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ZurQuelle Magazin

Das gesellschaftskritische Popmagazin

ZurQuelle geht in die Sneak. Jede Woche, wir wissen nicht, was kommt. Aber weil Filme schön sind und wir auch, passt das.

Eindrucksvoll: Zwei Leute laufen sehr lange einen Waldweg entlang und reden nicht miteinander. Es wird von hinten gefilmt. Die Kamera nimmt sich Zeit, mutig lang. Beide reagieren mit ihren Körpern aufeinander; nichts passiert. Schnitt auf lange Kegelbahnen, eine Kugel rollt. Wie diese Szene auf der Leinwand eine Wucht entfaltet, das ist sehenswert.

Die Story

Kurz vor Ende des ersten Weltkriegs: Egon Schiele ist an der Spanischen Grippe erkrankt. Rückblenden fangen das Leben des weit über Wien hinaus berühmten Malers ein. Eine Vorliebe für Akte von Minderjährigen und Frauengeschichten hat er, der Egon. Mit seiner Schwester, diversen Aktmodellen und zwei, ihm gegenüber wohnenden, Schwestern führt Schiele komplizierte Beziehungen. Nebenbei ist Krieg.

Und wie finden wir das?

Ein widersprüchlicher Film. Da hat sich jemand gedacht (Drehbuch: Hilde Berger), das Interessante am Leben von Egon Schiele waren seine Frauen-, Dreiecks-, Vierecks- und sonstige geometrische Beziehungen. Er war bekannt für seine skandalösen Akte – zeigen wir doch mal viele Brüste –, dachte sich noch ein jemand (Regie: Dieter Berner). Spannungsbogen: Wie kam es, dass er A geheiratet hat und nicht B? Trotz des Talents des Schiele-Darstellers (Noah Saavedra) ist nicht klar, was den Maler beschäftigte, außer nackte Frauen und jeden Tag zu zeichnen. Diese Motivation wird spät eingeschoben, als Erklärung für eine unverständliche Entscheidung.

Um Kunst geht es nicht, Krieg kommt auch kaum vor, dennoch ist es ein unbedingt sehenswerter Film. Lücken im Drehbuch stehen neben interessanten Kameraentscheidungen, eine unverständliche Musikauswahl neben Schauspielleistungen, die allein den Gang ins Kino rechtfertigen.

Valerie Pachner als Schieles Muse Wally Neuzil und Maresi Riegner als seine Schwester Gerti erzählen mit ihren Gesichtern und Körpern vor einem konventionellen Szenenbild (weltkriegsgrau) Geschichten, die ich noch nie so gesehen habe. Die Filmmusik ist toll komponiert und gespielt, wird aber saucig (und unpassend dramatisch) über Fernsehfilmbilder von sonnendurchfluteten Landschaften gelegt. Dagegen ungewohnte Kamerabewegungen, nicht hektisch, nur nicht im gewohnten Aufbau. Die Zeitsprünge funktionieren. Es wird nie klar, worum es geht – und dennoch entfaltet der Film eine eindrucksvolle Wirkung. Das ist Kino.

Schlechtester Dialog

Freund Egon Schieles zu Moa, nichtweiße Nackttänzerin, Aktmodell und Schieles Affäre: „Ich habe einen guten Namen für dich gefunden. Manlo. Manlo, das ist ein Fluss in Sierra Leone. Sie ist eine Frau, sie ist immer in Bewegung. Wir Männer sind nur das Ufer.“

Reaktionen aus dem Publikum

Publikum aufmerksam, ca. 30 Leute, ernsthaft verteilt, wenig Kau- und Schluckgeräusche.

Äh, und der Bechdel-Test?

Eine Puffmutter fragt eine ihrer Mitarbeiterinnen, wo sie gewesen ist. Wir wissen wo, bei einem Mann (Schiele). Und dann beschimpft sie sie für ihre Undankbarkeit, dafür dass sie ihr Arbeit gegeben hat. Trotzdem knapp nicht bestanden: Eine Figur mit Namen ist die Puffmutter nicht.

Fazit

Unbedingt anschauen und hinter der unverständlichen bis platten Erzählung großes Kino entdecken!

 

Bild: Filmstarts.de