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ZurQuelle Magazin

von und für Zaubernde

Wir schauen für euch jede Woche die schönsten filmischen Absurditäten. Egal ob Zombies, Monster, Roboter oder Killertiere. Diese Woche: Das Grauen schleicht durch Tokio. Diesmal bedroht nicht Godzilla Japan, sondern ein atomarer Flüssigmensch.

Die Story

Ein verlassener Fischkutter wird auf offener See entdeckt. Vorher verschwand er in einem nuklearen Testgebiet. Es stellt sich heraus, dass er doch nicht so verlassen ist wie erwartet. Nuklearer Monsterschleim, der Menschen auflöst und anschließend von ihren Geistern bewohnt wird, hat die Besatzung aufgelöst. Nun hat er sich auf den Weg nach Tokio gemacht, um dort zu wüten. Ein bisschen wie bei Godzilla, nur mit Schleim.

Die Parallele ist kein Zufall: Das Filmstudio Tōhō, sowie der Regisseur Ishirō Honda und sein Team sind die „Väter“ des klassischen Godzillas und Ikonen des japanischen Monsterfilms. Neben dem Schleim gibt es den obligatorischen Wissenschaftler, der das Unheil kommen sieht. Natürlich wollen die Ermittler nicht auf ihn hören.

Damals noch gekürzt und mit FSK 18 Freigabe. Heute ungeschnitten und ab 12. Verrückte Welt.

Anwärter auf den Olymp des Trashs?

Der Film ist für Freunde des japanischen Kinos und Monsterfilms interessant. Aus heutiger Sicht wirken die Effekte natürlich recht trashig. Im Audiokommentar betont der Regisseur und Japanfilmexperte Jörg Buttgereit allerdings, dass der Film zu seiner Zeit recht aufwendig war (er ist im Jahr 1958 in Japan erschienen). Der Schleim hat definitiv großes Potential, am Ende vermisst man aber doch ein wenig den großen Endkampf gegen Godzilla.

Der japanische Titel bedeutet wörtlich übersetzt in etwa „Die Schöne und der Flüssigmensch“. Erwähnenswert ist auch, dass der Film gerade zum ersten Mal ungekürzt in Deutschland erschienen ist (FSK 12 – erwartet also nicht viele Blutfontänen. Man bemerkt eher, wie sich Sehgewohnheiten auch bei den Damen und Herren von der FSK über die Jahre verändert haben).

Trinkspielideen

Immer trinken, wenn der Schleim auftaucht. Am besten ein schleimiges Getränk mit viel Umdrehungen (denn so oft sieht man den monströsen Glibber letztlich nicht).

Welchen Satz würde Tarantino zitieren?

Investigative Pressearbeit: eine Horde Journalisten steht vor dem Labor, in dem Tests mit atomarem Material durchgeführt werden. „Wie kommt man denn hier rein?“ und später noch: „Lassen sie uns doch rein, wir sind auch ganz still!“ (Das könnten auch Mitglieder der ZurQuelle Redaktion sein).

Waaaas?! Monsterschleim??? WTF!?

Politisch fragwürdigste Szene

Sehr zweifelhaft ist das Ende des Films. Also: Achtung! Spoiler! Nachdem der Schleim erfolgreich bekämpft wurde, wird bei einer Pressekonferenz die Zusammenarbeit von Wissenschaft und Polizei angepriesen. Das ist also die Lösung für die Menschheit? Die Zusammenarbeit von Wissenschaft und Polizei?

Außerdem versagt der Film beim Bechdel-Test. Chikako Arai, eine der wenigen Frauen deren Namen wir erfahren, erleidet vor lauter Stress einige Schwächeanfälle. Auch das Ermittlerteam der Polizei besteht nur aus Männern. Aber um fair zu sein: der Film stammt eben auch aus den 50ern.

Chikako Arai gespielt von Yumi Shirakawa. Die Schauspielerin ist leider im Juni 2016 verstorben.

Fazit

Insgesamt ein Film für Fans und Liebhaber des japanischen (Monster-)Films. diese werden in dem Streifen wohl mehr sehen, als bloß einen 50er-Jahre Trashfilm. Besonders viel Action wird  (aus heutiger Sicht) nicht geboten. Sehr schön sind die Szenen, in denen der „japanische Blob“, aka Flüssigmensch, aka Monsterschleim seine hilflosen Opfer auflöst.

Die neue Veröffentlichung des Films enthält außerdem einige schöne Audiokommentare (u.a. der bereits erwähnte mit Jörg Buttgereit), bei denen man viel Hintergrundwissen erhält. So z.B. die geschichtlichen Hintergründe zu den Castle Bravo Atomwaffentests, die sowohl den Film „Das Grauen schleicht durch Tokio“, als auch die Godzilla-Filme inspirierten. Bei den Tests wurde ein japanisches Fischerboot namens „Lucky Dragon 5“ mitsamt seiner Besatzung verstrahlt.

Die letzte Folge von „Taste the Waste“ könnt ihr hier nachlesen.