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ZurQuelle Magazin

von und für Zaubernde

Wir verköstigen was bei anderen im Abfall landet und zelebrieren Trash in allen Formen und Farben. Heute: The Witches. Nicht der aus den 90ern, sondern von 1966. Satanische Provinz-Freaks und eine Höllenkatze.

Worum geht’s

Gwen Mayfield treibt sich im kolonialen Afrika herum und unterrichtet an einer Missionsschule. Dort kriegt sie Ärger mit den ortsansässigen Medizinmännern, die sie mit hässlichen Voodoopuppen ärgern. Zurück in England – ihrer Heimat – landet sie an einer neuen Schule in einem Kaff. Doch auch dort treiben die Dorfhexen ihre satanischen Spiele.

Ein Herz für Waffengesetze

Die Chefhexe und Journalistin Stephanie möchte die kleine Teenagergöre Linda opfern. Die geht in Gwens Schulklasse und hat was mit dem Teenagerboy Ronnie am laufen. Das findet Stephanie nicht gut. Und der Rest des Kuhkaffs auch nicht. Wird Gwen sie überführen und stoppen können? Oder wird der Lügenpresse-Hexenkult die Welt vernichten?

DEVIL HELL 666

Anwärter auf den Olymp des Trashs?

The Witches (US-Titel: The Devil’s Own) aus dem Jahr 1966 ist wohl eher ein kleiner Grusel-Krimi als eine große Trashgranate. Einzig die Satansmesse, bei der alle Bewohner des Ortes plötzlich tanzen wie in „Thriller“ von Michael Jackson weiß zu überzeugen.

Wir waren beim Fantasy Filmfest: The Crucifixion

Da der Film von 1966 ist und „Thriller“ später kam, hat MJ offensichtlich hier geklaut. Ganz sicher. Ansonsten ist die Handlung leider viel zu kohärent und überfordert stark angesoffenene Trashfreunde mit fehlenden Absurditäten.

MURDER MURDER KILL KILL!

Was haben wir gelernt?

Es muss einen Doppelbachelor Hexerei und Journalistik geben. Gibt es Hexerei auf Lehramt? Zudem sind Hexen schon 1966 super emanzipiert. Bis auf die Tatsache, dass sie kleine Mädchen opfern wollen. Da mussten noch einige BHs brennen bis dieses reaktionäre Verhalten überwunden wurde. Oder ist das Opferritual eine Pro-Choice Metapher? Nobody knows.

 

Außerdem bedeutet “Koma” anscheinend “unnatürlicher Schlaf”. Gut, dass das nochmal erklärt wurde. Patrick behauptet im Redigat zudem, dass Koma aus dem altgriechischen komme und im lateinischen “komare” heiße. Er muss das wissen, denn er hat schon fertig studiert und kriegt bald seinen eigenen Masterstudenten-Praktikanten-Knecht. Nachtrag: “Alter im Lateinischen gibt’s das Wort nicht! Ich hab nur schon 2 Bier drinne und deinen Text korrigiert.” Akademiker von heute.

SACRIFICE SATAN 666

Welchen Satz würde Tarantino zitieren?

Nach einem posttraumatischen Flashback, der Gwens Erinnerungen an die Erfahrungen mit den afrikanischen Medizinmännern reaktiviert, leidet sie unter Amnesie.

In der Privatklinik unterhält sie sich nett mit einer Leidensgenossin:
Andere Patientin: “Ach, Sie sind die mit der Amnesie? Ich hab Anfälle!”

ACHTUNG: DER 4,0-AWARD! 500€ Gewinnen!

Politisch fragwürdigste Szene

Der Film besteht den Bechdel-Test mit Bravour. Allerdings besteht das Theaterstück von Gwen, das sie im Film mit ihrer Schulklasse inszeniert, den Test nicht. Linda möchte keine männliche Rolle spielen. Darauf Gwen: “Es gibt wenig Mädchenrollen, weil Mädchen weniger erfunden haben!”. Das mit dem kolonialen Afrika und den Stereotypen Voodoopuppen ist auch etwas zweifelhaft. Ebenso Gwens “Medizinmänner-Trauma”.

SATAN 666

Ist das Trash oder kann das weg?!

Eventuell erinnert “The Witches” an Edgar-Wallace-Filme. Die stelle ich mir zumindest so vor, habe aber nie welche gesehen (shame!). Meine DVD-Beschauungspartnerin aka Freundin fand den Film gut. Nur halt nicht trashig. Ich hatte mir im Großen und Ganzen mehr versprochen.

Zumindest etwas bietet der Film dann doch: Nach einer langen Durststrecke mit Krimieinlagen, albernen Voodoomasken und einer bösen Höllenkatze, explodiert in ekstatischen Wahnsinn bei der Satansmesse das Trashbarometer. Der Rest des Films konfrontiert die Zuschauenden mit Handlung, Dialogen und sonstigem Unrat. Teilweise ganz nett, aber mehr Hexerei und Horror wäre schön gewesen.

Zur Hauptdarstellerin Joan Fontaine ist zu erwähnen, dass sie in ihrer Autobiografie von 1979 von vielen Affären und von einem ausgeprägten Desinteresse an ihren Töchtern berichtet (Danke Wikipedia). Außerdem hat Sie 1942 einen unbedeutenden Goldmann gewonnen (“Oscar”, was’n dummer Name).

Die letzte Folge von „Taste the Waste“ könnt ihr hier nachlesen!

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