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ZurQuelle Magazin

von und für Zaubernde

Eltern wollen ja gemeinhin das Beste für ihr Kind. Aber bei Blinddates hört es auf. Denn nur eine Sache kann schiefer gehen als ein Blinddate: ein von den Eltern arrangiertes Blinddate.

Wenn ich meinen Papa besuche, dann weiß er meistens nicht wirklich viel mit mir anzufangen. Es gibt nur wenige Dinge, auf die wir uns bei gemeinsamen Unternehmungen einigen können. Essen und Bier trinken sind dabei elementare Bestandteile. Dann werde ich gerne auch mal mit zum Stammtisch genommen, bei dem ich seine Freunde in höherprozentigen Genusslagen erlebe. Einem solchen Anlass habe ich es zu verdanken, dass ich Peter* kennenlernte. Peter und ich, das war Schicksal. Und das Schicksal mag es, mich zu verarschen.

In der Stadt, in der mein Papa wohnt, gibt es einmal im Jahr ein Massenbesäufnis – das Oktoberfest der Kleinstadt. Dirndl und Lederhosen werden dann genauso getragen wie Literkrüge voller frisch gezapftem Bier. Passend dazu gibt es schlechte Musik, überfüllte Straßen und kaum Toiletten. Das wäre also das Setting – kommen wir zum Date:

Ich bin unter 40, holt mich hier raus!

An meinem ersten Abend in der Kleinstadt wurde mir das Geständnis entlockt, single zu sein. Der Stammtisch wusste sogleich die Lösung: Peter. Schon länger unterhielt sich mein Papa mit einer gut bebusten blonden Frau (so würde er sie wohl nennen). Bald kam dann natürlich auch das Kinderthema auf und: oh Wunder, sie hatte einen Sohn, in meinem Alter und der war auch noch single! Die Anpreisung ihres Sohns machte mich skeptisch („Der ist auch ein Hübscher und ganz nett.“) aber mir graute vor der Vorstellung, auch den folgenden Tag mit Mitt-Vierzigern in der verspäteten Midlife-Crisis verbringen zu müssen. Also ließ ich mich überreden, ihn zu treffen und rückte meine Telefonnummer raus. Als ich am nächsten Tag eine Nachricht von einem gesichtslosen aber Motorrad fahrenden Menschen erhielt, wurde ich doch neugierig. Schien ein abenteuerlustiger Typ zu sein, dieser Peter. Wir verabredeten uns ganz klassisch an einem Treffpunkt auf dem Massenbesäufnis.

Blinddate zu … dritt?!

Dann war es endlich soweit und – er hatte einen Freund dabei. War ihm wohl doch nicht so geheuer, ein wildfremdes Mädchen alleine (!!!) zu treffen. Aber die Dreisamkeit sollte sich rückblickend als große Erleichterung herausstellen, denn Peter hatte wohl das soziale Upgrade „small talk“ noch nicht installiert. Johann*, sein Freund war ganz euphorisch und versuchte uns die Situation so unangenehm wie möglich zu machen. Nachdem wir uns alle vorgestellt hatten („Hi, ich bin Peter“; „Hi, Laura“; „UND ICH BIN DER JOHANN“) begann er mit seinem Monolog, der es Peter ermöglichen sollte, 3 Stunden zu schweigen.

Flucht? Fehlanzeige

Soweit ich mich an diesen stark verdrängten Sommertag zurückerinnern kann, erzählte mir Johann von ihrer Arbeit bei der freiwilligen Feuerwehr, dem Studium (ehem Maschinenbau ehem) und ihrer geteilten Leidenschaft für das Motorrad fahren. Johann und Peter schien es nicht zu stören, das ich nur hin und wieder ein: „Ahaa“ einwarf und bei gelegentlichen Fragen sehr einsilbig antwortete („Marburg.“). Immer langsamer werdend trottete ich hinter ihnen her und warf fröhlichen Freundesgruppen sehnsüchtige Blicke zu. An einen Fluchtversuch verschwendete ich keinen Gedanken, denn es gab es nur eine verfügbare Richtung, in welche sich ein Menschenmassenstrom bewegte: Richtung Bierzelt.

Und dann waren’s nur noch zwei

Mit dem frischen 10€-Bier (5€ Bier, 5€ Pfand) stand ich also eingepfercht zwischen Johann und Peter und gratulierte mir in Gedanken schon zu meinem ersten richtig miesen Klischee-Blind-Date. Dann entdeckte Johann doch tatsächlich noch andere Freunde und ließ mich mit Peter allein zurück. Ihm war das genauso unangenehm wie mir. Nach der obligatorischen Frage „Und, was hörst du so für Musik?“ waren wir uns schnell einig, dass wir dieses Thema nicht vertiefen wollen und so schwiegen wir, bis uns Johann aus der unangenehmen Stille erlöste.

Papa – der Retter in der Blinddate-Not

Mein Bier war dann glücklicherweise leer und ich musste auf Toilette. Peter bot sich an, meinen Krug bis zu meiner Rückkehr sicher an seinem Gürtel aufzubewahren. Erst auf Toilette fiel mir ein, was für ein perfekter Moment des stillen Abgangs mir sich gerade bot. Nur auf die 5€ Pfand, die an Peters Gürtel baumelten, wollte ich nicht verzichten. Ich suchte also in der Menschenmenge nach meinem Papa, fand ihn zum Glück und bettelte ihn an, mir meinen Bierkrug zurück zu holen. Er lachte mich aus, half mir aber dennoch, das Date, das er mir eingebrockt hatte, zu beenden. Leider verstanden Peter und Papa sich super, sodass ich eine weitere halbe Stunde schwer gelangweilt neben den beiden Plaudertaschen stand und wie ein kleines Kind an dem Ärmel meines Papas zog, um endlich gehen zu können.

Pommes gut, alles gut

Papa fand Peter „doch echt nett“ – ich antwortete resigniert, dass es auch einfach an seinem hohen Pegel an alkoholisierter Glückseligkeit liegen könnte und er sich doch bitte beim nächsten Mal nach einem Schwiegersohn umsehen sollte, der sich nicht von Mama die C&A-Hosen kaufen lässt.

Immerhin hab ich dann zum Trost Pommes bekommen.

*Namen geändert

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