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Das gesellschaftskritische Popmagazin

Heute: Tatjana Kennedy In der Bibliothek.

Es ist wieder Sonntag und keine Lust auf Tatort.

Aber kein Grund zur Langeweile. Wir poetisieren eure Sonntage! Hier findet ihr deshalb jeden Sonntag hübsche Poesie statt mittelmäßigem Tatort. Kein Til Schweiger, es sei denn, ihr könnt mit Poesie nichts anfangen. Dann aber solltet ihr auch Til Schweiger feiern.

Wenn euch also am Sonntagabend langweilig sein sollte oder euch einfach nach tiefgreifender kultureller Bereicherung ist, dann stattet uns einen Besuch ab: Schöner wird es kaum!
Heute gibt es Prokrastinationsergebnisse von Tatjana Kennedy. (Hurra!)

In der Bibliothek

Beim Bellen schauen wir beide auf.
Du blickst, ich dich an, und unten der Hund
im Hof.

Fenster zu Fenster
und unten der Hof und der Hund.
Bildschirme knipsen Gesichter an
wie Lampen, hell
drüben bei dir im Büro.

So leuchtet mir deine Visage herüber
körperlos, fremd und doch seltsam bekannt.
Da hast‘ mich erblickt und erspähst durch das Glas
………………………………………………………………………… (über‘n Hof hinweg)
– Fenster, oh du quadratisches Schlüsselloch! –
mein katalogisiertes
Hier.

Wo Bücher stehen,
Wände voll,
lässig lehnend,
Studenten gleich,
nur rauchen tun sie nicht.

Zufrieden gebraucht,
abgenutzte Gestalt – die Einen.
Während bei Anderen (demonstrativ gekränkt),
die Mitte beim Öffnen kracht.

Sonst herrscht hier Ruhe mit Husten
und Niesen
und allein der Hund vorm Fenster
im Hof
bellt.

 

Tatjana Kennedy

Tatjana Stella Kennedy, 27, schreibt an ihrer Masterarbeit in English Studies an der Freien Universität Berlin, und nebenher an Lyrik und Prosa, die sie kaum jemanden zeigt. Geboren und aufgewachsen ist sie im regnerischen Schleswig-Holstein. Seit 8 Jahren erfreut sie sich deshalb an den vielen Sonnentagen ihrer Wahlheimat Berlin.

Und wenn ihr mehr Poesie statt Tatort wünscht, schaut allwöchentlich bei uns vorbei. Oder schaut ins Archiv – da findet ihr unsere Poesiesammlung. Alles sehr hübsch und bunt und deep. Gönnt euch gerne.