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von und für Zaubernde

There’s something strange in your neighborhood. Ein Toter wirft sich ein Bettlaken über die Schultern, um das Publikum zu Tode zu langweiligen. Unsere Autorin Anke hat den Kinoabend überlebt. Lest, welche Schrecken Ghost Story bereithält

Die Leiche von C, gespielt von Casey Affleck, liegt in der Pathologie. M (Rooney Mara) verabschiedet sich von ihm. Die Kamera hält weiter drauf. Circa 15 Minuten. Vorher haben sie sich schon 15 Minuten lang geküsst. Passiert noch was? Die Leiche erhebt sich. Sie braucht kein Bettlaken, sie nimmt einfach das Leichentuch. Wie zwei Augenlöcher da reinkommen, bleibt offen.

A Ghost Story, David Lowery, USA 2017

Die Story

M (Rooney Mara) und C (Casey Affleck) sind ein Paar. Sie leben zusammen. Auch nachdem C bei einem Autounfall stirbt, verbringt er seine Zeit weiterhin in ihrem Haus. Als Geist.

Und, wie finden wir das?

Horror? Grusel? Thriller? Wie ist das wohl, so als Schauspielerin eine ca. 15 Minuten lange Szene nackt, eng umschlungen von einem Schauspieler zu liegen, dessen außergerichtlich beigelegte Verfahren wegen sexueller Belästigung seinen Oscar-Gewinn im Februar überschatteten?

Schlimmer als weitere 15 Minuten einen ganzen Pumpkin Pie zu essen? In der ganzen Zeit, in der er noch lebt, hat Casey Affleck seine Hände an Rooney Maras Hals oder Kragen. Erwürgt er sie? (→ Thriller). Die Musik würde passen: Ständig gruselige Akkorde, viele Streicher, obwohl eigentlich ein Klavier eine tragende Rolle spielt. Es hätte so schön werden können, als C am Anfang des Films starb. Leider bleibt er zentral im Film, auch wenn man nicht viel von ihm sieht. Er steckt die ganze Zeit unter dem Bettlaken mit Gucklöchern.

Der Super-8-Bildausschnitt passt zur sonstigen Hipster-Attitüde des Films: Bart! Platten! Retro-Gespenst! Action pur, als das Gespenst sich zwei Minuten Töpfe im Küchenregal anschaut. Ist das Kunst oder kann das weg?

A Ghost Story

Schlechtester Dialog

Es gibt nur ca. vier Dialoge im ganzen Film. Beide schlecht. Lange Perioden des Schweigens sorgen für Langeweile – bis dann jemand beginnt zu reden. Dann ist die Langeweile noch größer. Die ersten drei Dialoge gehen ungefähr so: „Ist da jemand?“ „Was war das?“ „Weiß nicht.“ „Vielleicht ist etwas aufs Klavier gefallen.“ „Mein Herz rast richtig.“

Reaktionen aus dem Publikum

Die Sneak war diesmal so voll, dass die Leute noch bis eine Viertelstunde nach Einlass Schlange standen. Lachen, als der Film beginnt und sich die Leiche bewegt. Ein paar Leute gehen raus, nur zwei kommen wieder. Angeregtes Gespräch nach dem Abspann.

Äh, und  der Bechdel-Test?

Es gibt nur vier Dialoge in dem Film. Der letzte ist strenggenommen ein Mansplainer-Monolog auf einer Party – ein Mann erklärt den Anwesenden die Welt, die Kunst, Beethoven und wie das so ist mit dem Sinn. Bechdel-Test also nicht bestanden.

Fazit

Für ein Gespenst bedeuten Zeit und Raum offensichtlich nicht so viel.

Mehr Filme? Letzte Woche gab’s Madame“ in der Sneak. Außerdem haben wir „Die göttliche Ordnung“ besprochen (seit 01.12. au DVD). Und bei Taste the Waste? „Happiness“!

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