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von und für Zaubernde

Unser Autor Jonas hat den Triumph von Donald Trump in den USA erlebt.

„Wenn du mal einen schlechten Tag hast, dann denke immer daran, dass jemand sogar gegen Donald Trump verloren hat.“

Solche und andere Sprüche befinden sich seit heute in jeglichen Timelines der sozialen Medien. Was wie ein schlechter Witz klingt, wie aus einer Folge „The Man in the High Castle“ und uns Deutsche verdammt stark an 1933 erinnert, ist tatsächlich eingetreten:

Donald Trump besiegt Hillary Clinton und wird damit der 45. US-Präsident. Viele Amerikaner:innen sind heute mit einem regelrechten emotionalen Kater erwacht. „Shock“ ist das Wort des Tages. Da hat es doch tatsächlich ein egomanischer, chauvinistischer, rassistischer, selbsternannter Multimillionär ins Weiße Haus geschafft. Und wenn wir schon bei Farben sind: „Orange is the new black“, bekommt dadurch eine ganz andere Bedeutung.

Ihr fragt euch vielleicht warum der Autor dieses Artikels einen solchen Ton anschlägt. So kann dies vor allem daran liegen, dass ich mich derzeit für ein Austauschsemester im „land of the free and the home of the whopper“ (Frei nach „Family Guys“ Peter Griffin) befinde. Genauer gesagt in Durham, North Carolina. Eben jenes North Carolina, welches Clinton letzte Nacht im Stich gelassen hat.

Obwohl das sogenannte Dreieck, in dem sich drei Universitäten (Duke, UNC, NC State) befinden, mit einer überwältigenden Mehrheit für die Demokraten gestimmt hat, erreichte Donald Trump letzte Nacht gute 5% mehr Stimmen und gewann einen der wichtigsten Swingstates. Selten war das Wort „Swinger“ so negativ konnotiert. Dass es wohl nach einem deutlichen Sieg nach Punkten aussieht, stellte sich dann gegen Ein Uhr Ostküstenzeit heraus. Völlig bedient und unfassbar geschockt erreichten mich die ersten Nachrichten von Freund:innen vor Ort und aus Deutschland.

Der erste Tag mit der Gewissheit: Es ist Donald Trump

Am Morgen danach sind die Leute geschockt, ängstlich und wütend. Viele befürchten, dass ein konservativer Supreme Court die Abtreibungsrechte wieder verschärfen wird und auch andere liberale Werte auf der Strecke bleiben. Andere finden das wiederum gut und sehen einer stabilen konservativen Zukunft entgegen. Das sind vor allem jene Bekannte von mir, die Schwule zwar nicht offen verurteilen würden, aber im Stillen denken, dass diese in der Hölle brennen werden.

Man hat das Gefühl, dass das Land sich selbst gesellschaftlich um zwanzig Jahre zurückwirft. Die Neunziger sind also tatsächlich wieder voll im Trend. Irgendwie geschieht es ihnen dann auch Recht, denke ich mir. Ich fühle mit meinen liberalen Freund:innen vor Ort, aber weiß, dass der Rest des Landes es nicht anders will und irgendwie auch nicht anders verdient hat.

Alle sind wegen Donald Trump in Alarmstimmung – außer Putin

Die Börse hatte bereits gestern Abend durch einen rapiden Absturz reagiert, der sogar 9/11 getoppt hat, die EU will einen Krisengipfel einberufen und Putin hat den Tag bestimmt mit Kaviar und Krim-Sekt begonnen. Sicherlich könnte man jetzt anführen, dass TTIP damit auf der Strecke bleiben wird und man die Hegemonie der USA durchbrechen wird.

Aber wollen wir die oberste Befehlsgewalt der größten militärischen Streitmacht der Welt tatsächlichen in den Händen dieses aktiven Pussygrabbers sehen, dem man wie einem trotzigen Kind den Twitteraccount entreißen muss? Das Seuchenjahr 2016 hat bereits zu große humanitäre Verluste hervorgebracht. Kann die Welt also bitte einfach mal für die letzten Wochen die Füße still halten und wir fangen nächstes Jahr wieder von vorne an?

Zu der Stimmung auf dem Campus am heutigen Tag passt dieser Post von einer Kommilitonin:

„Today, I am left deeply and wholeheartedly saddened. I am rendered speechless; I am in awe of America’s choice. To those targeted by Donald Trump’s intolerable and malevolent rhetoric – there are so many that still love you and will fight for you endlessly. Yet in moments like this, we either have the opportunity to sit idly by, or we have the opportunity to rebuild, reunify, and come together to maintain a sense of forward progress, though it seems that the tide is completely against us. Let’s hope that we as a nation choose the latter.“ (Katie N. auf Facebook)

Etwas kitschig und pathetisch, aber das sind sie halt, die Amies. Ich beginne eine perfide Mischung aus Faszination und Abscheu zu empfinden und war noch nie so froh darüber eine deutsche Staatsbürgerschaft zu besitzen.

Bild: Marc Nozell Creative Commons Attribution 2.0 Generic von 20160208-DSC08078