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Das gesellschaftskritische Popmagazin

Im Frühherbst bietet das Kino nur Unsinn, dumme Konservenkost und langweiligen Einheitsbrei. Der September ist einer der Dump Months.

Wer den September dafür mag, im Stadtpark durch (gerade noch unmatschiges) Herbstlaub spazieren zu können, hat Glück. Wer aber bevorzugt im Kino seine Freizeit verbringt, hat verloren, und zwar jedes fucking Jahr. Gerade ist man aus dem Urlaub zurückgekehrt, hat Sommer, Sonne und Sangriaeimer hinter sich gelassen und freut sich auf Abwechslung in Form eines düsteren, muffigen und mit kuscheligen Polstern ausgestatteten Kinosaals. Doch dort gibt es nur die Wahl zwischen schlechten Remakes von Actionfilmen, Vampirkomödien und misslungenen Hollywood-Familiendramen. Das mag nicht jeder gleich aufallen und es gibt sicherlich Kino-Kulturbanausinnen wie Sand am eben noch genossenen Meer. Doch wer genau darauf achtet, hat es bald bemerkt: Hinter dem ganzen Müll, mit dem man allseptemberlich im Kino beworfen wird, steckt eine einzige stinkende Verschwörung. Und die hat sogar einen Namen: „Dump Months.”

Der Begriff Dump Months wurde ursprünglich von Journalistinnen im Singular für den Januar verwendet, doch mittlerweile meint er im Plural auch August und September – wir kommen der großen Lüge näher.

Aber warum sind diese Monate eine Müllhalde für schlechte Filme?

Nun, alles beginnt in Hollywood. Diesem sagenumwobenen Ort, der ja noch immer als die zauberhafte Geburtsstätte großer Kunstwerke gilt, es in Wirklichkeit aber nicht mehr ist. Hollywood ähnelt heutzutage eher einer Autofabrik, nur werden hier Filme hergestellt. Ein bißchen wie bei bei VW vielleicht, doch womöglich sauberer. Und wie bei allen Industrien, gibt es auch hier nun einmal gewisse Pläne, die natürlich auch von der Nachfrage des wertgeschätzten Publikums beeinflusst werden. Die Welt erwartet schlichtweg in jedem Jahr eine Handvoll herausragender Filme. Und dafür werden dann die entsprechenden Regisseurinnen hervorgezaubert, berühmte Schauspielerinnen engagiert und aus irgendeiner Schublade (oder aus den hungernden Händen einiger Schreiberinnen) noch ein halbwegs passables Drehbuch hervorgeholt. Fertig die kleine Auswahl maßgeschneiderter Filme, die gerade recht sind, um im Dezember der Welt präsentiert, um dann im Februar, mit einer schwer zu verbergenden Langeweile im Gesicht, mit kleinen goldenen Männchen ausgezeichnet zu werden. Doch was passiert das restliche Jahr über?

Es ist so einfach wie zwangsläufig: Neben der Menge massentauglicher Durchschnittsfilme müssen auch einige richtig schlechte Filme entstehen, entweder aus Versehen oder aber, um die angeblichen Meisterwerke meisterlicher erstrahlen zu lassen. In jedem Fall muss immer geliefert werden. Denn es muss auch immer geerntet werden. The Transporter Refueled hat natürlich mit der Filmreihe, die Jason Statham berühmt machte, nichts zu tun. Ebenso wenig wie die Sneaker, die auf einem indonesischen Nachtmarkt feilgeboten werden, mit den Originalen – in den Ausbeutungsbetrieben gleich um die Ecke vom Nachtmarkt hergestellt –  zu tun haben. Auf den ersten Blick sieht man keinen Unterschied und letztlich sind sie alle beide billig. Doch auf dem einen steht „Jason Statham”.

Oft merken das natürlich auch die Kinozuschauerinnen. Aber da sich sowohl die Produzentinnen als auch das Publikum im Dezember und Juli bereits arm gefeiert haben, eignen sich die Folgemonate natürlich blendend für die Entsorgung gammelnder Filmleichen. Filme, welche die neuronalen Schaltsysteme durch positive Reize reanimieren werden, gibt es erst wieder ab Oktober! Bis dahin lieber die letzten Sonnenstrahlen gratis genießen und sein Taschengeld für den Kinowinter sparen.

Sarah Bender