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ZurQuelle Magazin

von und für Zaubernde

A United Kingdom. ZurQuelle geht in die Sneak. Jede Woche. Wir wissen nicht, was kommt. Aber weil Filme schön sind und wir auch, passt das.

Man sieht: Ein Blatt Papier und eine schreibende Feder. Eine Stimme aus dem Off vertont den Inhalt des Briefes.
In der nächsten Szene: Ein Boxkampf. Ein schwarzer und ein weißer Mann sind im Ring, sieht alles ganz harmlos freundschaftlich aus, nur die Kleidung und die Kulisse lassen erahnen, dass wir uns in einer vergangenen Zeit befinden.

Die Story

London 1947, nach einer wahren Begebenheit: Die Engländerin Ruth (Rosamund Pike) lernt durch ihre Schwester, eine Missionarin, den zukünftigen König von Bechuanaland Seretse Khama (David Oyelowo) kennen und lieben. Als Seretse beschließt Ruth zu heiraten und mit ihr nach Bechuanaland zu gehen, wo er seinen königlichen Pflichten nachkommen muss, erlangt die Verbindung internationale Aufmerksamkeit und erzeugt Empörung bei den Familien der beiden und beim britischen Empire. Die Liebenden trotzen allen Hürden, nervigen Regierungsvertretern, enttäuschten Onkeln und sogar Exil-Anordnungen und bilden zur Zeit der Apartheid eine respektvolle, gleichberechtigte Einheit gegen den Rest der kolonialisierten Welt. Mit Intelligenz und List schafft es Seretse Jahre später in sein Königreich zurückzukehren, sorgt für die Unabhängigkeit des Landes und veranlasst 1966 die demokratische Republik Botswana, dessen erster gewählter Präsident er wird.

Und wie finden wir das?

Ziemlich gut. Ziemlich pathetisch. Die Geschichte der beiden ist eindrucksvoll. Gemeinsam bieten sie allen Gegnern die Stirn, müssen von allen Seiten mit Ablehnung und Rassismus kämpfen und haben dabei nur sich selbst.

Ruth wird von ihrem Vater verstoßen, muss in einem völlig fremden Land Fuß fassen und wird dabei sowohl von den weißen Frauen als auch von den Afrikanerinnen gemieden. Seretses geliebter Onkel wendet sich von ihm ab und dann versuchen sich auch noch britische, schnöselige und vor allem nervige Regierungsvertreter in die Beziehung der beiden einzumischen. In einem Land, indem bald die Apartheid herrschen soll, darf schließlich keine solche Ehe existieren. All das trifft jedoch auf taube Ohren. Die beiden kämpfen nicht nur für ihre Beziehung, sondern auch gegen die Unterdrückung und Ausbeutung des Landes. Tapfer und beinhart wie kaum ein anderes Paar.

Besonders eindrucksvoll ist die Szene, in der Seretse vor dem Kgotla (einer Art Stammes-Tribunal) eine flammende Rede hält und dazu auffordert, ihn als König und Ruth als seine Ehefrau zu akzeptieren. Er fordert dazu auf, besser als die Briten und ein Vorbild für Gleichberechtigung und Gleichheit zu sein, während ihm eine einzelne Träne die Wange hinabkullert.

Neben wundervollen Afrika-Aufnahmen, fetziger vierziger Jahre Musik, politischen Fehden und romantischen Szenen ist das Eindrucksvollste wohl, dass sich all das tatsächlich ereignet hat.

Schlechtester Dialog

Am Schlechtesten waren leider die deutschen Untertitel. Aus diesem herrlich gestelzten Englisch hätte man eine schönere Übersetzung zaubern können.

Aber:

Der Schnösel-Regierungstyp namens Sir Alastair Canning (ein besonders nerviger Geselle) legt Seretse nahe, für fünf Jahre ins Exil nach Jamaika zu gehen.

Seretse: „Jamaica is not my country. “

Canning: „Well, there are some similarities. “

Pff.

Reaktionen aus dem Publikum

Gekicher, Gepolter, Gelächter, Geschniefe. Mit so viel Gefühlsgewalt können wir wohl alle nicht umgehen. Ein Mensch verlässt den Saal mittendrin und kehrt nicht mehr zurück.

Äh, und der Bechdel-Test?

Ja, Ruth und Seretses Schwester Naledi freunden sich an und sprechen auch über andere Dinge als Männern. Mit den weißen Frauen ist das in diesem Film nicht möglich.

Fazit

Ein großer Film mit großer Geschichte und großen Gefühlen. Romantik und Politik waren noch nie gleichzeitig so spannend. Ab ins Kino und von der Geschichte Botswanas und den beiden Hauptfiguren beeindrucken lassen!

Bild: Filmstarts.de