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ZurQuelle Magazin

von und für Zaubernde

Man rechnet ja immer damit, dass ein Held der eigenen Jugend abtritt, aber den Tod von Chester Bennington hat gestern Abend wohl niemand kommen sehen. Unsere Autorin Hannah erzählt von ihrer besonderen Beziehung zu dessen Musik.

Als Kind habe ich unmerklich Schutz in der Anwesenheit seiner Musik gefunden. Sie hat mich umringt, seit ich denken kann. Chester Bennington hat mich, begleitet von der schiefen Singstimme meiner Mutter, im weißen Opel Astra zur Schule gefahren. Linkin Parks Songs haben mir geholfen, Baumhäuser und Skateboard-Unfälle zu bauen. Sie waren eine omnipräsente Begleitung und verblassten allmählich zu einem vergessenen Privileg der Kindheit. Das wurde mir leider erst gestern Abend klar, als ich nach neun Jahren zum ersten Mal wieder Chester Benningtons Stimme hörte.

Der saubere Klang irritierte mich, denn mein alter Walkman hatte all die Jahre erheblich viel Bass geschluckt. Zum ersten Mal wurde mir die Tiefe in den Lyrics von Linkin Park bewusst. Für mich gehörte die Band zu den leisen Zwischentönen meines Erwachsenwerdens. So leise, dass ich sie eine ganze Weile schon nicht mehr hörte. Ihre plötzliche Lautstärke durch Chester Benningtons Ableben macht mich nostalgisch. Ich war zu jung als dass mich seine Worte hätten trösten können. Jetzt aber ist mir mehr denn je klar, dass er meiner Generation eine erhebliche Last von den Schultern genommen hat. Traurig, dass er sie am Ende selbst nicht mehr tragen konnte.

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