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Das gesellschaftskritische Popmagazin

Liebst du dein schlaues Köpfchen genauso wie deinen trainierten Body? Hast du es satt, auf deinen harten linken Haken reduziert zu werden, aber auch keine Lust, immer nur die Streberin zu sein?

Das ist ein verdammt schwerer Spagat, und Spagat ist ja sowieso nicht so dein Ding, denn du bist Boxerin.

Für alle, die die eigenen Kampfkünste und geistige Fitness optimieren wollen, wurde Schachboxen erfunden. Es geht darum, zwei Sportarten, die unterschiedlicher nicht sein könnten, von ihren üblichen Klischees zu befreien.

Während sich im Schach altmodische und nerdige Tugenden wie Geduld, Logik und Taktik vereinen, geht es beim Boxen um Gewalt, Schweiß und blutende Nasen. Verständlich, dass sich niemand auf eines dieser beiden Rollenbilder reduzieren lasen will. Im Schachboxen vereinen sich nun zwei Königsdisziplinen der Sportwelt: Wahre Könnerinnen glänzen nur, wenn sie intellektuelle Höchstleistungen vollbringen und gleichzeitig hart zuschlagen können. Durch die schnelle Abfolge von Schachspiel und Boxkampf liegt die Herausforderung darin, in Sekundenschnelle zwischen Kampfinstinkt und strategischem Denken hin- und herzuschalten. Nur so gelangen Körper und Geist in perfekte Harmonie und sichern den Sieg.

 

Gespielt wird so: Ein Wettkampf im klassischen Schachboxen besteht aus insgesamt elf Runden zu jeweils drei Minuten – sechsmal Schach, fünfmal Boxen. Gesiegt werden kann durch Knockout oder Schachmatt, oder wenn die Schachuhr der Gegnerin abgelaufen ist und sie wegen Zeitspiels disqualifiziert wird.

Die Frage, warum die Welt Schachboxen braucht, ist natürlich nicht leicht zu beantworten. Erfunden wurde es 2003 von Niederländer und Aktionskünstler Iepe Rubingh. Inspiriert wurde er hierzu durch „Froid Équateur“, einer berühtem Graphic Novel von Enki Bilal. Sie faszinierte ihn so sehr, dass er die World Chessboxing Organisation in Berlin gründete. Im gleichen Jahr gewann er selbst die erste Weltmeisterschaft unter seinem Kampfnamen Iepe the Joker im Wettstreit gegen Louis the Lawyer. Seitdem haben sich in China, im Iran, Russland und den USA sowie in fast allen europäischen Großstädten solch intellektuelle Fight Clubs gegründet. Also, worauf wartest du? Hinein in den Ring und ran ans Brett – Schlag um Schlag und Zug um Zug.