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Das gesellschaftskritische Popmagazin

Der Isländer Teitur Magnússon ist ein Star in seiner Heimat. Fast jeder zweite Isländer besitzt ein Album von Teitur Magnússon. Es häufen sich die Goldenen Schallplatten (die gibt es zwar bereits ab 5.000 verkauften Exemplaren, aber das schaffen auf Island nur ein paar Schlagersänger und Björk). Die ganze Insel hat Teitsi mit seinem Daumenabdruck signiert. Alle Herzen fliegen ihm zu. Auch meins. Wie so viele Isländer erkannte auch ich in ihm die Verkörperung all dessen, was ich sein will und nicht kann, Jesus, Che Guevara, Allen Ginsberg, Gandalf. Wer ist dieser Typ? Ein Gespräch mit Teitur Magnússon.

Dass Teitur Magnússon heute aussieht wie ein Prophet in einer Witzzeichnung, darf nicht davon ablenken, dass er tatsächlich ein Prophet ist. Spätestens mit siebzehn hatte er seinen teleologischen Selbstentwurf fertiggebastelt. Auf die Erfüllung seines Schicksals brauchte er dann nur noch zu warten. Ich lernte Teitur Magnússon 2004 während eines Austauschjahrs in Mexiko kennen, wo man uns in die gleiche katholische Privatschule gesteckt hatte. Teitur war damals ein ausnehmend blonder Cherubim, der wusste, zu Großem bestimmt zu sein. Und ich war ein pubertierender Ausbund an Orientierungslosigkeit, der noch nicht einmal wusste, wie die Gestade des nächstens Tages aussehen würden, woran sich bis heute nicht viel geändert hat. Von einer Nonne im Religions- oder Biologieunterricht, so genau ließ sich das nicht unterscheiden, danach befragt, was er mit seinem gottgegebenen Leben anfangen will, sagte Teitur mit heiligem Ernst (und autosuggestiver Willkür): »Seré una estrella del rock’n’roll!«. Ich werde Rockstar sein. Und so geschah es auch. Zehn Jahre später, inzwischen sind Teiturs mädchenhafte Alabasterblässe und ephebische Zierlichkeit einer verkauzten Schratigkeit gewichen, zehn Jahre später bricht auf Island die Teitsimanie aus.

Kynlíf með dýrum

Aber der Reihe nach. Sein erstes Album veröffentliche Teitur Magnússon mit der Dosenbier- und Schweinerock schrammelnden Supergroup SLUGS (Nacktschnecken), die er 2006 gemeinsam mit Björks Sohn Sindri Eldon gründete. SLUGS waren brillante Idiotie und körperlich-sportiver Kindergartenkrawall. Kein Schulkind, kein Rentner, niemand im Reykjavíker Personennahverkehr, der nicht einen flotten SLUGS-Gassenhauer mit Titeln wie »Kynlíf með dýrum« (Sex mit Tieren) oder »MTHRFCKR« (Mttrfckr) vor sich herpfiff:

Sänger Sindri war ein ekstatisch huppender und zuckender Tanzbär der alten Iggy Pop School of Bare-Chestedness. Von den allabendlichen Alkoholexzessen zerfressen verfiel er allmählich zur Ruine. Heute vegetiert er im Schatten des überlebensgroßen Teitur Magnússon welk dahin. Schnecke Sindri ging am selbstgestreuten Salz des Lebens zugrunde, mit ihm waren die SLUGS am Ende. Irgendwann hatte Teitur Rock durchgespielt, das Philosophiestudium abgeschlossen, den Boden abgegrast. Der Prophet suchte sich Apostel.

Echte Strandkamille

2009 versammelte Teitur Magnússon das elfköpfige Reggae-Kollektiv OJBA RASTA um sich, das selbst auf Jamaika mehr Alben verkaufte als Buju Banton. War Reggae nicht was für phlegmatische Latzhosenträgerinnen mit komisch verzwirbelten Haaren, die sich zum neurodegenerativen Schmauchwarenkonsum den Dreck aus den Ritzen ihrer Jesuslatschen pulen? Wahrscheinlich schon und warum auch nicht? Mit OJBA RASTA machte Teitur Magnússon aus Reggae eine respektable Kunstform, für die sich niemand bei Trost Seiender mehr zu schämen braucht. OJBA RASTA veröffentlichen zwei Alben, die zu jedem isländischen Haushalt gehören wie das Billy-Regal, in dem sie stehen. Wie der Tango in Finnland ist Reggae auf Island die eigentliche Volksmusik geworden.

