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ZurQuelle Magazin

von und für Zaubernde

ZurQuelle liest: „Das Nirvana Baby“ von Juri Sternburg. Paul Bakunin plant ein Bekennerschreiben zu verfassen. Was dann passiert, läßt alle staunen.

Der unsympathische Mittzwanziger Paul Bakunin ist unzufrieden mit sich und der Welt. Deshalb plant er einen Anschlag und, das ist das allerwichtigste, ein Bekennerschreiben. Historische Zustände und Welten verschwimmen, doch letztendlich ist Paul das Nirvana Baby – das Baby vom „Nevermind“ Cover war er- und der Name ist Programm.

Hate, Drugs and Humor á la Bret Easton Ellis

Juri Sternburgs Werk ist eine moderne Hommage an „American Psycho“. Ein „Stream of Consciousness“ der etwas anderen Art. Unterhaltsam und kurzweilig. Zwischen Einwortsätzen und Whatsapp-Protokollen zieht Sternburg den Leser in die Welt von Paul und dessen Schriftstellerfreund Jimmy. Eine graue und bittere Welt voller Abscheu und Verachtung, die Spaß macht. Die Sicht des Protagonisten auf die Dinge ist weder revolutionär noch reaktionär und in dieser doch irgendwie konservativ chaotischen Rolle gefällt Paul sich am meisten. Er hasst alles und jeden: Schauspieler, Künstler, Kunstkritiker, „Tinder-Bitches“, Kassiererinnen, Busfahrer, Hooligans und vor allem die Polizei. Und wären da nicht die Drogen, würde er gar nicht mehr auf sein Leben klar kommen.

Ein wenig unglaubwürdig ist der im Subtext mitschwingende universelle Hass und Pauls tiefer Weltschmerz schon, denn in der überzogenen Großstadtverachtung steckt Liebe. Die Liebe zu einer Gesellschaft, die sich selbst immer mehr an den Abgrund bringt und es auch nicht anders verdient hat, als dort zu sein. Ebenso schürt es Ressentiments gegen jene mürrischen Gestalten, die wie Paul am liebsten alles in die Luft jagen würden. Kurzum: So scheiße ist es alles gar nicht oder doch? Um sinngemäß den Wuppertaler Rapper Prezident zu zitieren „spuckt dich jemand an, sieh’s als Kuss aus der Distanz“.

Weite Kuriositäten in der Analyse: „Ein Herz für Gelee-Bananen“

Der Autor ist sich bei seinen Ausführungen und Philosophien nicht zu schade auch mal den ein oder anderen Kalauer rauszuhauen. Dabei bleiben jedoch manche Wortspiele auf der Strecke: „Die Oper war ihm auch zuwider. Isolde hörte sich trist an“ (S. 12). Als Paul aber über Holocaustmahnmalselfies nachdenkt, passen diese besser: „Aber sein Großvater würde sich im Grab umdrehen. Dafür hatte er das Konzentrationslager sicherlich nicht überlebt. Yolocaust“ (S. 14). Je mehr man sich jedoch an derlei Spielereien gewöhnt hat, desto gefälliger wirken sie. Sprachlich Kokettiert Juri Sternburg auch mit Jugend- und Internetsprache und auch ein K.I.Z.-Zitat findet seinen Platz.

Attila Hildmann rastet NICHT aus…

Paul -aka „Das Nirvana Baby“- ist einer wie du und ich

Ähnlich wie Patrick Bateman ist er einfach nicht da. Zwischen prätentiösen Kulturveranstaltungen und Koks in Szeneclubs schwankt Pauls leere Hülle umher. Paul ist gefangen im falschen Körper, in der falschen Zeit und auch falschen Kultur. Er möchte all dem ein Ende machen, ist aber wie jeder andere Millennial zu busy um sich wirklich mal darum zu kümmern.

So schnell wie es begonnen hat, ist es auch schon vorbei. 75 Seiten sind nicht sehr lang, doch Drogen-Liebhaber kommen bei dieser Lektüre auf ihre Kosten. Es liegt Nahe, dass beim Verfassen des Werkes ein paar Gläser von Delirium verheißendem Destillat einen Abnehmer fanden. So stellt sich, wie in jeder guten Textanalyse, die Johann-König-Frage: „Was hat der Autor … genommen und wo bekomme ich es her?“ Wichtiger ist jedoch die Frage: Wo bekomme ich „Das Nirvana Baby“ denn her?

Ganz einfach hier! Und das echte Nirvana Baby gibt’s bei „Promiflash“ auf Youtube:

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