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Das gesellschaftskritische Popmagazin

Wer hoch fliegt, der stürzt. Das war schon zu Zeiten so, als Leute an stierköpfige Muskelmänner in Labyrinthen und Götter auf Bergen glaubten. Jan Ullrich nun fällt tief. Eine griechische Tragödie in mehreren Akten.

Zuerst war der Flug. Tour de France. Jan Ullrich war die Verkörperung des deutschen Adonis. Bald nur stellte sich heraus: Er hatte von Nektar und Ambrosia genascht. Seine Erfolge beruhten auf dem Diebstahl an den Göttern. Und die rächten sich.

Jan Ullrichs Fall begann. Und er endete erst kürzlich, als er den kalten, harten, Kot und Urin beschmierten Boden der Tatsachen erreichte. Es wurde öffentlich, dass er schon länger eine Freundschaft mit Til Schweiger pflegte. Und dass seine Familie sich aufgrund seiner Alkohol- und Drogenprobleme von ihm getrennt hatte.

In einem einzigartigen Befreiungsschlag suchte er Schweigers Anwesen in Mallorca auf, dem Olymp deutscher Halbgötter (Loona wohnt hier), und griff einen gemeinsamen Bekannten an. Während Ullrich von der Polizei abgeführt wurde, raunte Schweiger ihm zu: „Du bist jetzt nicht mehr mein Freund.“ Ende gut, alles gut?

Nein. Nicht nur relativierte Schweiger später diese Aussage. Auch soll Ullrich zugesagt haben, eine Entzugseinrichtung besuchen zu wollen. Jan Ullrich hatte einmal den höchsten Berg der deutschen Welt erklommen – den, der aus besoffenen Sportfans besteht. Heute ist Ullrich nur noch gut für den Titel der Bild-Zeitung.

Jan Ullrich ist Herakles und Ikarus. Er hat den Minotaurus gehörnt und ist dann ins Meer geplumpst. Dort warten die Ungeheuer, sie heißen Alkohol und Kokain und Julian Reichelt und sie sind so verführerisch wie zerstörerisch. Aber ein Halbgott wird sie überstehen. It’s Beauty that will kill the Beast. Jan Ullrich, unser Herz befähigt dich, die Ungeheuer zu schlachten.