Teiturs »Jolly Good« (Quietschfidel), ein fröhlich-suizidaler Gassenhauer, wird viel gesungen in isländischen Karaokebars:

Und das vom zweiten Sänger und Bassisten Arnljótur Sigurðsson geschriebene »Baldursbrá« (Echte Strandkamille, Übersetzung powered by Wikipedia) ist so schön, dass man sich vor Glück die Pulsadern aufschneiden möchte. Im trashigen Video zu »Einhvern veginn svona« sieht man den weltschlechtesten Spiegeleierbrater Teitur Spiegeleier braten, ab und zu tanzen seine Freunde durchs Bild. Und dieser Satz ist künstlich verlängert, damit der Link zu einem immergrünen Evergreen nicht übersehen werden kann.

Siebenundzwanzig

2014 bringt Teitur Magnússon das erste Soloalbum heraus, ein folkiges Dings namens »27« (Tuttugu og sjö), offenbar freut sich Teitur, dass er immerhin den Kurt-Cobain-Club erreicht hat. Es ist auch längst kein Geheimnis mehr, dass Adeles »25« als Hommage an ihr isländisches Idol zu verstehen ist. Mit »27« hat Folk wieder aufgehört, eine Drohung zu sein. Folk leidet ja leider oft am auf ›Kunst‹ getrimmten Lo-Fi-Alternative-Minimalismus aus der Kunstgewerbsschulhölle. Nicht so bei Teitur Magnússon: da klampft und flötet es, die Sitar dengelt und zirpt und gesungen wird auf Elfisch mit gerolltem R und Eð- und Þorn-Lispelei. Es gibt Folk-Picking, fluffiges Shuffleschlagzeug, leicht psychedelische Orgeltöne und das ganze Tsching­de­ras­sa­bum. Das Album heischt nicht so sehr um Originalität, die wunderschönen Lieder sind fast Kinderlieder, catchy wie die Sesamstraße. Man kann nicht mehr aufhören, die Refrains sind ein einnehmender Strudel, in den man sich hineinlegen möchte.

Die Tracklist sieht so aus:

  1. »Nenni«. Das Album beginnt mit einer George-Harrison-Gedenk-Sitar und buddhistischen Om-Chören, dazu besingt Teitur Magnússon die Freuden der Leistungsverweigerung und die Unlust an ständiger Produktivität (Übersetzung hier). Die Sitar ist auf die Herzchakra-Frequenz gestimmt, die der Umlaufgeschwindigkeit der Erde um die Sonne entspricht. Behaupte ich mal.
  2. Es folgt »Munaðarhóf«, das mit seinem zweistimmigen Boy-Girl-Refrain zu einem leichten und luftigen Gitarrenpopbaiser wird (Musikvideo hier).
  3. »Staðlaust hjarta«, Blöckflöte und ein wenig retrofuturistisches Synthesizergequietsch (Musikvideo).
  4. »Kamelgult«, kamelgelbe Trompeten und verhallte Wah-uh-wah-uh-wah-Chöre (Musikvideo).
  5. »Vinur vina minna« klingt wie Donkey Kong am Koopa Troopa Beach.
  6. »Háflóð«, Liebeslied, Liedermacherklampfe am Lagerfeuer.
  7. »Drekktu«, gesprochenes Interludium. Gültigkeitsbeweis der 2. Robert-Forster-Regel, wonach das vorletzte Lied stets das schwächste des Albums ist.
  8. Zum Schluss »Allt líf«, es grüßen John Lennon und Yoko Ono mit einem immer weiter anschwellenden und ausufernden Mantra zweier sich immer und immer wiederholender Shakespear-Verse.

Nach wunderbaren 27 Minuten ist’s vorbei. Man möchte sofort mit lauter Langhaarigen in Afghanenpelzmänteln und indischen Paisleyhemden in den Wald rennen oder mit einer Bande Hobos auf den nächsten Güterzug springen.

