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ZurQuelle Magazin

Das gesellschaftskritische Popmagazin

Diese Woche in der Sneak: Vier schillernde Figuren möchten in ein entlegenes und berüchtigtes Hotel einchecken. Jeder hat seinen Grund, jeder seine Geschichte. Sie suchen Privatsphäre, sicheren Unterschlupf oder nur eine günstige Übernachtungsgelegenheit. Kann das El Royale ihnen das bieten?

Es ist das Jahr 1969. Ein Hotel zwischen dem Sonnenstaat Kalifornien und dem Casinostaat Nevada, zwischen Wärme und dem Land vieler Möglichkeiten. Die eine Seite mit feuerrotem und die andere mit kobaltblauem Teppich ausgelegt. UFO-förmige Kronleuchter und eine bunte Jukebox. Das Foyer leer. Und der Page ist Barchef und Hausmädchen zugleich. Das El Royale hat schonmal bessere Zeiten gesehen.

Bad Times at the El Royale / Drew Goddard / USA, 2018 / 140 Minuten

Die Story

Ein Priester (Jeff Bridges), eine Frau mit viel Gepäck (Cynthia Erivo), ein Staubsaugervertreter (Jon Hamm) und eine verdächtig aussehende Frau (Dakota Johnson) möchten gleichzeitig im wenig besuchten El Royale-Hotel einchecken. Als der Page Miles (Lewis Pullmann) endlich auftaucht, versorgt er eingeschüchtert den Andrang der Gäste. Alle Reisenden bringen Altlasten mit, laufen vor etwas davon oder suchen gezielt nach etwas im El Royale.

Und, wie finden wir das?

Der üppige Schauplatz mit der berühmt-berüchtigten Vergangenheit eignet sich bestens zum Storytelling. Die Charakterbildung der Protagonisten ist das Kernstück des Films und in einzelnen Kapiteln erfahren die Zuschauer mehr über die belegten Zimmer. Dabei wird kein Charakter mehr gewichtet als der andere und jede Hintergrundgeschichte als zentral dargestellt. Der Regisseur Drew Goddard ist ein geübter Screenwriter und kreierte eine Vielschichtigkeit wie schon in erfolgreichen TV Serien (Buffy! Alias! Lost!), mitsamt einer Brise Tarantino. Das bringt dutzende gelungene Überraschungen hervor: es ist bunt, illuster und zugleich düster und verregnet. Mir gefiel die Musikauswahl der 60er nicht, trotzdem war sie qualitativ hochwertig und passend in den Film eingebaut.

Schlechtester Dialog

Ein jugendliches Mädchen sitzt in Cowboystiefeln am Strand. Ein reiferer Beachboy geht auf sie zu: »Lass mich raten: Tennessee-Girl? … nein, warte, das muss ein echtes Alabama-Girl sein.« Er zieht seine Kleidung aus. »Komm, lass uns schwimmen.«

Reaktionen aus dem Publikum

Gekicher, Lachen und auch überraschtes Aufatmen: der Film hat funktioniert. Beim Hinauslaufen war ich allerdings erstaunt zu hören, dass es einem Zuschauer nicht so gut gefiel. Kommt also auch vor.

Äh, und der Bechdel-Test?

Leider durchgefallen. Die Frauenfiguren, die sich unterhalten, reden über einen Mann.

Fazit

Schaut euch den Trailer nicht vorher an! Lasst euch auf die tolle Charakterentfaltung ein. Der Film hat auf jeden Fall Potenzial für einen Prequel mit verrückten Stories aus dem noch blühenden El Royale.

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Ein Herz in eigener Sache – die sich für euch aber auszahlen könnte (im wahrsten Sinne des Wortes).

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