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Das gesellschaftskritische Popmagazin

Unsere Kooperation mit dem Müßiggang Magazin trägt Früchte. Kennenlernen muss man sich vorher trotzdem. Deshalb haben wir mit Gerrit und Nils ein Interview geführt. Dabei kam alles auf den Tisch. Dominik, das dritte Muskeltier befindet sich gerade im Ausland. Sonst wäre er sicher dabei gewesen. Lest doch einfach mit wie wir uns beschnuppern. Boom, geil.

Wann habt ihr euch gegründet? Wieso?

Nils: Wir haben im letzten August zu dritt losgelegt, weil wir das Gefühl haben, dass zwischen Klickbaiting-Portalen auf der einen Seite und anspruchsvollen, altehrwürdigen Anbietern auf der anderen Seite eine große Lücke klafft, gerade für eine Generation zwischen 18 und 35. Wir wollen mit anspruchsvollen Themen gut unterhalten, ich glaube, dass das kein Widerspruch ist.

Warum meint ihr, habt ihr euch gerade in Berlin getroffen? Was unterscheidet euch von anderen feuilletonistisch/literarisch-journalistischen Magazinen?

Gerrit: In Berlin haben wir uns getroffen, weil wir hier leben, da würde ich nicht zu viel reininterpretieren. Der größte Unterschied zu anderen Angeboten ist, glaube ich, dass wir das Feuilleton oder den literarischen Journalismus versuchen aus dem Elfenbeinturm rauszuholen und ein bisschen jünger, provokanter, auch satirischer zu machen.

Was ist euer politisches Selbstverständnis?

Nils: Wir haben nicht den Anspruch eine bestimmte politische Meinung in den Vordergrund zu stellen. Wenn man die Summe unserer Texte anschaut, dann würde ich da schon ein liberales Weltbild erkennen.

Gerrit: Das gute „liberal“ natürlich, ohne „neo-“.

Wie finanziert ihr euch?

Nils: Am Anfang hat ein Online-Magazin natürlich den Vorteil, dass man ohne große Finanzierung starten kann und schnell Menschen erreicht. Aber je mehr wir wachsen und je stärker wir das Müßiggang Magazin professionalisieren, desto relevanter wird natürlich auch die Frage nach einem geeigneten Finanzierungsmodell.

Gerrit: Bislang ist unsere Arbeit aber noch vollkommen unkommerziell. Wir wollten erst mal schauen, was so geht, was gehen kann, und fanden es charmanter, erst mal keine Werbung zu schalten und den Fokus auf unsere Kreativität und den Spaß an der Sache zu legen.

Was ist das Tolle am Müßiggang?

Gerrit: Momentan geht doch diese Heineken-Kampagne um – da geht es darum, dass junge Leute anscheinend mäßiger trinken und auch allgemein ein maßvolleres Leben führen wollen. Ein Grund dafür ist anscheinend auch die Angst, sonst nicht mehr zu funktionieren. Und auch wenn Müßiggang nicht heißt, dass wir uns alle besaufen sollen, soll er Raum schaffen für Gedanken, die außerhalb dieses „Funktionieren-Müssens“ liegen.

Nils: Der Müßiggang hat ein Imageproblem und irgendwo liegt das in der protestantischen Arbeitsethik begründet. Die sagt sinngemäß, dass Müßiggang aller Laster Anfang sei. Das Tugendhafte ist so zum Gesellschaftsmantra verkommen, dass wir uns für jeden Ausbruch irgendeine Zweckbindung suchen, um ihn gesellschaftlich zu legitimieren. Das Problem ist, dass hier Müßiggang mit Faulheit gleichgesetzt wird, was schlichtweg falsch ist. Müßiggang bedeutet eigentlich nur, hin und wieder mal kurz durchzupusten, etwas nicht teleologisch zu tun, um dann wieder mit frischen Gedanken zu neuen Herausforderungen aufzubrechen.

Wie können Studierende heute noch dem Müßiggang frönen und warum sollten sie das?

Gerrit: Studieren als das begreifen, was es ist: Studieren ist keine erweiterte Berufsausbildung, sondern eine Chance, sich bewusst mit Dingen auseinanderzusetzen, deren Kontext größer ist als ihr mittelbarer ökonomischer Nutzen. Rotwein soll dabei helfen, habe ich gehört.

Was war die längste Zeit, die ihr dem Müßiggang erliegen durftet und wie wichtig ist der Kater für einen ausgeprägten Müßiggang?

Gerrit: Kater ist eher so wie Grippe und lädt sehr dazu ein nichts zu tun, was auch mal schön sein kann, aber in den seltensten Fällen fängt man da an über mehr nachzudenken als die nächste Folge „Fargo“.

Nils: Wenn man so ein Magazin aufbaut, dann hat man eher selten Müßiggang. Das fühlt sich manchmal so an wie ein Arzt mit einer Flasche Schnaps und einer Kippe in der Hand, der dir erklärt, wie schlecht das Rauchen und Trinken ist. Irgendwie ist das so ein bisschen gelebte Dialektik. Wir haben ein Magazin, das sich im weitesten Sinne mit Müßiggang beschäftigt, und je besser das ankommt, desto weniger Müßiggang haben wir.

Euer Logo impliziert, dass ihr die „Müßig-Gang“ seid. Habt ihr ein geheimes Handzeichen?  

Nils: Gerrit hat eins. Hat er sich bei irgendeinem Rapper abgeguckt, glaube ich.

 

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Was haltet ihr von Loona?

Nils: Ist das nicht die Frau von Carsten Maschmeyer?

Gerrit: Ich hab gehört, sie soll die schönste Frau der Welt sein.

Was sind eure Lieblingsthemen? Lieblingstiere?

Gerrit: Beauty und Lifestyle. Eigentlich würde ich beim Lieblingstier Möpse sagen, aber das ist doppeldeutig, also Französische Bulldoggen.

Nils: Tiere mag ich nicht, außer vielleicht Wespen und Mücken. Aber im Ernst: Ich schreibe gerne über Literatur und nutze das Magazin auch gern für eigene literarisch-publizistische Mischformen.

Eure „Über Uns“-Seite zeigt den Zott-Sahnejoghurt Werbespot. Ihr seid 90s-Kids. Was waren eure liebsten 80er-/90er-Zeichentrickserien?

Nils: In Zeiten, wo alle nur noch grüne Smoothies trinken, wollten wir einfach ein Zeichen für den Erhalt des klassischen Sahnejoghurts setzen.

Gerrit:  Ich hatte früher leider nur drei Programme. Heute bin ich deshalb fernsehsüchtig.

Wer sind eure publizistischen Vorbilder und wieso?

 Gerrit: Hans Sarpei.

Nils: Ich finde, dass man von der Interviewtechnik und der Beobachtungsschärfe von Benjamin von Stuckrad-Barre einiges lernen kann, auch Moritz von Uslar ist interessant. Generell fällt mir auf, dass es ironischerweise momentan die Welt ist, die einige vielversprechende, junge Feuilletonistinnen und Feuilletonisten hat, die sich kontrovers, aber gut lesen lassen.