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ZurQuelle Magazin

von und für Zaubernde

Sie trinken, sie basteln, sie machen Musik. Aber warum am Ende der Welt? Eine Gruppe alter Freunde kommt einmal im Jahr in Königswusterhausen zusammen, um das Bergfunk Open Air auszurichten. Ein Besuch.

Königs Wusterhausen. Im Volksmund “KW” genannt. Ein Bahnhof, ein Asia-Restaurant mit Happy Hour. Und einmal im Jahr das geschichtsträchtigste Open Air der Umgebung. Das Bergfunk Open Air, geboren aus Bier- und Kulturdurst.

Königs Wusterhausen – die Kulturmetropole

Ein wenig kenne ich KW. Die Seen, die Dorfjugend. Die gab uns damals im »Strandbad« den heißen Tipp, die Badehose in die Po-Ritze zu stecken. Fürs schnellere Wasserrutschen. Einen ersten Kontakt zur Kultur in Königs Wusterhausen gab es also schon vor Jahren. Gleich soll da noch was folgen, wenn ich die Veranstalter der hier stattfindenden Kulturtage treffe.

Ich pirsche motiviert vom Bahnhof mit dem Rad los, verteufle gleich wieder meine kluge Planung, denn das BERGfunk findet natürlich auf einem BERG statt. Auf dem Funkerberg um genau zu sein. Dort errichtete 1911 die Telegrafentruppe des Deutschen Heeres Sendeanlagen und Funkerkasernen, so dass von hier aus 1920 die erste Radiosendung Deutschlands ausgestrahlt werden konnte. Die »Wiege des Rundfunks« nennt man diesen Ort seither liebevoll. Ich hatte ja keinen Schimmer von der Historizität dieser Stätte! Wie clever also von den Veranstaltern, diese Fläche erneut für musikalische Events zu nutzen.

From Zero to Hero

Ich nähere mich den denkmalgeschützten Sendehäusern. Motivierte Endzwanziger in schwarzen T-Shirts fahren Gabelstapler und stapeln Stapelbares per Hand. Die beeindruckenden Maschinenhäuser sind zu einer Lagerhalle für Verpflegung, einem Büro und sehr viel Bier und Bratfett umfunktioniert worden. Eine Bühne ist im Aufbau, die Bauzäune stehen schon.

Es hat sich einiges getan, seit die Bergfunk-Freunde 2007 mit einem Solikonzert im Hinterhof der gefühlt einzig coolen Bar in KW starteten. Die Bühne aus Paletten zusammengepuzzlet, Das Dach aus Schöfferhofer-Sonnenschirmen erstellt. Eine Schnapsidee im wahrsten Sinne.

Und jetzt schaut euch um: Das Festival 2018  ist ausverkauft, eine Seltenheit beim heutigen Überangebot der Draußen-Veranstaltungen. Irgendwie wissen die Vereinsmitglieder selber nicht so genau, wiesowehalbwarum sie hier seit elf Jahren stehen. Die Freunde haben sich nach Berlin und viel weiter verteilt, vom Flugzeugmechatroniker über Logopäden und IKEA-Mitarbeiter ist alles mit dabei. Was sie vereint, ist das hier.

Einmal, im Ferienlager…

Die Kulturtage, die für sie jedes Jahr zum riesigen Ferienlager ausarten. Mindestens zweieinhalb Wochen Schleppen, Schrauben, Sonnenbrand, Bierkonsum und “Schnäpse versenken”. Sich selber haben, die Gemeinschaft, die Künstler, die gerne den Berg hochkrepeln, um zu spielen und die Musikvielfalt der Umgebung ein bisschen anzuheben.

Ehrenamtlichkeit ist halt irgendwie Familie. Alle mussten sie rülpsen und Bier öffnen lernen. Das Festival ist der Kleber, der die jungen KW-ler jährlich in die Heimat zurücktreibt. Häufig müssen sie sich zwingen, nicht über Organisatorisches zu sprechen, sondern auch einfach so abzuhängen. Die Regionalität des Events ist an jeder Ecke zu spüren: Fördergelder der Stadt, lokale Sponsoren, der Späti heißt hier »Konsum«, die Hauptbühne »Forstamt«. Unbekannte Bands können sich einen Platz auf der Bühne erspielen. So es denn noch Schülerbands gibt dieser Tage.

Die Kulturtage bestehen aus Elektrobumms, Klassik, Familienkonzert, Erzählcafé , Stummfilmkino, Slam und Quiz und dann natürlich dem eigentlichen Open Air am Freitag und Samstag (10. und 11. 8.), bei dem Von Wegen Lisbeth, die gute Judith Holofernes, Maeces und Romano vom Funkerberg aus die Landen beschallen werden.

Wir sehen uns beim Bergfunk!

Beseelt lasse ich mich wieder den Waldweg hinuntertragen. So selbstlosen Gestaltungs- und Schaffensdrang kennen wir sonst nur von uns selbst. Haha.

Auch ZurQuelle wird dieses Jahr vor Ort sein in gewohnt bunter, glitzriger und trinkfester Manier und dem Event unserer neugewonnen Freunde beiwohnen. Ab Freitag findet Ihr uns also auf dem Funkerberg in liebevoll zusammengezimmerter Atmosphäre, bei schönster Live-Musik und eskalativem Zapfhahn-Training beim Bergfunk. So ihr denn Tickets haben solltet!

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