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ZurQuelle Magazin

von und für Zaubernde

Wir haben mit Lea Joy Friedel gesprochen, der PARTEI-Direktkandidatin von Berlin-Mitte, Sexismus-Beauftragte und Jurorin des 4,0-Awards.

Lea Joy Friedel ist Direktkandidatin der PARTEI in Berlin-Mitte. Sie wohnt in Moabit und studiert Musikpädagogik. Laut Bundeswahlausschuss ist sie trotzdem hauptberuflich Musikerin. Außerdem ist sie Jurorin des ZurQuelle-4,0-Awards, bei dem Studierende mit ihrer schlechtesten Hausarbeit bis zu 500 Euro gewinnen können.

In ihrem Wahlwerbespot zitiert sie die Slogans anderer Parteien. Dazu sieht man sie auf der Toilette, beim Anzünden eines BMWs und wie sie zwischen zwei Autos auf die Straße pinkelt. Das Medienecho war dementsprechend groß. Mit uns hat sie über Politik geredet. Und warum der PARTEI derzeit so viel Hass entgegenschlägt.

Hallo Lea Joy Friedel. Du schreibst gerade deine erste Hausarbeit. Worüber?

Ich schreibe im Fach Soziologie über Laurie Pennys Buch „Fleischmarkt“. Super spannend. Außerdem lese ich zur Zeit „Untenrum frei“ von Margarete Stokowski.

Du bist in der letzten Legislaturperiode schon mal angetreten, damals in Marzahn-Hellersdorf. Daraus wurde aber nichts. Dieses Jahr versuchst du es nun in Mitte. Ist das jetzt ein Aufstieg für dich?

Auf jeden Fall! Jeder, der von Marzahn-Hellersdorf nach Mitte zieht, weiß, dass sich das wie ein Aufstieg anfühlt.

Wie hast du es geschafft, jetzt in Mitte kandidieren zu dürfen?

Letztes Mal war es so, dass ich ziemlich spät von meinem Auslandsaufenthalt zurückgekommen war. Dann habe ich in der PARTEI nachgefragt, welcher Bezirk noch frei ist. Das waren dann nur Reinickendorf, Spandau und Marzahn-Hellersdorf. Das letzte klang für mich am spannendsten und ich dachte mir: Die rette ich jetzt mal.

Und dass ich jetzt in Mitte antreten kann, liegt daran, dass ich dort irgendwann in den Ortsverband kam und mich darin hochgeschlafen habe. Ganz natürlich, wie sich das für eine Frau gehört.

Damit erledigt sich die Frage danach, wie man sich innerhalb der PARTEI gegen Konkurrenz durchsetzt.

Ja. Ich habe mich einfach solange hochgeschlafen, bis irgendwann keine Konkurrenz mehr da war. Ich habe sie einfach, wie sagt man, mundtot gemacht. So einfach geht das.

Wenn eine Frau nach Macht strebt, gibt es in der PARTEI einfach gar keine Konkurrenzsituationen?

Wenn ich antrete nicht.

Du arbeitest an vielen Projekten. Eines nennt sich „Boobs and Brains“. Darin beweist du sowohl Intelligenz und Bildung, als auch Oberweite. Was ist in der Politik wichtiger?

Man braucht die Brains, um die Boobs einzusetzen. Das ist eine Kombination, die sich gegenseitig ergänzt. Man braucht also seine Brains, um zu wissen, wann es Zeit ist, die Boobs einzusetzen und gleichzeitig schaffen die Brains überhaupt erst die Grundlage dafür, dass man in eine Situation gerät, in der man Boobs einsetzen kann. Das arbeitet ständig zusammen und potenziert sich gegenseitig.

Wenn du gewählt wirst und Serdar Somuncu Kanzler wird, welchen Posten übernimmst du dann?

Ich kandidiere ja für Mitte. Ich muss mich auf meinen Wahlkreis konzentrieren, auch wenn ich gleichzeitig auf der Landesliste stehe. Ich bleibe dann aber auch weiterhin Beauftragte für angewandten Sexismus. Das ist mir wichtig und das werde ich beibehalten solange ich in der Politik bin.

Damit wären wir bei Inhalten. Was ist denn die Kernaussage deines Wahlwerbespots?

Ganz einfach: „Mut zu Deutschland“. Das fasst alles zusammen. „Trau dich Deutschland“ wäre dann der Appell dazu. Ich repräsentiere ja viele traditionelle deutsche Tugenden und Verhaltensweisen in dem Video, wie etwa das Lesen der BILD. Hinzu kommen neue deutsche Tugenden, die ich einführen möchte, wie zum Beispiel die Burka-Pflicht für Männer zwischen 18-25.

Hier zeigt der Spitzenkandidat der AfD persönlich, wie sehr seine Partei auf Bikinis steht.

Posted by ZurQuelle Magazin on Donnerstag, 14. September 2017

Der ganze Dreh stand jedenfalls unter dem Motto: Mut zu Deutschland. Und den muss man sich schon mal ansaufen.

