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ZurQuelle Magazin

von und für Zaubernde

Sonntag habe ich pervers viel Vanilleeis gegessen und mir Gedanken über mein Liebesleben gemacht. Um ein Next-Level-Dating-Problem, eines, das mit Swipes und Emoji-Ergüssen in mein Smartphone geflutscht ist. Vielleicht ist es auch kein Problem, sondern lediglich ein weiterer Neologismus für schlechtes Benehmen: Ghosting. Es hat sogar einen eigenen Wikipedia-Artikel.

Ich ghoste, du ghostest, er/sie/es ghostet

Ghosting bedeutet einen abrupten, vollständigen Kontaktabbruch zu einer Person. Jemand verlässt eine Beziehung oder ein Gespräch scheinbar ohne jeden Anlass. Man dreht sich um und geht. Nur dass sich das außerhalb virtueller Sphären kaum jemand wagt. Online ist es hingegen eine gängige Methode. Sie kommt dem menschlichen Naturell sehr gelegen. Bequemlichkeit hat Vorrang. Asozial ist sie auch.

Seinem anynonymen Online-Gegenüber kann man ganz schuldgefühlslos ghosten

Ich stecke in einer amourösen Zwickmühle. Ein ganzer Markt voller potenzieller Kandidaten wartet in meiner Tasche auf Rückmeldung.
Zeit für Pragmatismus! Suboptimale Gespräche haben keine Chance. Warum sollte ich mich überhaupt nochmal melden, wenn ich doch unbehelligt aus dem Chat verschwinden kann? Das Gemeine ist auch: Der Mensch auf dem Bildschirm ist nicht plastisch genug, um deshalb Schuldgefühle in mir auszulösen.

Wieviel ‚ich‘ gibt man eigentlich preis wenn man online datet aka die Angst vorm Ghosting schwingt immer mit

Aber genauso denkt wahrscheinlich auch jemand von mir. Und als ich zum ersten Mal die Verlassene bin und gesenkten Hauptes swipend und seufzend in mein Bett zurückkehre, spüre ich den primitiven Schmerz dieses digitalen Vakuums.
Und erst die Fragen! Ist mein Zahnpasta-Profilbild doch zu katholisch für Tinder? Habe ich grammatikalische Fehler in meine Nachrichten eingebaut, weil ich müde war? Hätte ich mit meiner Meme-Leidenschaft doch hinter’m Berg halten sollen? Was habe ich falsch gemacht? ICH BIN DOCH BRILLIANT???!!!

Ghosting ist für Feiglinge!

Geghosted zu werden, oder analog: Auf mutlose Art und Weise abgekanzelt zu werden, ist kein Privileg der Hässlichen. Es passiert allen digital agierenden Wesen auf der Suche nach Formen von Zuneigung. Wie frustrierend ist das eigentlich?
Sonst haben Digital Natives so eine große Klappe! Wir müssen uns mal wieder zu Anstand durchringen. Zu einem “Hey, sorry, aber ich glaube das wird nichts mit uns. Viel Glück für dich!”

Was wir im Real Life schaffen, das schaffen wir auch auf Tinder. Banaler geht’s doch kaum. Seid nett!

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Danke Papa. Das Blinddate.