Naja, übertreib mal nicht

Seitdem Teitur Magnússons »27« erschienen ist, sinkt auf Island die Selbstmordrate. Es kann sich keiner mehr vorstellen, wie man früher den Winter (September–Mai) auf der einsamen Insel hat durchhalten können, ohne depressiv zu werden. Teiturs Musik ist wie der nachtwarme Körper unter der gemeinsamen Decke, das beständige Gefühl des Richtigen wider die Verirrung der zugrundegerichteten Menschen im Hoch- oder Spät- oder Postkapitalismus. Wer »27« hört, ist dem Glück auf der Spur, streckt sich rücklings auf einem Glücksteppich aus. Teitur würde dazu sagen: Naja, übertreib mal nicht. Die eingangs behaupteten Haufen Goldener Schallplatten entsprechen nicht gerade den Standards eines lupenreinen Faktenjournalismus, du kuschelkorrupter Ranwanzling! Und mit überspannten Erwartungen versaut man nur alles. So leicht überträgt sich Begeisterung nicht. Und ich entgegne: Ohne das Ganze auf angemessene Größe aufzuplustern, lockt man keinen Schornsteinfeger hinterm Krematorium hervor. Ich will einfach, dass die Leute checken, dass Teitur Magnússon ehrliche Arbeit leistet im Wintergarten der Folkpop-Disco des HERRN. Gott würde hier religiös werden.

Foto von Leandro Cerro
Foto von Leandro Cerro

Interview (unübersetzt aus Faulheit)

Vor unserem Videochat-Date bin ich ganz aufgeregt. Ich fühle mich arm und klein gegen Teiturs Größe und schäme mich für meine Unwichtigkeit. Selbst Jesus Christus hätte Mühe gehabt, Teitur den Bruderkuss ohne Herzklopfen zu geben. Um meine Nervosität zu kaschieren, trinke ich mir ein bisschen Lässigkeit an. Während des gesamten Gesprächs halte ich den leichten Säuselpegel. Wenn ich merke, dass ich zu betrunken werde, knabbere ich an der Nussmischung, und wenn ich spüre, dass mein Kopf klarer wird, trinke ich wieder. Das Licht, das mein Laptop ausstrahlt, als sein Gesicht im Chatfenster erscheint, ist das gleiche Licht, das Christus umleuchtete, als er den Aposteln auf dem Berg Tabor erschien. Zur Begrüßung lache ich wie ein verliebtes Schulmädchen, verspielt fasst Teitur sich in den Prophetenbart und es geht los.

Zur Quelle: Since you Icelanders all live in igloos, how is it even possible you can video chat with me?

Teitur Magnússon: …

Ich blicke in ein Gesicht, das jeden Ausdruck verweigert.

How do you take care of your beard? Any grooming advice?

Coconut oil. It’s good to wash it like you wash your hair. And use some lavender oil, that’s always good for everything.

Wir leben in pogonophilen also bartliebenden Zeiten. Daher wäre es nur richtig, genösse die Pogonologie ebenso großes Ansehen. Bärte lesen heißt, sie als flauschige Kartenlegenden psychischer Topologien zu begreifen. Das Sexappeal des bizarr zotteligen Räuber-Hotzenplotz-Looks und die magische Aura des Bartes werden besonders an Teitur evident. Der rote Rauschebart unterstreicht seine Begabung, einen Hauch jenseitiger Inspiration in die krausen Büschel zu lenken, um aus ihnen autonome Fremdkörper zu machen, die beim Auf- und Abwehen eigene Ausdrucksformen entwickeln.

Can you name the song currently at the top of the Icelandic single charts?

Erm, no. Probably Adele or something.

What would be worse: If tomorrow all music was banned – or all books?

Which would be worse? Music. You can still tell stories in songs, you don’t have to have books. We’ve always had the Icelandic sagas, like you in Germany have your Siegfried, and instead of reciting the rhymes people where chanting, almost singing them. Until a hundred years ago, there weren’t that many instruments in Iceland, so historically most of the Icelandic music is vocal music. What do you think would be worse?

What, me? I don’t know. Maybe it’s not a very smart question to ask since it’s never going to happen anyway.

Don’t say this; music was almost banned in Iceland, or mostly dance. In the olden times, people used to have this folk dance that regularly got out of control. At one point, the church wouldn’t allow it anymore. Dance, the church said, lead to unmarried women getting pregnant and to prevent this they banned dancing. Supposedly too many children were born out of wedlock – like my baby!

