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Das gesellschaftskritische Popmagazin

Black Chai Stevia trauten sich zwar nicht hinter der Schattenwand hervor, antworteten dafür aber umso wahrheitsgemäßer auf unsere Fragen.

BLVTH fehlte, aber das war ok, durfte doch sowieso nur CloudMoney sprechen. „Er ist der Frontman“, verriet COTTO OKII in einem der wenigen Momente, in denen man ihn sprechen hörte. Das Hip-Hop-Trio hat Anfang 2016 mit dem Song „Hoodie“ einen riesigen Haufen auf das deutsche Rap-Business gesetzt. Darin zeigen sich Black Chai Stevia als wohlstandsverwahrloste Ghetto-Hipster. Der Song geht ins Ohr, die Optik tut ihr Übriges. Anfang August 2016 droppte ihre zweite Single: „Kugelsicher“. So wie die drei, uneinnehmbar sexy.

 

ZurQuelle: Hallo Black Chai Stevia, erst einmal vielen Dank, dass ihr euch bereit erklärt habt uns eines eurer seltenen Interviews zu geben.

CloudMoney: Ja, gerne. Schülerzeitungen sind eine tolle Plattform … Aber bildet euch nicht zu viel drauf ein.

 

Normalerweise seid ihr doch zu dritt. Wo ist BLVTH heute?

BLVTH ist im Studio und produziert unsere EP. Er wird das Studio nicht verlassen, bis diese fertig ist. Höchstens um Snapchat Content zu generieren. Folgt blvth.

 

Mit eurer ersten Single “Hoodie” habt ihr bei Spotify direkt einen Hit gelandet, wie hat sich euer Leben seitdem verändert?

Wir fahren jetzt häufiger DriveNow und shoppen auch mal bei Zalando, ohne immer auf den Preis schauen zu müssen.

 

“Hoodie” thematisiert das Leben in der Hood, zwischen Wettbüros und Casinos. Welche Erfahrungen habt ihr auf der Straße gemacht?

BLVTH war lange spielsüchtig, CLOUD MONEY macht jetzt Hahnenkämpfe. COTTO OKII ist seit jeher ein fleißiger Studierender.

 

Black Chai Stevia und die Realness

 

An wen richtet sich eure Musik – die Großstadt oder die Vorstadt?

An intellektuellos HipHoppers, die open für crazy Tunes sind. Also Menschen, die viel Berghain hören.

 

Gesunde Ernährung scheint in eurer Musik ebenfalls ein wichtiges Thema zu sein. Spielt das auf der Straße auch eine Rolle?

½ Banane, 3 Kochlöffel Spinat und ausreichend Sugar verleihen dir einen 1a Körper. Guck dir COTTO OKII an, bomben Body.

 

In „Hoodie“ lehnt ihr auch ganz klar Marken ab, wollt ihr damit ein bestimmtes Statement setzen?

Wir leben heutzutage in einer kaum zu überbietenden Welt, eine Welt voller Oberflächlichkeit, in der Zwischenmenschlichkeit, für einander da sein, das einfachste Gefühl für Gemeinschaft verloren geht. Wir finden das gut.

 

Was birgt die Future für Black Chai Stevia?

 

Wohin soll es mit Black Chai Stevia in Zukunft noch gehen? Strebt ihr den großen Erfolg an?

Nein, dass ihr uns kennt, reicht vollkommen.

 

Wird man euch dann auch mal live zu hören kriegen?

Auf jeden Fall. Wir sind eine Supergroup aus drei Gitarristen. Time to rock.

 

Wie nachhaltig ist eure Musik?

Braner und Lackmann haben in den 90ern herausgefunden, dass die Halbwertszeit von Wissen im Bankgewerbe circa fünf Jahre betrug, die von Wissen im EDV-Bereich sogar nicht einmal zwei Jahre. Eine Welle neuer Reize erschlägt stündlich das Internet. Wir können nicht surfen.

 

Habt ihr besondere musikalische Vorbilder? Welche Rapper haben euch besonders inspiriert?

XavierNaidoo hat zumindest eine richtig geile Stimme – das wird man doch wohl noch sagen dürfen – und auch viele andere Bands mögen wir sehr. Rap? Viele Rapper können sehr gut rappen, das mögen wir auch sehr.

 

Versucht ihr mit eurer Musik auf Missstände hinzuweisen?

Nein, wir versuchen die Menschen zu formen.

 

Eine Fee will euch drei Wünsche erfüllen – was wünscht ihr euch?

Was wünschen, wenn man alles hat? Irgendwas von Zahnvergoldung – das fänden wir sick. Drei Zähne dann halt.

 

Ihr habt einen Abend mit Loona, was unternehmt ihr?

Loona ist eine sehr schöne Frau, in einem sehr hohen Alter. Interessant!

 

Welche Hood ist euch die liebste?

Ja.

 

Black Chai Stevia und der Spagat von Kunst, Satire und dem Ghetto-Life

 

2016 sterben alle großen: Roger Cicero, David Bowie, Bud Spencer. Warum lebt ihr noch?

Eine berechtigte Frage. Niels Ruf weiß sicher mehr.

 

Was würdet ihr studieren, wenn ihr nicht die Straße und Frauen studieren würdet?

Frauen studieren? Straße? Dekkah alles keine richtigen Studiengänge. An welcher Uni studiert man Frauen!?

 

Ihr seid doch nur ein Kunstprojekt, oder?

Kunst Schmunst. Beethoven hat auch niemand verstanden. Trotzdem war er am Ende rich.

 

“Satire darf alles.” Seid ihr Satire?

Ich habe neulich “Das Spiel ist aus” von Sartre im Deutschen Theater gesehen. Warum nicht?

 

Was ist euer Lieblings-Chickenladen?

Die erste gute Frage!!! Risa, alles andere ist quatsch.

 

Wart ihr mal in der Quelle? Schönste Kneipe der Welt, super Hood. Was macht für euch die Hood aus?

Eckkneipen sind gerade sehr cool, wir lieben es total, crazy am Tresen abzugehen. Das Berliner Stadtmagazin hat dieser tollen Erfahrung neulich eine liebe Coverstory gewidmet. Völlig zu recht!

 

Was ist euer Lieblingsessen?

Für den Shape gibt es gerade nur noch Shake.

 

Was macht ihr morgens nach dem Aufstehen als erstes?

Kapitalismuskritische Bücher lesen und kleinen, alten Omis über die Straße helfen.

 

Tiere, Hunde und der BMW

 

Was ist euer Lieblingstier?

Hund.

 

Wie heißt euer Hund? Wie hieße er, wenn ihr einen hättet?

Dirk, wie der deutsche Formel 1-Fahrer.

 

Was ist schöner: Musik oder bildende Kunst?

Mit Kunst ist es immer so eine Sache. Wir finden Lucas Cranach schon gut, also seine ersten Mixtapes, aber als er bei SONY unterkam, war die Luft irgendwie raus.

 

Verratet ihr uns ein Geheimnis? Irgendeins.

Dass ihr gleich alle keine Handys mehr habt.

 

Habt ihr ein paar Stylingtipps?

Haare gelen.

 

Ihr habt eine Wette gewonnen. Was muss der Verlierer machen?

Die Dreads von dem Kerl auf dem Bachstelzen-Floor waschen.

 

Lieber Mofa oder dicker BMW?

Dekkah, die Mofas waren doch nur Quatsch. Studieren und Beamer fahren, das ist unser Life.

 

Interview: Ilkan Atesöz, Robert Hofmann, Anima Müller.