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Das gesellschaftskritische Popmagazin

Eines vorweg: Was wirklich in den Untiefen der Filmkiste des Vaters schlummert, willst du eigentlich gar nicht wissen. Aus dem gleichen Grund solltest du auch der Browser-Chronologie selbst geliebter Menschen fernbleiben – was du nicht weißt, macht dich nicht heiß. Und zu wissen, was deinen Vater so alles heiß macht, würde dir wohl eher einen kalten Schauer über den Rücken fahren lassen. Aber ey: Gönn dir.

In der Filmkiste meines Vaters liegt auch einer dieser Filme, die es niemals ins Fernsehen schafften oder schaffen werden. Wahrscheinlich noch nicht einmal in den USA, wo diese kleine Filmperle produziert wurde. Jäger des Tödlichen Jade (Originaltitel: Raw Force) ist ein C-Movie, wie sie heute kaum noch gedreht werden. Du denkst jetzt bestimmt an The Asylum, die bekannte Schmiede für Haifischfilme, richtig? Und dir liegt schon ein fieser Kommentar auf den Lippen, mit dem du uns korrigieren möchtest, richtig? Ja leck mich, Babygirl, aber The Asylum „ain’t got nothing on” wer auch immer Raw Force geschaffen hat.

Die Story des Films ist so genial, dass mir fast die Worte fehlen, sie zu beschreiben. Also: Irgendwo im Pazifik liegt eine Insel. Sie wird von Mönchen bewohnt. Die Mönche bewachen ihren gigantischen Vorrat an Jade, mit der sie die vom Festland gesandten Nahrungsmittel bezahlen. Die Geistlichen, allesamt heimtückisch-böse dreinblickende Filipinos, ernähren sich von Menschenfleisch, um genauer zu sein, von Jungfrauenfleisch. Nein, um wirklich genau zu sein: Vom Fleisch leicht bekleideter bis nackter weiblicher Jungfrauen. Es existiert ein diabolischen Deal mit einer gierigen, sexistischen und grausamen Piratentruppe: Frauen gegen Jade. Aber der große Twist des Plots wird natürlich erst gegen Ende preisgegeben, doch du bist schon jetzt richtig heiß darauf, oder?

Die Story setzt an dem Punkt ein, an dem eine Gruppe amerikanischer Touristinnen und Schatzjägerinnen auf einer Jacht dem hemmungslosen Hedonismus frönen. Bemerkenswert ist, dass die Figuren quasi nicht eingeführt werden, auch untereinander nicht: Plötzlich sind die Fremden zusammen und kurz darauf haben sie auch schon Sex miteinander. Bemerkenswert auch, dass wir dabei bereits alle weiblichen Darstellerinnen nackt sehen, und bevor der Film überhaupt richtig angefangen hat. Der Regisseur wusste offenbar ganz genau, wonach seinem Publikum der Sinn stünde.

Eine der Sexszenen wird dann aber jäh unterbrochen, als Piraten das Schiff entern. Sie sind ein Trupp aus fünf, sechs Männern, deren Kapitän einen Stahlhelm mit Hakenkreuz trägt. Kurz darauf steht das Schiff in Flammen; das SXF-Team hat hier keine Kosten und Mühen gescheut: Sie legen eine Bildspur mit Flammen in den Vordergrund. Heiß wurde den Schauspielerinnen also wohl kaum, den Frauen höchstwahrscheinlich sogar kalt, immerhin sind sie den größten Teil des Films über nackt.

Schließlich sinkt das Schiff und die Gruppe strandet auf der Jade-Insel. Zum Glück sind Waffen zur Hand, unter anderem ein Raketenwerfer: Geil! Was allerdings niemand ahnte: Der Verzehr von Menschenfleisch verleiht den Mönchen nekromantische Kräfte und sie können die am Strand verscharrten Kampfkünstlerinnenleichen vergangener Zeiten zum Leben erwecken. Deshalb bekommen es unsere ungeliebten Protagonistinnen nicht nur mit den Mönchen zu tun, sondern auch mit Samurai- und Kung-Fu-Zombies. Auch hier wurde nicht gespart: Die Zombies haben blau geschminkte Gesichter. Nur bleich-glitzernde Vampire wären lachhafter. Die Kampfszenen sind eigentlich recht beeindruckend, aber leider unverzeihlich schlecht ausgeleuchtet und am hellichten Tag können wir plötzlich nichts mehr erkennen und die Action findet in einem einzigen großen Schatten statt. Dafür sind die Nachtszenen gut beleuchtet. Naja, eigentlich gibt es nur einen blauen Bildfilter, der für nächtliche Stimmung sorgen soll.

„Wie man’s macht, macht man’s falsch“, denkst du dir wahrscheinlich schon länger. Und tatsächlich: Im Prinzip triffst du es damit ziemlich genau …

Ich würde durchaus spoilern, wie der Film ausgeht; aber ich kann mich nicht mehr erinnern. Die letzten Filmbilder zeigen – glaube ich – die nach wie vor mönchbewohnte Insel den Schriftzug, davor der Schriftzug: „To be continued …“ Ein Versprechen, das übrigens nicht eingehalten wurde.