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von und für Zaubernde

Datingapps scheinen auf den ersten Blick alles besser zu machen: Sex ohne Ansprechen, wer wünscht sich das nicht? Das Problem ist nur, dass dabei häufig scheiß Dates rumkommen. Das muss aber nicht so sein. Datingapps können nämlich sehr viel mehr.

»Du studierst also Englische Kulturwissenschaften?«, fragt mich der schöne Brite, der mir in der Bar gegenüber sitzt. »Heißt das, ich bin für dich nur so eine Art Feldstudie für dein Studium?« »Nein, ich schreibe gerade einen Artikel über Datingapps, insbesondere Tinder. Du bist also eher eine Feldstudie dafür.«

Datingapps können mehr – wenn man sie lässt

Der schöne Brite wirkt amüsiert und besteht darauf, in meinem Text der »schöne Brite« zu heißen. Er lacht. Dabei meine ich es zumindest halb ernst. Es macht jetzt natürlich nur wenig Sinn zu argumentieren, dass Datingapps wie Tinder nicht nur für Dates gut sind, wenn man mitten in einem Tinderdate steckt. Aber die App hat tatsächlich mehr zu bieten.

Tindernd durch die Städte dieser Welt

Nach One-Night-Stands und tatsächlichen Dates ist die häufigste Nutzweise von Tinder: als Fremdenführer. In Berlin ist Tinder ebenso verpönt wie die Touristen selbst, aber ganz praktisch, wenn man in einer fremden Stadt sein ortskundiges Match einfach nach ein paar Insidertipps fragt. So hat ein »Freund« (ich geb’s zu, ehemaliges Tinderdate) Warschau kennengelernt.

Mehr als nur gucken und wischen

Es gibt aber noch mehr, was Tinder zu bieten hat. Zum Beispiel konnte man in Berlin zum Valentinstag Gästelistenplätze für eine Party ermatchen. Wenn man in L.A. wohnt und zufällig Conan O’Brien oder Dave Franco matcht, landet man eventuell sogar im Fernsehen oder auf YouTube. Sogar Zac Efron und Hilary Duff sind auf Tinder (naja, jetzt nicht mehr. Spoiler: Zaccy fanden scheinbar alle doof und bei Hilary hat’s nur für ihr Musikvideo gereicht. Dumm.).

Allerlei Absurditäten aus der Welt der Datingapps

Aber auch wenn man die Datingapp nicht selbst nutzen will, gibt es immer noch genug Menschen, die das für einen erledigen. Auf dem Instagram-Profil Feminist Tinder lädt die Nutzerin Screenshots von Reaktionen auf ihre Selbstbeschreibung als Feministin hoch. Das Blog Tindercaust sammelt Profilfotos von Tindernutzern, die zur Chancensteigerung auf Geschlechtliches ausgerechnet vor dem Berliner Holocaust-Mahnmal posieren. Shahak Shapira hat die Idee geklaut und sehr viel öffentlichkeitswirksamer unter dem Titel „Yolocaust“ wiederverwertet. Was hier aufgezeigt wird, ist aber nicht die negative Seite von Tinder, sondern schlichtweg der unendlich scheinende Drang zur Selbstdarstellung. Egal wo, egal was, Hauptsache posen.

Es ist, was man daraus macht

Letzten Endes kommt es darauf an, was man daraus macht. Wer meckert, Tinder sei nur zum Vögeln da, der hat es eben nur dafür genutzt. Kleiner Tipp: Anstatt für Netflix & Chill könnt ihr euch ja mal zum Brunchen verabreden. Dann ist auch die Chance größer, dass man den Menschen kennenlernt und nicht nur die Ausstattung.

Eine neue Studie hat nun sogar herausgefunden, dass ein Großteil der Tinder-Nutzer die App nicht für den Abbau sexueller Frustration nutzen. Ihnen ging es eher um „Sonstiges“: Freundschaft, Bekanntschaft, Sightseeing.  Und wenn man eigentlich doch nur Bock auf den Chill-Part hat, sollte man auch dazu stehen. Also vorher kurz überlegen, was man möchte, dann ist die Enttäuschung hinterher nicht so groß. Und die Freude im Erfolgsfall um sehr viel größer!