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ZurQuelle Magazin

von und für Zaubernde

Als besonders textlastige Musikrichtung, lässt Rap viel Raum um Botschaften zu vermitteln und zum Nachdenken anzuregen. Deswegen hier sieben super tiefgründige Rapsongs.

1. Riff Raff – I’m not Waiting for the Summer

Riff Raff, der größte Neuzeitpoet den das 21 Jdht. zu bieten hat. In diesem Song spaziert er in bunten Klamotten am Strand entlang und singt darüber, dass er nicht auf den Sommer warten will. Er hatte einen harten November, aber zum Glück auch Coke und Gin. Auf einem obskuren Reggae Beat beklagt Riff seine familiären Tiefschläge, seine große Beziehungskrise und spielt gedankenverloren Ukulele. Die Freundin ist jetzt irgendwo in Mexiko. Traurig, schön und absolut berührend.

“Women go…Met this girl…We was headed to somewhere in Mexico, I’m not waiting on the summer, I’m not waiting on somebody else to tell me how to live my life”

2. The Black Eyed Peas – Where is the Love?

Alle kennen den Song, alle lieben ihn. Liebe Leute! Liebe!

3. Stic.man – We Run These Streets

Früher hat Stic.man bei Dead Prez politische Botschaften verbreitet und zur Revolution aufgerufen. Das war geil, manchmal auch recht zweifelhaft  (“would you be ready for civil war? Could you to take the life of somebody you know or have feelings for if necessary?”). Heute ist er mit einer Ernährungsberaterin zusammen, hat Kinder und macht viel Sport. Seine Themen sind Yoga, Joggen, Veganismus, Entgiftung und Muskelaufbau. Früher Klassenkampf, heute meditieren und laufen. Aber immer noch ganz schön, trotz eines gewissen Gestanks nach dem neoliberalen Geist der Selbstoptimierung.

“They see a crazy runner, they don’t know what they missing. This is ritual for me, this is more than fitness!”

4. Lil Debbie – All we need is Love

Trump, Nordkorea, Global warming und Pfandflaschen im Meer. Da fragt sich auch die Rapperin Lil Debbie, was sie für die Schaffung einer besseren Welt tun kann. Dann fällt ihr auf, sie kennt die Lösung: All we need is Love! Wären The Black Eyed Peas da mal drauf gekommen und hätten wir doch nur vorher gewusst wie einfach es ist. Um die Tiefe der Botschaft zu vermitteln, trägt Debbie im Video Kopfhörer und schreibt gedankenversunken an ihrem Manifest. Free your Mind! Love is me, love is you!

“Ay, life’s getting crazy, what to do, what to do, yeah (yeah, yeah), problems all around, world is cruel, it’s so cruel, yeah (yeah, yeah)”

5. Kay One und Pietro Lombardi – Seniorita

Fraglos einer der deepsten Songs aller Zeiten. Trotz kleiner Ausfälle (“bist du bei mir hau ich dich direkt weg!”) eine starke Botschaft. Die Probleme der Jugend (Sucht nach Fifa und Shisha) werden en passant behandelt. Ebenso wird satirisch die entfremdete warenförmige Beziehungskultur im heutigen neoliberalen Hightech-Kapitalismus thematisiert. Die Frage wie soziale Medien (Instagram, Facebook, etc.) Beziehungspflege in ein reines Tauschverhältnis pervertieren, scheint Kay One intensiv zu beschäftigen. Ein starkes Stück Kapitalismuskritik, versteckt in scheinbar unpolitischen und plumpen Posen.

“Hola!, cómo estás, señorita, mamacita, ja, ich zeig‘ dir die schönsten Orte, auf dieser Welt, hast du schon gepackt? Hast du schon gepackt?”

6. Curse – und was ist jetzt?

Pathostriefend rechnet Curse mit seiner Ex-Freundin ab. Perfekt zum betrunken mitbrüllen auf Karaoke Partys. Da der Song sich geradezu perfekt aufbaut bis zur emotionalen Explosion, kann man sich sehr gut mit Curse melodramatisch in Weltschmerz und Enttäuschung hineinsteigern. Erzähl mir nix von dem Neuen, was geht ab? Seh ich aus wie’n Klon? Deep.

7. Kollegah – Sommer

Wie Riff Raff machte sich auch der Kollegah Gedanken über den Sommer. Tolle Vergleiche und so, wie Hip Hop-Schreiberlinge immer sagen tun. Kollegah macht sich Sorgen über spekulative und metaphysische Fragen (“in den Himmel kommen”, “Gott” und “Teufel”). Dazu ein kurzes Zitat von Marx:

“Das religiöse Elend ist in einem der Ausdruck des wirklichen Elendes und in einem die Protestation gegen das wirkliche Elend. Die Religion ist der Seufzer der bedrängten Kreatur, das Gemüth [sic!] einer herzlosen Welt, wie sie der Geist geistloser Zustände ist. Sie ist das Opium des Volks.”

Die Lösung der großen Fragen, die Kollegah quälen, findet selbiger im Song dann auch: “keine Ahnung, ist auch egal!”.

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