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Das gesellschaftskritische Popmagazin

Beyoncé ist die Mutter der politisierten Popmusik. Aber was will Beyoncé uns sagen?

Kann Popmusik irgendetwas, außer nervig sein? Hinsichtlich des begeisterten Hypes um Beyoncés neues Album schien es fast so, als erfände sich die Popmusik gerade neu, würde persönlich und politisch. Schon mit ihrer Performance beim Super Bowl 50 traf Beyoncé einen wunden Punkt in Amerikas Selbstbild.

Von rechts hieß es, sie attackiere mit ihrem radikalen Video zu Formation die Polizei, von der anderen Seite (links) wurde ihr unterstellt, sie eigne sich eine Bildsprache der kontroversen Black Panther an, um ein Publikum zu erreichen, das sich durch eine oberflächliche Politisierung leichter zum Konsum überzeugen ließe.

Der Aktivismus von Beyoncé für Black Lives Matter wird aus ihren eigenen Reihen untergraben, deren kritische Stimmen ihr vorwerfen, kein Vorbild mehr zu sein, seitdem sie sich durch das Bleichen von Haut und Haaren den Schönheitsidealen der weiß dominierten Popwelt unterwarf.

Ist das jetzt Empowerment, Beyoncé?

Der Vorwurf der »cultural misappropriation« ist durchaus nicht aus der Luft gegriffen: Man denke nur daran, wie die Königin des »Beyhives« in Hymn for the Weekend für Chris Martin als ›Freundschaftsdienst‹ eine indische Prinzessin spielte, aufwendig bemalt und mit exotischen Accessoires behangen.

Der Clip wurde von der indischen Kritik unisono zerrissen – und die hinduistisch inspirierten Farbschlachten sind dermaßen kapitalisiert, dass sie den Reichtum der indischen Kultur geradezu verhöhnen.

Auch aus dem Nahen Osten hat Beyoncé eifrig kulturelle Anekdoten gesammelt – in Superpower trug sie einen Niqab, der knapp ihre Brust bedeckte. Das kann man »empowering« oder geschmacklos finden, den gewünschten Effekt (Shitstorm) haben diese Aktionen jedenfalls erzielt.

Es ist oft schwer zu unterscheiden, wo die Grenze zwischen glaubwürdiger Kritik und ausgeklügelter Marketingstrategie liegt. Am Ende zählt, was rüberkommt: Beyoncé zeigt der Welt eine Alternative zum heteronormativen Bullshit einer tristen Mainstream-Popwelt. Sie maximiert dabei ihren eigenen Gewinn, indem sie zugleich genau dieses Publikum optimal zu bedienen weiß.

Wenn man den zynischen Subtext von Lemonade ausblendet, kann man immerhin politisch korrekt die runden Hüften schwingen.