Unser Kanzler fordert analog zur Burka-Pflicht für Männer übrigens die Nacktpflicht für Frauen zwischen 18 und 25. Vielleicht sollte ich die Burka-Pflicht eher für Männer ab 30 einführen. Oder ich lasse die Bürger darüber entscheiden, was ihnen lieber ist.

 Seid ihr zwei dicke, Somuncu und du? Hängt ihr zusammen rum und geht auch mal einen trinken?

Serdar Somuncu ist sehr gerne anwesend, wenn auch Kameras anwesend sind. Man geht also schon einen trinken, aber das passiert in der Partei sowieso, da geht es nicht um Personen.

Was ist dein Lieblingsspruch, den du im Spot zitierst?

Ich fühle mich mittlerweile all diesen Sätzen sehr verbunden. Ganz besonders originell fand ich den „Und was ist Ihr Grund für Deutschland zu kämpfen?“ von der AfD. Mein Lieblingsslogan des gesamten Wahlkampfes ist aber „Die Zukunft braucht neue Ideen. Und einen, der sie umsetzt.“ Der ist so geil und inhaltslos, da war es auch gar kein Problem, sich dazu eine Szene auszudenken. Da kann man schließlich alles zu machen: Neue Ideen und wie sollen die umgesetzt werden. Das kann einfach alles bedeuten.

Hast du das ganze Konzept selbst erarbeitet?

Nicht ganz. Ich hatte zu Beginn einen kreativen Anfall, bei dem ich alles aufgeschrieben habe, was mir einfiel. Dann habe ich bei ein paar Leuten rumgefragt. Deren Ideen konnte ich aber nur schwer umsetzen. Eine zum Beispiel war, dass ich mit einem dieser Abou-Chaker-Clans posiere. Das wäre bei der Statistensuche schwer geworden. Ich mag ja lieber Szenen mit einfachen Requisiten, Seifenblasen oder der Bildzeitung.

Ich habe mich aber auch mit einer Freundin zusammengesetzt und bei einem Rotwein hart gebrainstormt. Die tritt auch in dem Video auf, als die Türkin, die ich dann integriere. Und mit dem Kameramann habe ich dann auch nochmal viel überlegt.

Und die PARTEI hat dir gar nicht reingeredet?

Genau. Das Geile war, dass von der Parteiführung gar nichts kam. Wir haben das komplett alleine durchgezogen. Deswegen waren wir auch selbst völlig euphorisch. Ich war natürlich nervös, weil es ja auch völlig scheiße hätte werden können. Wurde es dann aber nicht. Es wurde es total geil.

Und es hat ja auch ein riesiges Medienecho erfahren. „Es gibt da jetzt ein Video, in dem eine Frau zwischen zwei Autos pinkelt“.

Ich finde es immer absurd, was die Medien als absurd bezeichnen. Ich, und alle Frauen, die ich kenne, pinkeln spätestens seit ihrem ersten Filmriss zwischen Autos auf die Straße.

In einem Interview mit der „jungen Welt“ heißt es, du wollest die Sexualisierung der Partei vorantreiben. Was ist da dein Schlachtplan?

Brutale Weiblichkeit natürlich, immer Präsenz zeigen, das Matriarchat anpeilen und weiterhin die Stellung der Frauen in der PARTEI ausbauen. Beim Ortsverband Mitte haben wir bereits berlinweit den höchsten Frauenanteil. Wir haben den Verband vor einem Jahr komplett revolutioniert. Außerdem gibt es den Votzenstammtisch, bei dem sich nur die PARTEI-Frauen treffen. Ich bin da die zweite Votzitzende. Wir sind auf dem richtigen Weg.

Übrigens war der Typ von der „jungen Welt“ der, der meine Nummer haben wollte. Serdar hatte den bei der Pressekonferenz angepöbelt: „Wie siehst du denn aus mit deinem Pulli?“ Und dann tat der Typ mir so leid, auch weil ich pöbeln nicht so nett finde, dass ich zu ihm meinte: „Ich finde, Sie sehen sehr gut aus“. Und er war dann Feuer und Flamme. In der Pressekonferenz hat er schließlich sogar eine Frage an Martin Sonneborn gestellt, ob der ihm meine Nummer geben könne. Den Mut fand ich echt süß.

Ich habe ihm die Nummer aber nicht gegeben. Dafür hat er mir seine E-Mailadresse und seine Nummer aufgeschrieben. Ich habe ihm dann mal eine Mail geschrieben, weil er mich interviewt hatte und ich fragen wollte, wie es mit der Veröffentlichung aussieht. Dann stellte sich raus: Das war ein kompletter Fake. Das Interview wurde nie veröffentlicht – obwohl ich ihn extra noch gefragt hatte, ob er das auch drucken würde. Trotzdem: Der Typ war ganz lustig, der war cool.

In letzter Zeit gab es viel Kritik an der PARTEI. Vor allem in der taz wurde diese laut. Was hat denn die taz gegen euch?

Ach, der Autor muss einfach mal wieder richtig durchgefickt werden.

Ein Kritikpunkt lautete, die PARTEI erhebe sich über Politik und rede Politiker schlecht, ohne selbst für etwas zu stehen. Gleichzeitig erhebe sie dann den moralischen Zeigefinger, was wiederum unmoralisch sei, weil sie ja selbst nur destruktiv gegenüber dem Politikbetrieb ist. Warum also sollte man die Partei trotzdem wählen?

