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von und für Zaubernde

Wir waren beim Fantasy Filmfest. Bei „It Came from the Desert“ gab es eine Begegnung der dritten Art – mit Riesenameisen.

Vor dem Einlass bildet sich schon eine lange Schlange. Manche blättern nebenher im Programmheft, ein junger Mann legt Flyer für eine Horrorfilmnacht aus. Die wenigen Personen mit Festival-Dauerkarten kommen deutlich schneller in den Saal. Dann geht es für mich los, mit meinem ersten Film auf dem diesjährigen Fantasy Filmfest in Berlin – einem großen Fest für Freunde von Horror, Trash und Science-Fiction.

It Came from the Desert, Marko Mäkilaakso, 2017

Die Story

Das Militär hat unter dem Namen “Project Them” in der Wüste Experimente mit Alien-DNA und Ameisen gemacht. Brian und Lucas wissen davon gar nichts, genau wie der Rest der Welt. Sie wollen nur mit ihren Motorcross-Kumpels Party machen. Bier, Bikes und stereotype Geschlechterrollen voller “Dudes” und „Chicks”. Außerdem will Brian noch die “umwerfende Lisa” (Zitat aus dem Programmheft des Festivals) rumkriegen. Leider stehen die Monsterameisen genauso auf Bier und Schnaps wie die feierwütigen Rollerfreaks.

Und, wie finden wir das?

“It Came from the Desert” ist ein ziemlicher Tiefflieger. Platte Sprüche, Alkohol, allerdings wenig nackte Haut. Die Monsterameisen wurden mit CGI zum Leben erweckt. Die Teilnehmer der anschließenden Podiumsdiskussion mit Regisseur, Drehbuchautor und Produzent kritisieren das.

Wo bleiben die Effekte, die von Hand gemacht sind, wenn der Film sich schon an 50er Jahren Monsterfilmen wie “Them!” orientiert? Der Regisseur entschuldigt sich, dass bei einem geringen Budget und einem Limit von 20 Drehtagen vieles aus dem Computer kommen musste. Gerne hätte er mehr von Hand gemacht.

Tatsächlich stand das Screening beim Fantasy Filmfest bis vor Kurzem noch auf der Kippe: Die Version, die im Frühjahr eingereicht wurde, war noch völlig ameisenfrei. Für einen Ameisenfilm wäre das unvorteilhaft, zumal eine besonders schöne Idee der Macher war, den Ameisen Untertitel zu verpassen.

Reaktionen aus dem Publikum

Beim Hinweis, dass es sich bei dem Film um eine Atari-Videospielverfilmung handelt, machen sich die Kenner im Saal bemerkbar. Das Spiel stammt aus den 80ern und gilt als Klassiker. Vor zehn Jahren hätte Uwe Boll sich nun womöglich geärgert, dass da jemand schneller war,

Im Publikum wird an den richtigen Stellen gelacht. Das Gackern einer Person im Kino klingt nach einem Asthmaanfall oder Schnappatmung. So in etwa: Hirrr… hirr… hirr. Beim Abspann dann andächtiges Schweigen – es werden Originalausschnitte aus dem Atari-Spiel gezeigt.

Äh, und der Bechdel-Test?

Nur eine Frau in “It Came from the Desert” wurde als namenswürdig erachtet: Lisa. Sie redet nur mit Brian, Lucas und einem der Bikerfuzzis, der versucht sie anzubaggern. Dem tritt sie immerhin so doll in die Eier, dass seine Stimme danach albern hochgepitcht werden muss. Ansonsten teilt sie der Ameisenkönigin mit, es könne nur eine Königin geben, bevor sie sie wegballert. Insgesamt verblasst Lisa aber neben ihrem strahlenden Retter Brian. Denn der muss seinen Mann stehen oder in Lucas Worten:

“The mouse only gets the cheese, the man gets the girl!”

Das Geschlechter-Rollenbild jedenfalls hat die Zeitreise von den 50ern in unsere Zeit überlebt. Scheint ein kräftiges Ding zu sein. Widerstandsfähig. Glückwunsch.

 

Hast du Lust auf noch mehr spannende und lustige Reviews? Dann schau doch mal in unsere letzte Sneak-Review rein.

Welchen Satz würde Tarantino zitieren?

Sinngemäß: “If my life has to be like a movie, why can’t it be ‘Deep Throat’”.

Fazit

“It Came from the Desert” hat seine Momente. Beispielsweise als Lucas beim Spazieren durch die verlassene Militäranlage ein Bier nach dem anderen leert und den Ameisen durch das Zischen seiner Bierdose ihr Versteck verrät. Die großen und epischen Trashmomente fehlen allerdings und der Film bleibt ein leichtverdaulicher Partyspaß mit fragwürdigen Geschlechterrollen.

Der Regisseur Marko Mäkilaakso aus Finnland zeigte sich nach der Vorstellung aber genügsam: “Maybe there are just two people that will like it but it’s my fucking movie!”. Die zwei Personen wird er sicher finden.

Trailer – It Came From the Desert

Beitragsbild: Tiberius Film / Fantasy Film Fest

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