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ZurQuelle Magazin

von und für Zaubernde

Eine gesunde Röte wanderte von meinen Ohren hin zu den Wangen, mein Magen kribbelte so stark, dass mir fast übel wurde und mein Hirn zerrann zu einer schwammigen Masse aus Schmalz-Liedern, Ego-Schauern und Zukunftsvisionen. Ich war verliebt.

Genauso, wie es sein sollte. Mit der Trennung kam dann die Hässlichkeit in Form von Realität zurück. Sie stank nach Weißwein und verpasste mir stoppelige Beine.

Die Antwort auf alles: Online-Dating

Um das sinkende Schiff zu retten, griff meine Freundin in bester Millennial-Manier zur Maus und meldete mich bei einer Online-Dating-Seite an. Bevor ich meine Erwartungshaltungen an mich oder meine romantische Zukunft festlegen konnte, umschwärmten mich plötzlich dutzende, wenn nicht hunderte Kandidatinnen und Kandidaten. Nicht einen Finger musste ich krümmen, um die Aussicht auf das kribbelige Gefühl wiederherzustellen. Jetzt galt es, Menschen auf Pixel-Basis auszusortieren.

 /swaɪp//swaɪp//swaɪp/

Schnell wurde mir das Lesen der Profile zu anstrengend, Swipen fiel mir dafür immer leichter. Am Anfang fand ich nur meine Masse an Bekanntschaften frivol. Dann aber klang nach und nach auch die Begeisterung für Personen ab, mit denen ich durch Cafés, Bars und manchmal auch Betten zog. Die ersten Bekanntschaften spukten noch Tage nach dem Date in meinem Kopf herum. Ich tüftelte an den perfekten Nachrichten und horchte brav ihren kulturellen Empfehlungen. Sogar Death Metal tat ich meinen Ohren eine Woche lang an. Zu meiner Verteidigung, der Typ trug weder lange Haare noch fluoreszierende Werwolf-Shirts.

Die Oberflächlichkeit wuchs exponentiell mit der Date-Frequenz

So viel zum Thema rote Ohren. Doch mit steigender Date-Frequenz wurde das Gras immer grüner. Ich sprang von einer Person zur nächsten, und konnte dabei schon allein aus Pragmatismus nur noch an der Oberfläche kratzen. Während mir Tom aus England von seinem Studium erzählte, schaute ich gedanklich schon in die türkisen Augen von Jean-Baptiste, dem arroganten Schönling aus… woher wohl?!

Exklusiv? Nöö, lass mal.

Mein amouröses Förderband kam eines Abends abrupt zum Stillstand. Der aktuelle Bettgefährte neben mir verkündete lächelnd, dass er niemanden außer mir treffen würde. Schlimmer noch, er stellte mir die Frage, wie es denn bei mir aussähe. Nun ja… Ich log, brach das Ganze überstürzt ab und fing an, nachzudenken.

Sehr viel Weg, aber kein Ziel mehr

Was war passiert? Aus meiner anfänglichen Suche nach dem besonderen Gefühl war ein zynischer Marathon geworden. Es ging nicht mehr um eine Person oder Beziehung. Mein kleines Ego hatte sich an flüchtige Streicheleinheiten gewöhnt und wollte sich dafür nicht mehr anstrengen. Ich hatte interessante (und meistens superheiße, whelp) Menschen beim ersten Anzeichen von Anstrengung über Bord geworfen. Das Schiff war endgültig gesunken.

Byebye, Online-Dating – bis irgendwann

Ich verabschiedete mich vom Online-Dating. Mit der Trennung kam die Hässlichkeit in Form von Realität zurück. Sie schenkte mir Reue und das Klischee eines Premium-Netflix-Accounts. Ich habe seitdem viel gelernt. Die Dokumentationen von Netflix sind echt gut. Außerdem weiß ich jetzt, dass ich irgendwann einmal wieder in der linken Ecke neben dem Küchentisch stehen werde. Dort, wo das Licht so gut für Selfies ist. Und diese dann ins Internet stellen werde, gepaart mit ein paar charmanten Worten über mich.

Love is the answer, not the problem

Denn im Endeffekt ist nicht die virtuelle Suche nach Liebe das Problem. Es ist die Frage danach, was man eigentlich möchte. Gäbe es darauf eine simple Antwort, wäre das Leben sicherlich einfacher. Vor Kurzem habe ich jemanden an der Bushaltestelle kennengelernt. Und eine weitere Person auf einem Konzert. Das hat zwar wesentlich länger gedauert als im Internet, dafür stehe ich mit beiden Personen noch in Kontakt. Weil sie es mir nicht so einfach gemacht haben.

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