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Das gesellschaftskritische Popmagazin

Heute Nora Gomringer mit Nashi:

Es ist wieder Sonntag und keine Lust auf Tatort.

Aber kein Grund zur Langeweile. Wir poetisieren eure Sonntage! Hier findet ihr deshalb jeden Sonntag hübsche Poesie statt mittelmäßigem Tatort. Kein Til Schweiger, es sei denn, ihr könnt mit Poesie nichts anfangen. Dann aber solltet ihr auch Til Schweiger feiern.

Wenn euch also am Sonntagabend langweilig sein sollte oder euch einfach nach tiefgreifender kultureller Bereicherung ist, dann stattet uns einen Besuch ab: Schöner wird es kaum!
Heute besucht uns Nora Gomringer mit Nashi aus Morbus. (Hurra!)

Nashi

Es erhält dem Braten den Geschmack,
ist Filter, Prisma und auch Speicher,
erpresst die Träger und Verehrer gleichermaßen.
Dereinst als Indikator großer Fülle, reicher Mengen
ist heute Fett die Skepsis der Zivilisation.
Im Buche aller Fratzen schreibt
Zarte Elfe 345, dass man nicht fett als Adjektiv verwenden könnte,
man sagen müsste, dass man es trüge
gleich einer Sammlung Gürtel wie das namensgleiche Tier.
So trägt der Mensch den Rohstoff undankbar
in Blut und Weberei der eigenen Faktion.
Doch wissen soll er:
Es ist das Fett ein staunenswerter Freund,
der auch aus süßem Zustand sich uns zuzuneigen weiß.
Und er erhält, wenn zwei, drei Wochen Krankheit,
Fieber, Mitgenommenheiten uns befallen.
Er zehrt sich auf für uns und lächelt, weil er doch weiß,
dass seine Ländereien von uns gedehnt
und stets erweitert werden kann.
Auch ist sein Erinnern ohnegleichen,
weil es in Struktur gedeutet werden kann.
Wo einmal Fett, da wieder Fett
und immer weiter voran so
in diesen Körper-Apfelbirnenwelten.

 

Nora Gomringer (1980) ist ein nices Konfettifeuerwerk. Sie schreibt nämlich außer Lyrik, auch fürs Radio und das Feuilleton. Und hat das Meiste auch vorgelesen – aber preisgekrönt selbstverständlich. Zuletzt gab es den Ingeborg-Bachmann-Preis für „Recherche“. Bäm! Aber sie kümmert sich auch um die Kunst anderer. Peng! Sie ist nicht nur Poetikdozentin, sondern auch Leiterin des Internationalen Künstlerhauses Villa Concordia (Poof!) und ein paar Jahre machte sie die deutschen Poetry-Slam-Szene ein bisschen größer und ernster. Mehr über sie gibt es auf www.nora-gomringer.de.

Und wenn ihr mehr Poesie statt Tatort wünscht, schaut allwöchentlich bei uns vorbei. Oder schaut ins Archiv – da findet ihr unsere Poesiesammlung. Alles sehr hübsch und bunt und deep. Gönnt euch gerne.