Erstens hat es mich nie gekümmert, was irgendein Arschloch, das gerade schlecht geschlafen hat, über die Partei sagt. Und nur weil das jetzt ein Journalist ist, muss ich mich damit nicht weiter beschäftigen.

Lustig ist aber, dass da das Wort unmoralisch fällt. Zumal andere Parteien ja auch nur selten moralbasiert handeln.

Das Gute an der PARTEI ist aber, dass wir viel souveräner sind als andere Parteien. Klar haben wir keine Inhalte, aber wir müssen dafür auch keine Versprechen einlösen. Außer dass die Mauer wieder aufgebaut werden muss. Wir sind aber befreit von dieser „Wähl mich – dann kriegst du was“-Mentalität.

Ich werde zum Beispiel nie irgendeinen Scheiß erzählen und den dann nicht umsetzen können. Wir können in unserer politischen Arbeit komplett kreativ sein. Im Endeffekt kommt es bei uns deshalb immer auf den einzelnen Menschen an.

Nehmen wir das Beispiel: Ich mag Stefan Liebich, der im Prenzlauer Berg für die Linke antritt. Gleichzeitig mag ich aber Sahra Wagenknecht nicht – das ist dann ein Problem für den Wähler. Bei der PARTEI reicht es, wenn man schaut: Mag ich den Menschen, den ich wähle? Der Rest ist egal. So ist man sehr viel freier.

Es ist auch toll, dass Leute in der PARTEI die Chance kriegen, Politik zu machen, ohne Politiker zu sein. Das ist vielleicht das Tollste an der Demokratie. Also gut, die NPD kann das auch, aber die sind so unsouverän, dass sie trotzdem keine Gefahr sind.

Und wofür stehst du als Politikerin, die keine Politikerin ist?

Für Bürgerbeteiligung. Und noch andere Dinge, die ich dann machen werde, wenn ich gewählt wurde. Da mache ich mir dann Gedanken drüber.

Mit wem würdest du denn gerne koalieren wollen, wenn ihr keine absolute Mehrheit bekommt?

Ich würde Christian Lindner gerne zu meinem persönlichen Sklaven machen. Aber wir koalieren ja nicht mit Spaßparteien, deswegen würde ich da intern wohl auf Granit stoßen.

Außerdem weiß ich, dass in der FDP viele ahnungslose junge Boys rumlaufen. Da weiß ich nicht, ob die gut im Bett sind. Ich nehme deshalb lieber die Linke, die sind souveräner.

Hast du übrigens gesehen, wie Alice Weidel Sahra Wagenknecht angeflirtet hat? Bei diesem Fünferduell meinte sie, dass Wagenknecht die einzig vernünftige Person in ihrer Partei sei. Aber wie sie das gesagt hat, das war schon ein kleiner Move. Das war voll hot, aber Sahra hat sie hart abgeblockt.

Ansonsten gerne die Piraten, die aber ja erstens nicht in den Bundestag kommen werden und von denen zweitens schon immer wieder welche zu uns übertreten. Das wäre dann ja praktisch eine Koalition mit uns selbst.

Ansonsten muss ich aber auch einfach mal gucken, wer am geilsten aussieht, denn wie gesagt, es kommt auf die Menschen an.

Schlagzeile und Teaser des erwähnten taz-Artikels lauten „Elitär, bourgeois, amoralisch“ und dann „(…) Mit diesen Schnupsis ist kein Staat zu machen“. Sag, was sind Schnupsis?

Schupsi. Ich habe den Artikel gar nicht so genau gelesen und auch aufgehört, als es hieß, wir seien schlimmer als die AfD. Aber Schnupsis sind Saufköpfe. Wir saufen denen also zu viel. Schnupsi kommt von Schnaps.

Ich muss aber sagen, ich glaube nicht, dass wir elitärer, bourgeoiser und schnupsiger sind als andere Parteien.

Es scheint mir auch im Trend zu liegen, Artikel gegen die PARTEI zu schreiben. Das liegt wohl daran, dass wir gerade so viel Medienaufmerksamkeit erfahren. Da wollen die Autoren einfach in einen besonderen Club aufgenommen werden.

Zuletzt sag doch noch, warum nimmst du am 4,0-Award für außerordentliches akademisches Scheitern teil? Das freut uns nämlich sehr.

Ja, mich auch. In erster Linie freut es mich nämlich, dass ich mal an einer Jury teilnehmen soll, also dass man mich das fragt. Außerdem habe ich in einer Jury Macht. Und auf Macht stehe ich.

Vielen Dank, Lea.

Gern. Und du weißt, wer positive Sachen über mich schreibt, bekommt nach der Machtübernahme Vorteile.

 

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  • Paul Lenz

    Ich sehe keinen Grund, die Burkapflicht an eine Altersgrenze zu koppeln. Ich plädiere daher für eine Burkapflicht für alle Männer, die zu faul sind, ihr Gesicht glatt zu rasieren. Christian Lindner und Martin Schulz zum Beispiel.