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von und für Zaubernde

Vinzenz Hoppe promoviert an der Universi­tät Potsdam in Germanistik und hat ein Se­minar über die Topik des Schlagers geleitet. Außerdem wurde er mit dem Hans-Jürgen Bachorski-Preis ausgezeichnet.

Ich hatte Angst, mein Leben lang nur Nebenrollen zu spielen

Wieso studierst du eigentlich nichts Richtiges?

In der Schule war ich ziemlich schlecht und irgendwie auch ein ganz schöner Faulpelz. Eigentlich wollte ich danach Schauspieler am Theater werden. Ich hatte aber Angst, mein Leben lang nur Nebenrollen spielen zu dürfen.

Als dann beim Deutschen Theater Ulrich Khoun neuer Intendant wurde, brach ohne­hin eine Welt für mich zusammen. Seine Intendanz erinnerte mich stark an schlechte Systemgastronomie – anspruchslos und lang­weilig. Ich habe dann mit Germanistik in Pots­dam angefangen, für Berlin reichten die Noten nicht. Ich wurde ein richtiger Streber. Das Smartphone stets zur Hand, um in den Sitzun­gen noch vor allen anderen die Bücherempfeh­lungen der Dozenten zu shoppen – ich wollte die besten Ausgaben! Zwei Barkeeper-Jobs, dann Tutor, wenig Schlaf, im billigen Polyester-Anzug zur Uni. Klingt albern, aber es war mein Leben und ich wollte es so!

Und was ist, wenn das nichts wird mit der wissenschaftlichen Karriere?

Dann möchte ich ein Freibad leiten oder Schlagersänger promoten.

Um was ging es in deinem Schlagerseminar?

Wir haben die Topik des Schlagers von 1945 bis 1980 untersucht. Die Grundthemen sind fast immer gleich: Es geht um die Vergäng­lichkeit der Liebe, Träume von besseren Welten und die Schönheit des einfachen Le­bens. Das sind alles Themen, die an Aktuali­tät nichts verloren haben. Ähnlich beschrieb das auch Tobias Reitz, die Koryphäe unter Deutschlands Liedertextern, der für sie alle ge­dichtet hat: Helene Fischer, Semino Rossi, Fer­nando Express und so weiter. Im Rahmen des Seminars hat er einen Gastvortrag in Potsdam gehalten und sich als eine Art Mischung aus frühneuzeitlichem Gelegenheitsdichter und romantischem Poeten inszeniert. Das war sehr aufschlussreich und interessant – Schlagertex­ter als Stimme des Volkes oder so ähnlich.

Aber geht es beim Schlager nicht vor allem darum, betrunken zu sein?

Sehr gute Frage, danke! Ja, genau. Der Rausch­zustand spielt in vielen Schlagern eine wich­tige Rolle. Schlager kann aber durchaus kom­plex und auch ziemlich schlau getextet sein. Dabei erhebt der Schlager für sich überhaupt nicht den Anspruch, Kunst zu sein. Da muss man als wissenschaftlicher Beobachter seine Instrumente anpassen, mit klassischen Analysemethoden kommt man hier nicht so weit.

Würdest du lieber David Hasselhoff oder Arnie treffen?

The Hoff wäre geil, aber wahrscheinlich würden wir dann nur Selfies machen. Arnie wäre auch nicht schlecht und er könnte mir Fitness-Tipps geben. Der weiß ja noch wie man fit wird ohne Chemie, beziehungsweise worauf man achten muss. Nein, doch Hassel­hoff, der ist real geblieben und in jedem Fall eines meiner Idole. Er hat auch eine harte Zeit hinter sich, hat es aber geschafft.

Wie ist es, als junger Dozent plötzlich Leute zu bewerten?

Damit tue ich mich sehr schwer! Gerade auch, weil ich die Tricks und Kniffe kenne und unterscheiden kann, wann jemand mal kurz was bei Wikipedia nachschlägt oder Taubsis jagt. Ich versuche aber immer, objek­tiv zu werten. Und jede Studentengeneration bringt ja ihre ganz eigenen Stärken mit sich. Da muss man versuchen, drauf aufzubauen. Allerdings halte ich mich auch für keinen be­sonders guten Dozenten und befürchte stets, die Studenten zu überfordern oder zu unter­fordern, sie zu langweilen oder sonst wie ne­gativ im Gedächtnis zu bleiben.

Was ist deine Meinung zum Gendern?

In den Seminaren ist das ein heißes Thema. Keine Ahnung was die beste Genderform ist. Eure finde ich allerdings reichlich albern: »Student:innen«. Was soll denn bitte der Doppelpunkt? Die Semantik des Zeichens scheint mir nicht recht bedacht worden zu sein, sieht natürlich cool aus. Grundsätzlich ist das aber eine gute Sache. Falsch finde ich es allerdings, alte Texte durch Gendern zu modernisieren und so weiter. Man sollte im­mer auch den historischen und auch persönli­chen Kontext berücksichtigen.

Wie heißt dein Hund, oder wie würde er heißen?

Der hätte einen richtigen Hundenamen: Bello. Bello wäre ein Whippet (mittelgroßer Windhund) mit dem man sich im Park super profilieren könnte. Die anderen Hunde sind einfach viel zu lahm und langweilig. Bello und ich würden sie belächeln.

Kommst du als Preisträger jetzt überall auf die Gästeliste?

Ja klar, das eröffnet einem in der Clubszene völlig neue Möglichkeiten. Es gibt sogar spe­zielle Bereiche – sind aber geheim und da darf ich hier auch gar nicht drüber reden. Davor musste ich immer mit Tricks Abhilfe schaffen. Als ich noch Normalo war, habe ich immer einen Blumenstrauß mitgenommen. Am besten irgendwas ausgefallenes: Ranun­keln, Orchideen, spezielle Zuchtrosen oder so. Man sagt dann einfach, dass der für den Boss sei und schon ist man drinnen. Meistens gibt’s von den Türstehern dann auch noch eine Vase.