Aufs Stichwort stellt Teitur ein Körbchen mit seiner drei Monate alten Tochter vor die Kamera. Sie sieht mich stumm an und ich schaue sprachlos zurück. Für den Rest des Gesprächs sind die Erwachsenen ein kleines bisschen abgelenkt vom aufmerksamkeitsmonopolisierenden Baby, das ab und zu leise vor sich hinmurmelt.

What will your daughter listen to while growing up?

Right now she’s listening to the same stuff I listen to and the songs I’m practicing.

Listening to your album »27« reminds me of how I used to listen to the Beatles when I was a boy of ten or eleven. The music was catchy as hell, but I couldn’t understand the lyrics, apart from Obladi Oblada. My singing along was just a babbling phonetic approximation to strange language sounds. And it’s not only my inability to understand your lyrics that makes me feel like a child: your album sometimes sounds like music for children. Did you want to make music your daughter could listen to?

I didn’t know about her when I recorded the album. But I hear that a lot; people tell me that their kids like my music. So there must be something inherently childish or naive in me that seems to correspond with children, although it’s not music made specifically for children. Kinda like the Beatles – most kids like the Beatles. Maybe it’s because of the fantasy world they create that you can enter any time you want. You don’t really have to understand what they’re saying, that’s the trick.

What’s the weirdest instrument you used on the album?

Probably the cuíca, which is a drum with a wire sticking out from the inside. When you rub the wire with a cloth it makes monkey sounds.

Is music the kind of present you most often give to your friends and relatives?

Yes. I just gave this album to my woman on her birthday.

Teitur hält die LP »Eitt« von Jón Ólafsson & Futuregrapher vor die Kamera.

Your woman? Are you married?

Not legally.

Does your woman make music as well?

Yeah. She sings on the album, on the last song.

Do you make money with your music?

I make a living.

Do you earn as much as you’re worth?

Hmmmm. I guess it’s like … Well.

Teitur kann sich nicht recht zu einer Antwort durchringen, seine unsichtbar aus dem Off sprechende Frau legt ihm auf isländisch die Wörter in den Mund.

Já. Yes.

Maybe you’re underselling yourself.

I don’t think so.

Have you ever received prize money or government funding?

A little bit. I might see more of that in the future. I’ve just been nominated for the best album of the year – I might win some money. And I’ve gotten some culture and arts promotion grants in the past, twice, and now I’ve applied for a third time. If I get it I’ll receive a salary for six months starting in January.

Do you pay for music?

Sometimes.

Is there a music label whose bankruptcy would fill you with joy?

No. I guess we’d all lose.

Do you think the music industry is dying?

No.

Are you mostly listening to music from the US?

No. From anywhere.

Do you prefer analog or digital?

I like everything. I used to collect cassettes, vinyl, CDs. I like to listen to music on Youtube. Each format has its charm.

What album would you take with you on a deserted island? Oh, wait, you are, in fact, already trapped on an island – let me rephrase that: What album do you think everyone should own?

That’s a very fascist question.

What’s the last album you bought?

The one I showed you.

Your first?

Maybe something by the Smurfs. Have you heard they’re communist propaganda?

What I heard is they’re anti-semitic propaganda, you can tell by their KKK-style pointy hats.

Anyway, after the Smurfs I tried to collect the complete Beatles on cassette. And after that, when I was ten years old, I bought the Prodigy, »The Fat of the Land«, probably the first album I bought with my own money.

Do you find music criticism and reviews important?

Yes. But not as important as the music. Before the internet, people used to be bombarded so much more with music they couldn’t choose. It’s pretty easy nowadays to design your own radio program. We’re now more in a position to control what to listen to, and you don’t really have an excuse to complain about bad music. Nobody forces you to listen to it except you put it on yourself. Maybe that’s the reason why there is less music criticism nowadays. But we still need reviews because there’s a jungle of music out there, and we need people who hack a path through the jungle, people who help us find out what’s good, what to check out.

Is the majority of musicians you listen to male or female?

I don’t know. I haven’t counted genitalia.

Have you met any famous musicians?

I’ve met Ariel Pink, Father John Misty, and all the Icelandic ones.

Did you have good music teachers in school?

They were okay. Music lessons at school consisted mainly of a sing-along routine. Unfortunately, the government always tends to cut funding for artistic stuff in public schools. I did pick good private teachers. Most musicians in Iceland are also music teachers and I used to do teaching too, in a rehab for children and teenagers. You know, teach the little junkies.

