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ZurQuelle Magazin

Das gesellschaftskritische Popmagazin

ZurQuelle geht in die Sneak. Jede Woche, wir wissen nicht, was kommt. Aber weil Filme schön sind und wir auch, passt das.

Ich bin nicht mehr die, die ich mal war“ (Rachel Watson)

Die Story

Jeden Morgen fährt Rachel (Emily Blunt) mit dem Zug vom kleinen Vorort in die Großstadt New York und jeden Morgen fährt sie dabei am Haus ihres Ex-Mannes Tom (Justin Theroux) vorbei, in dem er nun mit seiner neuen Frau Anna (Rebecca Ferguson) und dem gemeinsamen Kind Evie lebt. Gleich nebenan wohnt ein junges Paar. Megan (Haley Bennett) und Scott (Luke Evans) verkörpern für Rachel ein unerreichbares Ideal von einer Beziehung. Doch sieht Rachel Megan bald knutschend mit einem anderen Mann auf dem Balkon und gerät in ihrem daueralkoholisierten Zustand in unkontrollierte Wut darüber. Bald darauf verschwindet Megan spurlos.

Und wie finden wir das?

Die Verfilmung des Bestsellers „The Girl On The Train“ von Tate Taylor ist stimmig. Nicht mehr und nicht weniger. Er geht kein Risiko ein und wird nicht umsonst hinter „Gone Girl“ eingeordnet. Wieder verbirgt sich hinter dem Girl eine erwachsene Frau und wieder verschwindet eine spurlos.

Man strudelt so rein, nicht zuletzt durch die sehr überzeugende Emily Blunt. Sie schafft es, die klaren Momente ihrer Rolle sowie die rauschhaften so zu vermischen, dass bald nichts mehr ist, wie es scheint. Alles mündet letztlich in diesem Sog und was kommt dann? Eigentlich nicht viel. Ruhig hätte man sich weiter mit Rachels Alkoholproblem auseinandersetzen können oder mit Annas verbissener Mutterrolle. Für das Tempo, das der Film vorlegt, hätte man locker 180 Minuten gebrauchen können, mit den 113 überschlagen sich vor allem gegen Ende die Ereignisse und wirken abstrus.
Es ist schade, geradezu ärgerlich, dass sich Taylor nicht mehr getraut hat. Es war schließlich abzusehen, dass die Verfilmung ein Erfolg werden würde. Keinen Zentimeter bewegt sich Taylor aus der Komfortzone für schwermütige Hollywood-Thriller. Die Landschaft ist düster und verregnet, das Licht ist fahl und blaustichig, und Danny Elfmans Musik wabert so vor sich hin…

Schlechtester Dialog

Gab es nicht. Wirklich. Zumindest nicht so, dass er der Rede wert wäre.

Reaktionen aus dem Publikum

Manchmal Popcorntütenrascheln. Sonst Totenstille bis kurz vor Ende. So, mehr sage ich jetzt aber nicht.

Äh, und der Bechdel-Test?

Bestanden. Der gesamte Film wird aus drei Frauenperspektiven erzählt.

Alle haben Namen und reden auch mal über ihre Probleme und ihren Alltag. Dennoch geht es sehr viel um Reproduktion und das frustriert einen doch sehr. Dazu wird jede Rolle auf ihre Weise unterdrückt, 2/3 schaffen es aber dann doch noch sich zu entfalten.

Fazit

Das kann man sich anschauen, man kann es aber auch sein lassen und wird nichts verpasst haben.

Misa Chu

 

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