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ZurQuelle Magazin

Das gesellschaftskritische Popmagazin

Geknebelte Frauen, die kommentarlos die Beine gen Bevölkerung spreizen, sind weiterhin en vogue. Und en Net. Clickbait-Journalismus lebt vom hippen Boulevard-Charme und vor allem Anti-Charme, gerne also von Gewalt, Drogen und Sex. Keine wirklich neue Erkenntnis.

Unser Zeitgeist darf Themen wie Feminismus und Pornografie in Verbindung setzen, ohne dass dies unweigerlich in einen Skandal mündet. Darum bemühen sich reflektierte Journalisten. Trotzdem ist Sexualität immer noch ein treibender wirtschaftlicher Katalysator im Journalismus. Denn jeder meinungssteuernde Journalist wird selbst gesteuert. Von Zeit, Reichweite und vor allem Geld. 

So landet eine auf Verletzlichkeit und Nacktheit reduzierte Frau in einem liberalen Textgewand auf den Startseiten. Sexuelle Gewalt wird nicht selten als Variante von Sexualität stilisiert. Einem Leser sollte man tiefere Reflexionen über eventuell schädliche Diskurse solcher Artikel jedoch nicht abverlangen. Boulevard-Journalismus ist für den flüchtigen Konsum und zur Unterhaltung ausgelegt. 

Genau dort kommt ihr ins Spiel, liebe Boulevard-Journalisten. Ihr seid keine homogene Masse aus unmoralischen Egomanen. Es gibt guten Boulevard. Vielleicht solltet ihr euch öfter fragen, ob man für potentiell schädliche, mindestens aber moralisch verwirrende Kontexte wirklich ein Herz haben sollte.

Und nein, es geht hier nicht um Empörung über entblößte Brüste oder Penisse. Und auch nur beispielhaft um wehrlose Frauen, denn auch männliche Sexualität wird von euch gerne fehlinterpretiert. Klar, es fehlt euch viel zu oft an Zeit für Recherche und Erklärungen. In sensiblen Themenbereichen braucht es diese aber dringend.

Als schnelle Alternativlösung deshalb hier ein Zur-Quelle-Pro-Tipp: Hundebabies werden sehr viel öfter angeklickt, als gepeinigte Nackte. Und vor allem sehr viel mehr liebgehabt.

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