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ZurQuelle Magazin

Das gesellschaftskritische Popmagazin

Wenn »Papa Rhein« »Mama Afrika« trifft, lässt der Rassismus in der weltoffenen Rheinmetropole nicht lange auf sich warten. Unsere Kölner Außenkorrespondentin Sophie berichtet.

An einem Ort, weit weg vom »gesetzlosen Berlin«, regierte in den letzten Tagen wieder das Chaos. Auf den Straßen wurde uriniert, konsumiert und korpuliert – und Frauen belästigt. Aber keine Panik, die »linken Krawallmacher«  von G20 sind nicht zurück und kein »Migrantenmob«  treibt sein Unwesen am Kölner Hauptbahnhof. Es ist einfach Karneval.

Frei nach dem Kölschen Grundgesetz »mia san mia« äh pardon: »Et es wie et es« bevölkerten auch dieses Jahr wieder »Wolle-Rose«-Verkaufende Inder, »Indianer«, Scheichs, Mexikaner und black-gefacete Jeckinnen und Jecken die Kölner Innenstadt und Karnevalskneipen. Wer denkt, in Zeiten von »Me two« und der »I am not a costume«-Kampagne wäre das kritische Bewusstsein der Menschen gewachsen, wird beim Karneval eines besseren belehrt. Das es nicht cool ist sich á la Mistrelshow* als weißer Europäer das Gesicht schwarz zu malen, oder sich als »Eskimo« (=wörtl. übersetzt »Fischfresser«) zu verkleiden, haben viele noch immer nicht verstanden. Aber hey: Geht es beim Karneval nicht auch um Druckbetankung und Sex statt ums Denken? Oder war da mal sowas wie ein politischer Hintergrund?

Egal, ich öffne noch ein letztes Bier und schließe mich der Karawane des durstigen Sultans an. Bin auch schon ganz dehydriert vom ganzen politischen Aktivismus.Ein kleiner Tipp noch für alle verzweifelten Jecken, die sich fragen als was man sich denn dann heutzutage noch verkleiden kann: Tiere. Die sind süß und flauschig und haben sich noch nie unter ’nem Hashtag über irgendwas beschwert. 

Für nächstes Jahr bin ich hoffnungsvoll, denn wie heißt es so schön im Kölschen Grundgesetz: Et bliev nix, wie et wor!

 

*Als Mistrel bezeichnet man die ab dem 19. Jahrhundert stattfindenden Varietéshows in den USA, wo weiße Künstler sich zur Belustigung des Publikums blackfaceten.

 

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