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Das gesellschaftskritische Popmagazin

Er gehört zur Klasse der »höheren Krebse«, wird bis zu 60 Zentimeter lang und sechs Kilo schwer. Die Rede ist von unserem schneidigen Titeltier: dem Hummer.

Zwei Arten gibt es auf der Welt: amerikanische und europäische. Einmal mit scharfen Scheren und einmal mit stumpfen, dafür sehr schönen Scheren ausgestattet. Nein, das war nur ein Scherz. Tatsächlich sind die amerikanischen Kollegen meist etwas länger und dicker als die europäischen. Das ist wiederum kein Scherz. Mittlerweile lebt der Homarus americanus auch an den Küsten Dänemarks, Schwedens und Norwegens. Wahrscheinlich sind sie illegal eingewandert. Lautstarke Proteste gegen die zu lasche Krustentier-Einwanderungspolitik seitens der europäischen Krustentiere zeigte jedoch bislang keine Wirkung. Das größte gefundene europäische Exemplar brachte 9,3 Kilogramm auf die Waage. Der fetteste Ami-Hummer zeigt sich dagegen mit knapp über 20 Kilogramm deutlich überlegen. Kein Wunder, dass die EU-Hummer angesichts ihrer dicken amerikanischen Artgenossen volle Hosen haben. Auch wenn sich beide Arten bis jetzt auf dem Euro-Kontinent noch nicht in die Quere kamen, erklären Sprecher der BHE (Bündnis der Hummer aus Europa), dass sie sich mittlerweile fremd auf dem eigenen Kontinent fühlten. Das Verhältnis beider Arten zueinander ist entsprechend gespannt.

Doch eine Angst eint alle Lobster auf der Welt: Die Panik vor dem Kochtopf. Wenn es nämlich ums Essen geht, kennen europäische und amerikanische Spitzenköchinnen keine Unterschiede zwischen EU- und US-Hummer. Sie alle gelten als feine Delikatesse. Inzwischen treten gemäßigtere Stimmen von US- und EU-Hummer-Gruppen für eine Aussöhnung beider Gattungen ein, um gemeinsam gegen die Folter- und Tötungsmethoden der Nobelrestaurants vorzugehen. Klar ist nämlich: Die Schmerzen, die kochendes Wasser verursacht, sind die reine Hölle. Und diese kann im schlechtesten Fall bis zu sieben Minuten andauern. Ein großangelegter Scherenangriff gegen die Fressfeinde wäre für die vereinigten Zehnfußkrebse weltweit ein erster Schritt. Doch bis es soweit ist, müssten die Ami-Hummer noch ein wenig abnehmen. Außerdem kommen Hummer meist erst tot in die Nähe der speisenden Feinde. Beides keine guten Voraussetzungen. Außerdem sehen die amerikanischen Artvertreter auch gar nicht ein, wieso sie jetzt abnehmen sollten.

David Bäuerle