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von und für Zaubernde

Ein Mann hat in Russland in einer Kirche Jagd auf Pokémon gemacht, um damit Religionskritik zu üben. Sind die kleinen Monster also mehr als ein geheimes Fitness-Programm für kleine und große Couchpotatos? Ist Pokémon GO gar eine neue Waffe des Widerstandes?

Der ganz große Hype ist vorbei, doch noch immer laufen sie einem überall über den Weg. Ihr Blick ist fixiert aufs Smartphone, ständig suchen sie Arenen oder schlüpfende Pikachus. Dabei haben die kollektiven Pokémon Jagdzüge auf den ersten Blick wenig subversives Potential.

Da trifft sich die Jugend beispielsweise auf der Berliner Museumsinsel und statt sich für Kunst und Kultur zu begeistern, freuen sie sich über den „Free-Wifi-for-PokéTrainers“-Hotspot, während eine Gruppe höchstens Halbstarker „Komm schnapp sie dir, komm schnapp sie dir!“ auf ihrem Ghettoblaster hört.

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Revolution der Poké-Nerds?

Das sieht nun so gar nicht nach Protest aus. Andererseits treibt Pokémon GO die Kids  immerhin wieder auf die Straße. Eignet sich das nicht prima für Widerstand und Rückeroberung von öffentlichem Raum?

Das dachte sich auch der 22-Jährige YouTuber aus Russland. Ruslan Sokolovsky machte sich mit seinem Smartphone auf den Weg in eine Kirche in Jekaterinburg, um dort „Pikachus“ und „Pummeluffs“ zu jagen. Das Ganze präsentierte er seinen knapp 300.000 Abonnenten auf Youtube. Nun sitzt er in Untersuchungshaft. Ihm drohen 5-Jahre Gefängnis. Pussy Riot mussten für eine derartig grandiose Anerkennung des Putin’schen-Staatsapparates noch ein Punk-Gebet und bunte Ski-Masken bemühen.

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Pokémon-Rebellion: Team Rot ist kampfbereit!

Die Facebook-Seite „IWW Pokémon Trainers‘ Union“ wandelt derweil Motive aus dem Spiel kreativ in politischen Protest um. So fordert sie beispielsweise den 4-Stunden-Arbeitstag: 4 Stunden für die Arbeit, 8 Stunden zur Erholung, 8 Stunden für Freizeit und 4 Stunden TO CATCH EM ALL! Auch dabei: ein Foto eines Demonstrierenden in Athen aus dem Jahr 2008, der als Zeichen des Protestes gegen die Krise das Pokémon „Jigglypuff“ schmeißt.

Technologie ist also ganz offensichtlich das, was man daraus macht. So birgt Pokémon GO einzigartige Möglichkeiten des Protestes: wie wäre es beispielsweise mit einer großangelegten Poké-Suchaktion in der AfD Parteizentrale in Berlin?

Wie man hört finden sich auch ziemlich seltene Viecher in Beatrix von Storchs Wohnhaus in Berlin. Oder man folgt dem Vorschlag, welcher sich auf der Seite der „Pokémon Trainers‘ Union“ findet, und beginnt einen spontanen Streik mit dem Ausruf „Hey Everyone – There’s a rare Pokémon outside!“. Der Kreativität sind also keine Grenzen gesetzt.

In diesem Sinne: „Trainers of the World, UNITE!“