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von und für Zaubernde

In vielen postsozialisitschen Staaten sieht es nicht so rosig aus.

Sie sind kaputt, hassen sich selbst und sich gegenseitig, sind sich dabei aber in einer Sache dennoch einig: Sündenböcke lindern etwas den Selbsthass und lenken superb von den eigentlichen Problemen ab. Doch bei der Opferwahl ist Vorsicht geboten! Es gibt Minderheiten, die einen umfangreichen Rechtsschutz erhalten: Die sollten besser gemieden werden.

Insofern stellen die homosexuelle Personen etwa eine ideale Zielgruppe dar, denn sie genießen dieses Privileg in der Regel nicht. In manchen Staaten wie dem Kosovo garantiert jedoch die Verfassung Schutz vor Diskriminierung von Menschen aufgrund ihrer Sexualität. Deswegen suchten in den letzten Jahren Tausende Homosexuelle in dem kleinen Balkanstaat Zuflucht.

Der Kosovo ist von den Balkanstaaten der einzige mit einem derartigen Gesetz. Die mehrheitlich muslimische Bevölkerung nahm die Schutzsuchenden herzlich auf, da die serbische Unterdrückung vor der Unabhängigkeit noch in den Köpfen der Kosovaren präsent ist.

Ugly ist die Homophobie im Kosovo

Schön wär’s, doch natürlich sieht die Realität ganz anders aus. Ein einfacher Verfassungstext reicht eben nicht aus, um gegen Stereotype und die konservativen Denkweisen der Bevölkerung etwas auszurichten. Schulbücher im Kosovo bringen den Kids zum Beispiel bei, Homosexualität sei eine psychische Krankheit und promulgieren dabei gleichzeitig ein männerdominiertes und sexistisches Familienbild.

Die Familie will viel Nachwuchs. Wenn sie also erführe, dass es keine Enkel geben wird … Solch Gedankengut ist natürlich erstklassiger Dünger für den Nährboden physischer und verbaler Gewalt. Eine Schwulenbar etwa, die in Pristina eröffnen sollte, natürlich die allererste, musste nach einem Tag schließen, der Wirt aus dem Land fliehen.

2012 stürmten Radikale in Pristina eine Release-Party einer Ausgabe des Magazins Kosovo 2.0, weil darin über homosexuelle Lebensweisen berichtet wurde. Die Angreiferinnen beschimpften die Anwesenden wütend: »Schwule raus. Ihr seid schmutzig.« Sowas reicht aber im Kosovo nicht aus, um den Straftatbestand der Beleidigung zu erfüllen. Verboten wäre nur so etwas wie: »Schwule raus, ihr seid schmutzige Serben!«

 

Text: Lea Wyrwal

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