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Das gesellschaftskritische Popmagazin

Wie traurige Blumen der Bescheidenheit entstehen in den schönsten Kiezen Berlins immer wieder kleine Oasen der Sorglosigkeit.

Wer umzieht, pflanzt eine solche in seine unmittelbare Nachbarschaft. Nicht vor die Haustür, denn die spendenden Urban-Botaniker wollen, ja müssen, unerkannt bleiben. Sie laden ihre Waschmaschinen, Kühlschränke und IKEA-Möbel nachts auf Bürgersteigen ab. Ihnen auf den Fersen sind die Spießer, die Nörgler und das Ordnungsamt. Mittels einer App können die Berliner Bürgerinnen und Bürger heute Müllberge in der Stadt melden. Dann kommt die BSR, so etwas wie der institutionalisierte große Bruder, der immer alles kaputtmachen muss, was man gerade kreiert hat. Und schwupps, verschwinden die Berge wieder. In ihrer Kurzlebigkeit erinnern sie uns an uns selbst. Und in ihrer Schönheit auch. Kaum sind sie da, sind sie wieder vergangen. So wie das Leben jeden Tag vergeht und neu entsteht. Wie tief der Hass der Ordnungsämter und sich echauffierenden Nachbarn geht, so tief lässt das in unsere Gesellschaft blicken. Wir zerstören eher, als dass wir erschaffen möchten. Wir reiben uns an der Veränderung anstatt die Spontaneität zu umarmen. Und die Urheber, die grünbedaumten Garten- und Landschaftspfleger? Die ziehen weg.