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Das gesellschaftskritische Popmagazin

Was wollte der alte Bukowski uns wohl sagen? Das Leben ist kacke? Ich bin kacke? Du bist kacke?

Was soll die ganze Kacke? Ich wünschte, das alles wäre nicht ganz so kacke? Ist doch gar nicht so kacke? Das Schöne an den Geschichten ist, dass man all das darin lesen kann, wenn man möchte.

Ob man die Geschichten lesen möchte, ist hingegen eine andere Frage, auf die Bukowski aber wohl nur mit den Schultern gezuckt hätte. „Mir doch egal“ hätte er gesagt, „Ist doch eh alles kacke.“

Fuck Machine ist eine Kurzgeschichtensammlung. Und zwar eine, die ziemlich gut zeigt, worauf sich Bukowski reduziert sah und natürlich auch gerne reduzierte. Es wird viel gebumst, geflucht und gesoffen.

Als 16-Jähriger fand ich das alles mega geil. „Endlich mal etwas, was meinem Anspruch an Literatur gerecht wird“, dachte ich. Und, nun ja, wenn man es mit dem Gesamtwerk Stephen Kings in Relation setzt, das ich bis dahin mit dem Literaturkanon gleichgesetzt hatte, war Bukowski wohl ein Aufstieg.

Oder auch nicht, das war egal, denn irgendwo zwischen angegeilt und angeekelt fand ich die Geschichten einfach nur wahr, ließ mir von dem alten Säufer mit einer Vorliebe dafür, seitenweise die betont fetten Frauen zu ficken, die Schwachstellen der Gesellschaft erklären.

Und natürlich auch, dass das Leben das ist, was du daraus machst. Dass der Mensch sich mit so ziemlich jeder Situation arrangieren kann, wenn er nur eine Möglichkeit findet, den emotionalen Ausgleich zu schaffen. Im Falle des schmutzigen, alten Hanks waren das halt ficken und saufen.

Es dauerte eine ganze Weile, bis ich begriff, dass man das Leben nicht auf dieses Glücklichkeits-Substitut reduzieren muss, doch für den kleinen Pubertierer war Charles Bukowski wohl das Beste, was ihm wiederfahren konnte, bot er doch die Möglichkeit, sich seinen Lebensstil schönzulesen.

Heute scheint das alles etwas überholt, auch wenn die kreative Sprache, der beißende Zynismus und die sarkastische Resignation, mit der Bukowski seinem Schicksal begegnete, nach wie vor eine gewisse Faszination auf mich ausüben. Nach ein paar Seiten reicht es dann aber auch wieder, denn so ganz umhin kommt man nicht, in den bitterbösen Worten Bukowskis auch ein wenig Neid zu erkennen, dass er nicht den teuren Schnaps zu saufen, die schönen Frauen zu ficken kriegt.

Und irgendwie macht das Bukowski dann auch schon wieder zum chauvinistischen Arsch.