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ZurQuelle Magazin

von und für Zaubernde

Wir schauen für euch jede Woche die schönsten filmischen Absurditäten. Egal ob Zombies, Monster, Roboter oder Killertiere. Für die Liebe zum Trash! Diese Woche: Stratton. Ein James Bond-Verschnitt ohne Charisma, Frauen oder Action in einem Actionfilm.

Worum geht’s

Es geht um Stratton. Ob er nun Captain ist oder Lieutenant oder Colonel – das ist egal. Einen britischen Special-Forces-Soldaten jedenfalls, der bei einem Einsatz im Irak seinen Partner verliert.

Wieder in England merkt er: Mission failed, Partner tot, Freundin weg – also Schnaps. Aber er kann nicht lange auskatern, denn bald stellt sich heraus: Das Giftgas (oder Plutonium oder Virus), das im Irak hätte sichergestellt werden sollen, ist nun in den Händen eines bösen russischen Agenten. Der ist jetzt Terrorist und möchte deswegen vor allem Menschen töten. Weil Stratton sowieso sauer auf ihn ist (immerhin steckt er hinter dem Tod seines Partners), aber auch, weil er ein pflichtbewusster Soldat ist, geht er auf die Jagd.

Hier lachen die Teenager noch. Doch aus der Aussicht, V-Plus zu plündern, wird bald bitterer Ernst.

Der Protagonist zielt mit einer Pistole aus einem Auto.
Das ist sein ernstes Gesicht.

Anwärter auf den Olymp des Trashs?

„Stratton“ kann nicht viel. Und das obwohl der Film von Simon West gedreht wurde, der immerhin Action-Klassiker wie Con Air („Put! The Bunny! Back! In the Box!“) oder The Expendables 2  gemacht hat. Dem Film fehlt alles, was die beiden genannten so großartig werden ließ. Allem voran: Die Action. Aber auch die Charaktere sind völlig austauschbar, die Musik schlecht und unpassend geschnitten und die Story gewollt kompliziert, obwohl sie eigentlich in einem Satz zusammengefasst werden könnte. (Soldat jagt Terroristen, der mit Hilfe einer Drohne viele Menschen umbringen möchte.)

Wenn es dann mal Action gibt, ist die stümperhaft umgesetzt. Überall lauert CGI. Headshot? CGI. Explosion? CGI. Lobenswerte Ausnahme: Am Ende verfolgt ein SUV einen Londoner Doppeldeckerbus. Der kippt ziemlich eindrucksvoll um, der SUV überschlägt sich. Das sieht gut, sähe aber noch besser aus, wenn bei der anschließenden Luftaufnahme nicht zu sehen wäre, wie die Filmcrew gerade auf den Bus zuläuft. Denn eine Sekunde später, die Kamera wieder im Bus, fragt man sich, wo die 10-15 Menschen hin sind.

Diese Woche in der Sneak: Das Gesetz der Familie

Trinkspielideen

Trinken kann den Film sicherlich erträglicher machen. Wie wäre es denn mit, jedes Mal, wenn Stratton den Hundeblick aufsetzt, weil er so ein deeper Charakter sein möchte? Dominic Cooper, der Stratton spielt und nur wenige Wochen vor Drehbeginn den Geheimratseck-Superman Henry Cavill ersetzen musste, ist schon ein sweeter Boy, der eigentlich einer von den Guten ist. Ein Brite eben.

Die Helden mit Sturmgewehren.
Diesmal größere Waffen. Dafür guckt er netter.

Was haben wir gelernt?

Wenn du auf einem Hausboot lebst, aber nie Zuhause bist, ist deine Freundin bald weg. Ist aber nicht schlimm, denn nebenan wohnt sicher ein älterer väterliche Freund, der Tag und Nacht bereit ist, mit dir Schnaps zu trinken.

Super-Special-Forces aus Großbritannien können 300 Meter tauchen, ohne Luft holen zu müssen.

Es ist völlig ok, die dramatische Actionmusik schon zu starten, bevor die Action beginnt. Bei Stratton ist das unter anderen während eine Gruppe Soldaten sich über Sandwiches unterhält.

Außerdem scheinen Windows Phones super einfach zu bedienen sein. Das ist doch mal eine Erkenntnis. Wusste ich jedenfalls nicht. Aber wenn man mit so wenigen Berührungen so viele Funktionen starten kann, dann sollte ich mir wohl auch eins zulegen. Ja, ich habe mich entschieden. WINDOWS PHONE it shall be!

ZurQuelle liebt auch MILF’s und Misswahlen!

Welchen Satz würde Tarantino zitieren?

Strattons Chefin kennt den fiesen Terroristen schon länger, hatte sogar mal was mit ihm „I must have seduced him.“ Nun impliziert sie, sie könnte ja immer noch in ihn verliebt sein, weswegen sie … was auch immer. Aber sie redet gerade mit ihrem besten Hengst im Stall, deshalb:

„Stratton, you’re my best and brightest. I trust you to figure out which one is true.”

Frau am Computer mit Headset.
Sie spielt Pac-Man, während Stratton ihr via Headset ein Ohr abkaut.

Politisch fragwürdigste Szene

Während es im Film nur zwei Frauenrollen gibt, muss anerkannt werden, dass Strattons Chefin eine Frau ist. Trotzdem:

Stratton und seine Kollegin, mit der schamlos flirtet und die er auch mal ungefragt antatscht (aber sie will es doch auch!), befragen einen Informanten. Der ist Bombenbauer für Terroristen, also einer von den Bösen. Um ihn zum Reden zu bringen, zeigen sie ihm ein Handyvideo (WINDOWS PHONE), auf dem seine Familie zu sehen ist. Die Bilder, so sagen sie, stammen von einem Sniper, der bereit sei, abzudrücken. Der Informant redet. Die beiden lassen ihn gefesselt zurück. Und sprengen ihn dann in die Luft.

Posieren vor der Kamera.
„Hey, wenigstens haben wir’s versucht! Und schau ma‘, wie schick die Kampfanzüge sind!“

Ist das Trash oder kann das weg?!

Das ist Trash, der weg kann. Man hat das Gefühl, alles wird hier nach Rezept gekocht: Schießerei: Check. Autoverfolgungsjagd: Check. Charaktertiefe etablieren: Check. Bootverfolgungsjagd: Check. Bisschen Blabla: Check. Großes Finale mit Explosion: Check.

Stratton kann leider niemandem so richtig empfohlen werden. Nichts, was geil ist. Sorry, Mister West, nächstes Mal vielleicht einfach wieder Nicholas Cage?!

Die letzte Folge von „Taste the Waste“ könnt ihr hier nachlesen!

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