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von und für Zaubernde

Der scharfe Geruch von indischem Curry, in japanischer Ästhetik angerichtetes Sushi, eine kräftige vietnamesische Phô mit Rindfleisch. Schon lange sind die verschiedenen asiatischen Küchen fester Bestandteil der Berliner Restaurantlandschaft. Nun scheint sich die Palette der fernöstlichen Düfte endlich zu vervollständigen.

Vor etwa 3 Jahren startete in Berlin der Kimchi-Kult. Bis dato wussten nur wenige Menschen, welch Köstlichkeit der streng riechende Koreakohl eigentlich ist. Zugegeben, der Geschmack von scharfem, gegärtem Gemüse ist für westliche Zungen gewöhnungsbedürftig. Vielleicht hat es darum so lange gedauert bis Kimchi – oder generell die koreanische Küche – in der Hauptstadt beliebter wurde. In Korea ist die Beilage seit fast 3000 Jahren Bestandteil fast jeder Mahlzeit und so essentiell wie Reis. Wie in Deutschland seinerzeit das Sauerkraut, wurde im frühen Korea Gemüse aller Art fermentiert, um es für den Winter länger haltbar zu machen. Das ist bis heute ein großes Familienereignis, denn nach koreanischer Tradition wird Kimchi nicht nur gemeinschaftlich gegessen, sondern auch zusammen hergestellt. Wer Kimchi nicht selbst macht, ist keine Koreanerin. Kimchi selbst zu machen, lässt hingegen nicht zur Koreanerin werden. Und im Restaurant wird Koreanerinnen auch nicht gleich der Pass eingezogen, doch gehört es zum Selbstverständnis, diese essentielle Kulturleistung selbst zu erbringen. Die inzwischen bekannteste Sorte hat sich vor einiger Zeit in Berlin beliebt gemacht. Scharf eingelegter Kohl, meist mit viel Knoblauch.

Hier eröffnete das erste koreanische Restaurant, Kim Chi, schon 1979 am Kurfürstendamm. Das traditionell gehaltene Konzept der Berliner Vetretung stand jedoch in völligem Widerspruch zu dem bunten, futuristischen Land, das Südkorea heute ist. Erst ein junges Fräulein und eine Prinzessin haben der koreanischen Küche samt Flair zu ihrem Kultstatus in Berlin verholfen.

Das junge „Fräulein Kimchi“ ist in Seoul geboren. Sie lebt und arbeitet in Berlin als Personal Chefin und Caterin für private Feiern. Ihre Idee, ihr selbst gemachtes Kimchi nicht nur in Gläsern zu verkaufen, sondern mit einem Rindfleisch-Burrito zu kombinieren, verhalf ihr zu einem Stand im Streetfood-Himmel, die Markthalle 9. Inzwischen ist sie so erfolgreich, dass sie einen Laden im Prenzlauer Berg führt. Ihre jüngste Idee ist es, die deutsche Bratwurst mit koreanischen Gewürzen geschmacklich neu zu erfinden.

Die Kimchi-Prinzessin, Young-Mi Park-Snowden, führt bereits drei erfolgreiche Restaurants in Kreuzberg und Adlershof. Dass der Vorreiter Kim Chi im Jahr 2012 schließen musste, wundert sie nicht. Bevor sie 2009 ihr Restaurant Kimchi Princess eröffnete, gab es nur eine Handvoll koreanischer Restaurants in Berlin. In einem Interview erzählt sie, dies habe vor allem daran gelegen, dass die Generation ihrer Eltern als Einwandererinnen in die Hauptstadt gekommen sei. Wenn ein koreanisches Restaurant eröffnet wurde, dann nur, um in der Not Geld zu verdienen und nicht etwa, um den Berlinerinnen die koreanische Kultur näher zu bringen. Ein Jahr lebte Young-Mi in Korea. Dort lernte sie die koreanische Esskultur richtig kennen, bei der vor allem das Teilen und gemeinsame Einnehmen der Mahlzeiten im Vordergrund stehen.

„Als ich nach Berlin zurückgekommen bin, dachte ich mir: Hier gibt es eigentlich alles, außer gutes koreanisches Essen.“

Mit einem Messestand auf einem Design-Weihnachtsmarkt fing im Jahr 2005 alles an. Durch einen Freund quasi dazu überredet, bot sie zusammen mit ihren Freundinnen drei koreanische Gerichte an. Zu dieser Zeit hatte Young-Mi eigentlich immer noch ihr Schauspielstudium im Kopf. Ein eigenes Restaurant zu eröffnen, war bisher nur eine luftige Idee. Nach kurzer Zeit war ihr Stand jedoch einer der beliebtesten auf dem Designmarkt. Nun hieß es: jetzt oder nie. Bis zu der tatsächlichen Eröffnung ihres Restaurants dauerte es allerdings noch ganze vier Jahre. Schließlich sollte alles wohlüberlegt sein: das Konzept, das Essen, die Location.

„Was gut ist, muss lange wachsen“, sagt sie.

Die lange Zeit der Planung und die Liebe zum Detail haben sich gelohnt. Das Geschäft lief vom ersten Tag an gut und das zweite Lokal, Angry Chicken, ließ nicht lange auf sich warten. Rein optisch würde man nicht vermuten, dass die beiden Lokale zusammen gehören. Kimchi Princess besteht aus einem großen rot-schwarz gestrichenen Raum mit langen Tischen und Bänken aus Holz.

Das Angry Chicken hingegen ist klein und kunterbunt. Sitzgelegenheiten gibt es an einer Theke, die sich mitten im Raum befindet, und vor dem Laden, an zwei Tischen. Während bei Kimchi Princess traditionelle koreanische Gerichte auf der Karte stehen, gibt es im anderen Lokal Fusion-Food, wie Angry Fried Chicken und Burger mit Kimchi. Beides ist aber vor allem eins: authentisch. Das dritte Lokal, Mani Mugo, hat gerade erst eröffnet. Und wer weiß, was noch kommt – ein koreanischer Supermarkt vielleicht? Heimlich wünscht sich Young-Mi nämlich ein kleines Koreatown mitten in Berlin. Den Anfang hat sie ja schon gemacht.