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ZurQuelle Magazin

von und für Zaubernde

Wir schauen für euch jede Woche die schönsten filmischen Absurditäten. Egal ob Zombies, Monster, Roboter oder Killertiere. Für die Liebe zum Trash! Diese Woche: Bad Ronald. Eine Familie glaubt von einem Poltergeist heimgesucht zu werden. Doch die Gefahr ist um einiges realer – und erst 16 Jahre alt.

Worum geht’s

Als Außenseiter Ronald Wilby (Scott Jacoby) im Affekt ein Mädchen aus der Nachbarschaft ermordet, sieht seine Mutter (Kim Hunter) sich gezwungen, ihn in einer geheimen Kammer im eigenen Haus zu verstecken. Umringt von Konservendosen und Fantasy-Büchern holt ihn die Realität nach dem plötzlichen Tod der Mutter ein. Das Haus wird verkauft, eine neue Familie zieht ein und Ronald wird zum Gefangenen. Verzweifelt sucht er einen Ausweg und verliert dabei Kilos und Verstand.

Ronalds Versteck.
Ronald wird in ein umgebautes Badezimmer verbannt. Ihm bleiben nur Bücher und Konserven.

Anwärter auf den Olymp des Trashs?

“Bad Ronald” ist ein klassischer Fernsehfilm aus den siebziger Jahren. Die technische Qualität ist miserabel, gleiches gilt für Ausstattung und Drehbuch. Es gibt zwar einige enorme Plot-Holes, allen voran die Frage, warum Ronald nach dem Tod der Mutter nicht einfach aus dem Haus abhaut, aber zum Kultstatus reicht es nicht. Die schnörkellose Handlung ermöglicht es dem Zuschauer, sich dem katastrophalen Charakter-Spiel der Darsteller vollends hinzugeben. Er wird Zeuge einer der wohl bequemsten tödlichen Stürze der TV-Geschichte.

Trinkspielideen

Eine wahrlich gestört aussehende Großmutter aus der Nachbarschaft lässt Ronald und seine Mutter einfach nicht in Ruhe. Wittert sie das tödliche Geheimnis, oder ist sie einfach nur gelangweilt und unverschämt wie Rentner halt so sind? Ständig lugt sie durch das Küchenfenster…*cheers*. Da! Im Schlafzimmerfenster taucht sie schon wieder auf…*cheers*. Das Prinzip ist einfach und effektiv.

Die Polizei befragt Mutter Wilby.
Nicht nur die Nachbarn wittern Verdacht- auch die Polizei befragt Mutter Wilby.

Was haben wir gelernt?

Falls auch du ausversehen mal jemanden umbringst und dich im Gäste-WC verschanzen musst, bis Gras über die Leiche gewachsen ist, mach dir nicht ins Hemd! Der Internet-Detox wird dir gut tun. Schau nur, wie talentiert der 16-jährige Harold sich der Malerei hingibt: Blutige Prinzessinnen, aufgequollene Leichen… so tolle Wandbilder findet man nicht einmal bei Poco Domäne.

Ronald malt mit Blut.
Ronalds Versteck hinterlässt Spuren. Vor allem in seiner Psyche.

Welchen Satz würde Tarantino zitieren?

Als die neu eingezogene Familie für ein Wochenende ans Meer fährt und nur die jüngste Tochter im Haus zurücklässt, ergreift Ronald die Gelegenheit. Er überrumpelt sie im Wohnzimmer:

Ronald Wilby: Deine Eltern werden nicht vor Sonntag zurückkehren.

Babs Wood (verängstigt): Woher weißt du das?

Ronald Wilby: Ich bin Prince Norbert, Herrscher von Atranta! Ich weiß alles.

Politisch fragwürdigste Szene

Jaja, der Film spielt in den Siebzigern. Männer waren noch Männer und Frauen stellten ihnen nach der Arbeit ein kaltes Bier bereit. Sie konnten ordentlich kochen, erdreisteten sich nicht, ausserhalb des Haushalts zu existieren und produzierten massenweise Kinder. Für AfD-Politiker ein regelrechter Soft-Porno.

Ist das Trash oder kann das weg?!

Wir können uns darauf einigen, den Filmtitel in trashiger Ehre zu halten. Ob als Name einer Metal-Band, eines pädophilen Politikers oder Rost-Entferners – “Bad Ronald” ist universell anwendbar. Guckt man sich den Sammlerpreis für die Original-DVD an, so lohnt es sich aus wirtschaftlichen Gründen, immer mal wieder auf dem Flohmarkt danach zu stöbern. Andernfalls darf der Film aber gut verstaut getrost seine letzten filmischen Lebensjahre verbringen. Genau wie Bad Ronald.

Die letzte Folge von „Taste the Waste“ könnt ihr hier nachlesen!

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