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ZurQuelle Magazin

von und für Zaubernde

Seit die Netflixserie »Das Haus des Geldes« das alte Partisanenlied »Bella Ciao« aufgegriffen hat, wurde es vielfach musikalisch gesampled, gecovert oder zitiert. Nun ist der standhafte Antifaschist und Bergtroll Dj Ötzi mit einer ganz besonderen Coverversion aus seiner Höhle gekrabbelt.

Damals, in meiner nostalgisch verklärten Kindheit, versprühte »Bella Ciao« den Duft von Revolution. Papa legte die Platte auf und gemeinsam sangen wir, die Faust geballt gen Himmel.

Sommerhit 2018

Heute sieht das anders aus: Widerständige Musik ist vollständig  kulturindustriell vereinnahmt. Alles begann harmlos mit »Das Haus des Geldes«. In der überschätzten spanischen Serie über einen Banküberfall stimmen die Bankräuber das Lied »Bella Ciao« an.

Das traf einen Nerv. Der House-Dj Hugel verarbeitete den Song zu einer eingängigen Sommerhymne. Bei Hugel bleibt der Bezug zur Partisanenhymne erkennbar. Die Auszeichnung von Gfk Entertainment zum Sommerhit des Jahres 2018 wurde selbst vom Neuen Deutschland beklatscht.

Angriff der Kulturindustrie

Dann kam Mike Singer. In seinem Musikvideo verknüpft er »Bella Ciao« gekonnt mit Phrasen und der Ästhetik des schnellen Gelds: Man sitzt am Pool und schmeißt mit Scheinen.

Auch Gangsterrap erkannte das Potenzial der Banküberfall-Romantik von »Das Haus des Geldes« und verhunzte »Bella Ciao« auf seine Weise. Weitere Remixe kamen aus Frankreich. Zuletzt wagte sich Tom Waits an eine Neuinterpretation, die der politischen Botschaft des Originals treu bleibt. Und dann kam Ötzi.

Partisanen besoffen in der Schneehütte

Am 28.09.2018 lud der Youtube-Kanal ICH FIND SCHLAGER TOLL! den »Bella Ciao«-Remix von Dj Ötzi hoch. Endlich. Wo es im Originaltext heißt: »Eines Morgens, in aller Frühe, trafen wir auf unseren Feind«, singt Ötzi »eines Tages, in weiter Ferne, werden Träume im Staub verwehen«. Dazu spaziert Ötzi durch Naturlandschaften, eine Ballerina tanzt und natürlich gibt es eine Mordsgaudi in der sommerlichen Alphütte.

Also: Folgt Ötzis rat und bildet Aprés-Ski-Banden. Denn der antifaschistische Kampf wird auf den Pisten und in Suffhütten entschieden.

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Anne verschlang in nur drei Tagen das neue Buch der großartigen Margarete Stokowski: »Die letzten Tage des Patriarchats«.

Leonie sah sich an, wie Fundi-Christen beim »Marsch für das Leben« weiße Kreuze schwingen.

In der letzten Sneak: Penélope Cruz in »Todos Los Saben«.

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