What are you working on at the moment?

I’m working on songs for a new solo album and I’m working on new songs for the next Ojba Rasta album as well. I’m also working on a few collaborations, experimenting to write songs with other musicians. And I’m being a dad.

A few years ago I watched a documentary in which three Abbas commented on this and that. Except Agnetha, of course. Anna-Frid said that it had always been very clear to her that Agnetha had the principal voice, she enjoyed greater popularity and received all the attention: Agnetha had a soprano, whereas Anna-Fried herself only sang mezzo-soprano. This is how I always explain away all my humiliations and defeats in my life: Unfortunately, only mezzo-soprano. How do you explain away your failures and personal shortcomings?

You mean how do I deal with failure? I try to look at it as an opportunity to learn. I want to love life in its entirety even when I’m mad at myself. I try not to regret anything.

Would you rather work on your music outside of Iceland?

No.

Maybe in Berlin?

Maybe. I don’t know. Right now I’m happy here. Berlin seems to be interesting but people there wouldn’t understand what I’m singing. Maybe they wouldn’t care, maybe that’s part of my appeal. Maybe I’d start making up understandable lyrics on the go. I would like to play in Germany to feel it out. What’s hard for me is to have this blank page in front of me. I don’t know what to expect from Berlin or Germany.

Do you feel provincial sometimes?

I’ve always lived in Reykjavík which is the biggest city here but is rather small compared to the big cities in Germany. In Iceland, I don’t feel provincial but on a global scale maybe I am. I’m fifty–fifty that way. I like the countryside but I couldn’t live there at this point of my life. I’m a very social person, I’d like to be able to meet a lot of different people and good friends. I need to have different outlets for my communication, I need people to work with, to make music, exchange ideas and go to parties with. I need good vibes. It’s hard to be open to someone when you talk to them for the first time – like you’d have to all the time in an unknown town.

An dieser Stelle entschuldigt sich Teitur und verschwindet mit dem Baby im Nebenzimmer zum Windelwechsel. »Alles fit im Schritt?«, hätte ich ihn fast gefragt, mich aber zum Glück eines Besseren besonnen. Nach einem Gespräch über waschbare Baumwollwindeln setzten wir das Interview fort.

Are there more tourists in Iceland than Icelanders?

There are more people that go through Iceland every year than there are Icelanders, about one million tourists. There are 330.000 Icelanders right now, but I don’t know how many tourists there are at any given day. I don’t think they outnumber the Icelanders.

How do you feel about the one million tourists?

Well, it has its good sides and its downsides. All in all, I like that people enjoy to visit Iceland. But then there was a real vacation boom with many changes happening so fast. Take, for example, Airbnb, with many apartments being rented out to tourists instead of regular tenants. As a consequence, the rent prices are going up. I’m sure you’re experiencing the same thing in Berlin. It’s becoming harder to find affordable housing. I was just lucky because a friend helped me out but the open market is very unfair. However, that’s not the tourists’ fault, it’s just people being greedy.

Do people romanticise about Iceland too much?

Many romantic ideas people have about Iceland might be pretty close to reality, at least with regard to nature and culture and the general ambience. That’s not just a fantasy. Though sometimes I get the impression they think this island is some kind of utopia where everything is perfect. Politics are just as rotten here as anywhere else.

Is it true Icelanders are completely obsessed with licorice? How can you eat that shit?

Maybe not obsessed. Icelanders love it. We have a special type of licorice mixed in with chocolate. It’s NICE.

Traditionally, Iceland has been a fishing nation. How much is the fish?

All I can say is: It’s nice to be important but it’s more important to be nice.

How much is a gram of weed in Iceland?

3500, I think.

Crowns?

Yes.

Where do you see yourself in five years?

I haven’t made any plans yet.

Iceland is home to the world’s only penis museum where exhibits from hamster to blue wale penises are at display. Do you consider donating after you’re dead?

They already have one donation for humans. From an old nazi called Páll Arason. The guy running the museum is said to be a communist. Somehow their common interest made them overcome their differences.

They couldn’t agree on anything except penises.

Yeah.

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Teitur Magnússon: »27«

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Fotos sind Einzelbilder aus dem Dokumentarfilm »Moving Pictures« von Leandro Cerro. Mit freundlicher Genehmigung.