Film ein Stück Individualismus zurück.

Schlechtester Dialog

Eher monologhafte Wiederholungen und erzwungene Poesie als Fonny zu Tish sagt: »Don’t you worry. I’m coming home. I wanna hold you in my arms. I wanna be in your arms. I wanna hold our baby in my arms.«

Reaktionen aus dem Publikum

Plumpe Antworten und direkte Meinungsäußerung aus dem Film erhielten allesamt Lacher. Doch selbst danach habe ich noch nie so viele Zuschauer am Ende des Films prompt aufstehen sehen.

Äh, und der Bechdel-Test?

Über zwei Ecke bestanden. Tish redet mit verschiedenen weiblichen Charakteren über Fonny und seine fälschliche Inhaftierung. In den Gesprächen geht es weniger um Fonny, als um Pläne ihn rauszuholen.

Fazit

Verknüpfung von Krimi und Liebesschnulze, von gesellschaftskritischem Dokumentar- und dramatischem Noirfilm ergeben zu viel abgekupferte Kunstexperimente mit stereotypischem Dialog.

Du hast Lust auf mehr vom ZurQuelle-Magazin? Dann schau hier!

Lieber Stehen als Fliegen: Ein Herz für das Luftsicherheitsgesetz.

Letzte Woche in der Sneak? Drogen, Pubertät, Vater-Sohn-Drama in Beautiful Boy.

Bestellt euch hier die wunderschöne Printausgabe. Oder holt euch gleich ein Abo. Unterstützt uns bei Steady. Und kommt doch einfach mal vorbei. 

Du hast Lust auf mehr vom ZurQuelle Magazin? Wir freuen uns auf dich bei FacebookTwitter und Instagram.